Entfernen von PFC

Erstellt: Freitag, 09. Februar 2018

Rastatt (proh). Endspurt beim Umbau des Wasserwerks Rauental der star.Energiewerke: Fast 20 Kubikmeter Aktivkohle – das entspricht circa 2.000 Zehn-Liter-Eimern – sind am Mittwoch (07. Februar) in die vier neuen Filteranlagen eingefüllt worden. Ihre Aufgabe ist es, von nun an perfluorierte Chemikalien (PFC) aus dem Rastatter Brunnenwasser zu entfernen, das seit über fünf Jahren Grundwasser und Böden der Region belastet. Tobias Meisch, stellvertretender Projektleiter und Wassermeister der star.Energiewerke für den Umbau des Wasserwerks Rauental, informiert.

"Wie geplant starten wir ab sofort mit dem Probebetrieb. Damit stellen wir sicher, dass bis zur geplanten offiziellen Inbetriebnahme Anfang Juni auch wirklich alles reibungslos funktioniert. Das Ganze ist technisch recht komplex." Ergänzend fügt er hinzu: "Für die Handhabung der PFC-Filter ist spezielles Know-how gefragt."

Insgesamt sechs Mann kümmern sich um die Wasserwerke der star.Energiewerke; neben Rauental gehört auch die technische Betriebsführung des Wasserwerk Förch, im Auftrag des Wasserversorgungsverbandes Vorderes Murgtal, dazu." Künftig werden in der Rauentaler Anlage im 24-Stunden-Betrieb pro Filter circa 1,5 Millionen Liter Trinkwasser aufbereitet und von PFC-Verunreinigungen befreit.

In den Umbau des Wasserwerks haben die star.Energiewerke als verantwortlicher Wasserversorger für die Stadt Rastatt bis dato über 3,7 Millionen Euro investiert. Bei Aktivkohle handelt es sich um einen feinkörnigen Kohlenstoff; dieser ist in hohem Maß porös und verfügt deshalb über eine sehr große Oberfläche. Das schwarze Pulver ist daher aufnahmefähig wie ein Schwamm.

"Die größte Stärke von Aktivkohle besteht in der sogenannten Adsorption", erklärt Tobias Meisch. "Das heißt, die Kohlenstoffpartikel können Stoffe wie beispielsweise PFC an sich binden." Nach etwa sechs Monaten Betriebszeit muss die Aktivkohle im Wasserwerk Rauental ausgetauscht werden; so lange dauert es, bis die Filterwirkung nachlässt. "Aktivkohle kann man mehrmals regenerieren; sie ist thermisch reaktivierbar", weiß Tobias Meisch. "Angelagerte Stoffe werden bei diesem Prozess verbrannt. Mitverbrannte Kohle wird bei Bedarf durch Frischkohle ergänzt."

Nach vorsichtigen Schätzungen liegen die Betriebskosten der neuen Anlage bei rund 250.000 Euro jährlich. Sanierungsaufgabe  Olaf Kaspryk, Geschäftsführer der star.Energiewerke, ist froh, dass mit der bevorstehenden Inbetriebnahme des neuen Rauentaler Wasserwerks ein weiterer großer Schritt für eine langfristig sichere Trinkwasserversorgung in Rastatt getan ist. "Endlich ist die volle Redundanz der Wasserversorgung der Stadt wieder hergestellt."

Neben der Versorgungssicherheit auf hohem Niveau übernehmen die star.Energiewerke mit dem umgebauten und durch Aktivkohlefilter erweiterten Wasserwerk auch die Sanierung des Grundwassers. Nach dem Verständnis von Olaf Kaspryk wäre die Sanierung eines solchen großen Grundwasserkörpers eigentlich die Aufgabe des Landes.

"Bis jedoch politische und juristische Konsequenzen aus dem Umweltskandal gezogen sind, können wir als Wasserversorger nicht warten. Es geht um das Lebensmittel Nummer eins. Da ist schnelles Handeln gefragt. Ich bin im Auftrag der Stadt für eine Versorgung mit ausreichend gesundem Trinkwasser der Bürgerinnen und Bürger Rastatts verantwortlich. Und dieser Aufgabe werde ich gerecht." Seit Entdecken des Umweltskandals ist bereits ein ganzes Bündel an Maßnahmen umgesetzt worden, um die Wasserversorgung zu sichern.

PV-Anlagen auf PFC-belastete Ackerflächen

Die Betriebe der Energieversorgung in Baden-Württemberg haben im Jahr 2015 insgesamt rund 140 Millionen Euro (Mill. EUR) in Maßnahmen zum Klimaschutz investiert. Wie das Statistische Landesamt mitteilt, wurden diese Investitionen von 122 Betreibern mit Sitz in Baden-Württemberg getätigt, das entspricht jedem vierten der befragten Energieversorger im Land. Die Investitionssumme ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 42 % deutlich angestiegen.

Rund 9 % der Gesamtinvestitionen der Branche wurden im Jahr 2015 für Klimaschutzmaßnahmen aufgewendet.  Bei den umgesetzten Maßnahmen handelte es sich zum Großteil um Investitionen zum Ausbau Erneuerbarer Energien. Auf diese fielen mit 76 Mill. EUR mehr als die Hälfte der Investitionssumme. Fast jeder sechste der befragten Anlagenbetreiber gab Maßnahmen im Zusammenhang mit der Nutzung Erneuerbarer Energien an.

Mehr als jeder achte Energieversorger investierte in die Verbesserung der Energieeffizienz, das waren 2015 knapp 31 Mill. EUR. Während in den Ausbau Erneuerbarer Energien überwiegend von Seiten der Elektrizitätsversorger investiert wurde, wurden Anstrengungen zur Verbesserung der Energieeffizienz zu einem Großteil von den Wärme- und Kälteversorgern getätigt. Darüber hinaus machten knapp 4 % der Befragten Angaben zu Investitionen zur Vermeidung und Verminderung der Treibhausgasemissionen im Produktionsprozess von insgesamt rund 32 Mill. EUR. 

Fördern wolle das Land Baden-Württemberg künftig den Bau von Photovoltaikanlagen auf Freiflächen in benachteiligten Gebieten und Mieterstrommodelle. Untersteller zeigte sich zuversichtlich, dass Mieterstrommodelle zu einem stärkeren Ausbau der Photovoltaik in Städten führen wird. Er betonte, dass mit dem Mieterstromgesetz, das auf erheblichen Druck des Landes erlassen worden sei, auch die Mieterstrommodelle einen deutlichen Schub erhalten werden. 

Umweltminister Franz Untersteller hat auf dem 4. Solarbranchentag eine Art "Sofortprogramm Solarwirtschaft" angeregt, um dem Ausbau der Photovoltaik in Bund und Land neuen Schwung zu verleihen.  Nötig seien insbesondere Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz, eine Reform der Ausschreibungsbedingungen für neue große Solaranlagen, Nachbesserungen im Mieterstromgesetz sowie eine Streichung der Ausbaugrenze von bislang 52 Gigawatt für förderfähige Solaranlagen.

"Mit ihrem rigorosen Ausbaudeckel und der Belastung von Solarenergie für den Eigenverbrauch mit der EEG-Umlage hat die bisherige Bundesregierung im Rahmen ihrer jüngsten EEG-Novellen der Solarwirtschaft quasi den Stecker gezogen und den einst starken deutschen Solarmarkt nun vollends in die Nische gedrängt. Wir müssen endlich wieder Tempo machen bei der Photovoltaik und nicht mehr, wie bisher, bremsen", sagte Untersteller. 

Als neue Möglichkeit für die Errichtung von PV-Anlagen nannte Untersteller auch PFC-belastete Ackerflächen im Raum Rastatt, Baden-Baden und Mannheim. Das Umweltministerium habe von der Clearingstelle EEG prüfen lassen, ob solche Flächen in Betracht kommen können. Die Clearingstelle sei dabei zu einem grundsätzlich positiven Ergebnis gekommen. "Ich hoffe, dass es gelingt, dort neue Anlagen zu genehmigen. Aber ich sage auch: Vor einer Genehmigung stehen hohe Hürden." 

(Quelle: SEW.ra/HIN)