Mit Gemüse bräunen?

Erstellt: Montag, 09. April 2018

(Hero). Vornehme Blässe oder ein sonnengebräunter Teint – was gerade gewollt und beliebt ist, hängt oft von der Mode und der Kultur ab. Hierzulande steht gebräunte Haut seit Jahren hoch im Kurs, jedoch geht übermäßiges Sonnenbaden mit hohen gesundheitlichen Risiken für die Haut einher. Dass eine karotten- und tomatenreiche Ernährung einen gewissen Sonnenschutz bietet, weil die Einlagerung der Carotinoide im Fettgewebe zu einem orangefarbenen Hautton führt, ist schon seit längerem bekannt. Dies gilt für die Zeit direkt nach Einwirkung der UV-Strahlung.

In Deutschland erkranken jährlich rund 140'000 Menschen neu an Hautkrebs. Eine Ursache sind Hautschäden durch Sonnenbestrahlung. Vor direkter Sonnenbestrahlung sollte die Haut daher möglichst geschützt werden. Allgemein gilt die Empfehlung, die intensive Mittagssonne zu meiden. Kinder unter zwei Jahren sollten der Sonne gar nicht ausgesetzt werden: Ihre Haut hat noch keine eigene Schutzfunktion gegen Sonnenstrahlung ausgebildet.

Was viele Verbraucher nicht bedenken: Schatten bietet keinen vollständigen Schutz vor Sonnenstrahlung, das Ausmaß der UV-Strahlung ist nur geringer. Mit hochwertigen Sonnenbrillen sollten auch die Augen vor Schäden durch Sonnenstrahlung geschützt werden.  Den besten Schutz vor Strahlung bietet die Kleidung als so genannter "textiler Sonnenschutz".

In den vergangenen Jahren mehrten sich Hinweise dafür, dass auch Stunden nach der Lichteinwirkung Zellschäden auftreten. Darauf aufbauend wollen Ernährungswissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf nun genauer untersuchen, ob Carotinoide auch vor diesen zeitverzögerten Schäden schützen können.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das gemeinsame Forschungsprojekt "Protektive Wirkungen carotinoidreicher Nahrungsmittel vor DNA-Schäden aus Reaktionen chemisch induzierter Triplettzustände von Melaninderivaten" über eine Laufzeit von drei Jahren mit insgesamt rund 400'000 Euro.

"Übermäßige Sonnenexposition ist der Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs", erklärt PD Dr. Volker Böhm vom Institut für Ernährungswissenschaften der Uni Jena. "Zur Prävention bösartiger Hauttumore wird allgemein das Auftragen eines Sonnenschutzmittels empfohlen. Wir werden prüfen, ob als ergänzende Maßnahme Lebensmittelinhaltsstoffe wie Carotinoide einen endogenen Schutz bieten."

 Nach dem Sonnen bildet sich in der Haut als Lichtschutz das braune Pigment Melanin. In unerwünschten Nebenreaktionen können daraus aber auch reaktive Verbindungen entstehen, die Zellen oxidativ schädigen und möglicherweise zu Hautkrebs führen. "Wir sehen uns an, ob Carotinoide, die als Antioxidantien wirken, diese Reaktionskette unterbrechen und ob sich mit ihnen gegensteuern lässt", erläutert Prof. Dr. Wilhelm Stahl.

Für die Untersuchungen werden Carotinoide sowohl in isolierter Form als auch in Lebensmitteln wie Tomaten- oder Karottenkonzentrat in die Hautzelle bzw. ins Zellmodell eingebracht. So soll der Nachweis gelingen, ob die rötlich färbenden Pigmente die zeitverzögerte Bildung von DNA-Schäden in der Haut verhindern können. "Gerade in Zeiten, in denen intensives Sonnenbaden regelrecht ein Freizeitsport geworden ist, und angesichts der immer älter werdenden Gesellschaft steigt die Relevanz dieser Fragestellung", sagt Dr. Böhm.

"Im Anschluss würden wir gern positive Ernährungsempfehlungen, die zum Hautschutz beim Sonnen beitragen, geben", wünscht sich Prof. Stahl als Ergebnis. Carotinoide wie zum Beispiel Lutein und Lycopin sind sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe und in vielen Obst- und Gemüsesorten enthalten. Besonders hoch ist ihr Anteil in Karotten, Tomaten, Spinat und Kürbis.

Volker Böhm und Wilhelm Stahl forschen seit mehr als 20 Jahren zu Carotinoiden und wurden beide 2017 zum "Fellow of the International Carotenoid Society" (FICS) ernannt. Überdies hat das Bundesinstitut für Risikobewertung die Ernährungswissenschaftler jüngst zum wiederholten Mal als unabhängige Sachverständige in die "Kommission für Ernährung, diätetische Produkte, neuartige Lebensmittel und Allergien" berufen.

Hauptaufgabe der Fachgruppe ist die ernährungsphysiologische/ernährungsmedizinische Bewertung von Nährstoffen und sonstigen Stoffen mit physiologischer Wirkung in Lebensmitteln des allgemeinen Verzehrs einschließlich

  • Nahrungsergänzungsmittel und angereicherte Lebensmittel
  • diätetische Lebensmittel
  • neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten
  • Lebensmittel aus genetisch veränderten Organismen

Dabei werden sowohl Risiken der Überversorgung als auch - im Fall von essentiellen Nährstoffen - der Unterversorgung abgeschätzt. Außerdem werden Fragen zu ausgewählten Ernährungsrisiken und Allergien bearbeitet. Als Grundlage für die Bewertungen werden die Ergebnisse aus internationalen, nationalen und z. T. in der Fachgruppe selbst durchgeführten Forschungsaktivitäten herangezogen.

Die Fachgruppe erarbeitet außerdem Stellungnahmen zum Thema Säuglingsernährung, wobei die Zusammensetzung von Säuglingsanfangs-, Folgenahrung und Beikost im Fokus steht. Außerdem ist die Geschäftsführungen der BfR-Kommission für Ernährung, diätetische Produkte, neuartige Lebensmittel und Allergien in der Fachgruppe angesiedelt.

Die Fachgruppe erarbeitet ferner Stellungnahmen zu Initiativen, Gesetzgebungsverfahren, behördlichen Verfahren und Verhandlungen auf nationaler und internationaler Ebene und vertritt diese z. B. im Arbeitskreis lebensmittelrechtlicher Sachverständiger der Bundesländer und des BVL (ALS) sowie in anderen nationalen und internationalen Arbeitsgruppen und Kommissionen.

Arbeits- und Forschungsschwerpunkte

  • Risikobewertung von sekundären Pflanzeninhaltsstoffen und sonstigen Stoffen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung
  • Bewertungskonzepte für Mikronährstoffe und sonstige Lebensmittelinhaltsstoffe
  • Folsäure und Epigenetik

siehe auch ⇒ Klimawandel und UV-Strahlung: Wirkungen auf die Entstehung von Hautkrebs  in Deutschland

(Quelle: UNI.jena/HIN)