Überschwemmungen

Erstellt: Freitag, 05. Januar 2018

(proh). Nachdem diese Woche bereits das Sturmtief "Burglind" die Einsatzkräfte der Feuerwehr und Polizei in Atem hielt, sorgten in der Nacht von Donnerstag auf Freitag Regen und Tauwetter erneut für Einsätze im gesamten Präsidiumsbereich. Übergetretene Flussläufe sowie aufgeweichter Erdboden an Hängen hatten nicht nur vollgelaufene Keller und Unterführungen zur Folge, sondern machten auch diverse Straßenabsperrungen unabdingbar. Hochwassertouristen fuhren von Brücke zu Brücke, um sich jeweils selbst ein Bild des schaurig schönen Naturschauspiels zu machen.

So musste in Gaggenau bei Hörden eine Fußgängerunterführung gesperrt werden, in Bad Rotenfels war der Sportplatz überschwemmt. Beide Örtlichkeiten waren dem extremen Zufluss des Wassers ausgesetzt.

In Gernsbach sperrte die Feuerwehr die Stadtbrücke ab und war darüber hinaus damit beschäftigt, das kühle Nass aus mehreren Kellern abzupumpen. Gegen Mitternacht trat die Kinzig in Hausach über ihre Ufer und flutete die Nebenstrecke zwischen Fischerbach und Hausach sowie die Bahnunterführung bei Mühlengrün, was ebenfalls vielfältige Straßenblockaden und Verkehrsumleitungen nach sich zog.

Für kurze Zeit war die Zufahrt nach Kurzenbach in Oberwolfach abgeschnitten, Erde war abgerutscht und machte sich auf der Fahrbahn breit. Am Ortsende von Bühlertal drohte ebenfalls bereits kurz nach Mitternacht unweit der L83 Erdreich auf die Straße zu gleiten. Die Bühlertalstraße ist daher nach wie vor nicht befahrbar. Zum jetzigen Stand sind keine Personenschäden zu beklagen. 

Das Überschwemmungsgebiet der Murg scheint seinen Zweck zu erfüllen, kommt aber aufgrund der massiven Regenfälle an seine Grenze. Das Wasser steht ähnlich knapp unter den Brücken wie 1990. In der Nacht waren die Arbeiter der Stadt unterwegs, um die Pegel an den Brücken kontrollierten.

Dämme und Wälder nicht betreten

Einige Hochwassertouristen fuhren von Brücke zu Brücke, um sich jeweils selbst ein Bild des schaurig schönen Naturschauspiels zu machen. Nicht betreten sollten sie derzeit die Hochwasserdämme an Rhein und Murg nicht. Aus Sicherheitsgründen sollten auch Spaziergänger den Dämmen fernbleiben. Damit schützen sie auch Wildtiere, die sich bei Hochwasser auf die Dämme zurückziehen. Der Bereitschaftsdienst der Stadt Rastatt ist im Einsatz und beobachtet die weitere Entwicklung rund um die Uhr.

An der Murg wurde bereits am Nachmittag des 3. Januar ein erhöhter Pegelstand von 2,20 Metern gemessen. Nach einem vorübergehenden Absinken erreichte die Murg an der Schießbrücke am Donnerstagnachmittag einen Pegel von 4m, der um 1:30 Uhr am Freitagmorgen auf 6m gestiegen sei, wie ein Anwohner mitteilte. Stetig steigend ist der Pegelstand derzeit auch am Rhein. Aktuell hat er bei Plittersdorf die Marke von sieben Metern überschritten und wird nach den Prognosen der Hochwasserzentrale des Landes Baden-Württemberg am Samstag bei einem Maximalstand von 7,30 Metern angekommen sein.

Das Forstamt bittet Bürgerinnen und Bürger übrigens auch die Waldgebiete zu meiden, da der Wind immer wieder auffrische und die waldtypischen Gefahren bestünden. Da die Böden wegen der häufigen Regenfälle in den vergangenen Wochen durchweicht sind, drohen auch gesunde Bäume ihren Halt zu verlieren und umzustürzen.

Die Forstverwaltungen bitten daher Spaziergängerinnen und Spaziergänger eindringlich mit größtem Bedacht im Wald, auf den Friedhöfen und auf allen Grünflächen mit Bäumen unterwegs zu sein wenn es denn unbedingt sein müsse. Und auch wenn sich Sturm und Regen in den nächsten Tagen gelegt haben sollten, ist weiterhin Vorsicht angesagt. Lose Äste könnten von den Bäumen fallen und zu Verletzungen führen.

Heute bringen im Süden viele Wolken teilweise heftigen Regen. Dieser führe dazu, dass in dem aufgeweichten Boden immer noch Bäume umfallen könnten. In den kommenden Tagen würden die Waldwege kontrolliert und nach und nach freigeräumt. Die Höchstwerte betragen 11 bis 13 Grad, die Tiefsttemperaturen der kommenden Nacht 8 bis 4 Grad. Der Wind weht schwach, in Böen mäßig aus Südwest. 

Am Samstag scheint teilweise längere Zeit die Sonne, sonst fällt Regen aus dichten Wolken. Die Höchstwerte betragen 11 Grad, die Tiefsttemperaturen der kommenden Nacht 6 bis 3 Grad.

Nachtrag 07.01.2018

Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg hat am Sonntag Entwarnung gegeben: "Das Hochwasser in kleineren Gewässern ist weiter abklingend, die Scheitelwerte in größeren Flüssen sind größtenteils erreicht." Für die seit Freitag wartenden Schiffe auf dem Oberrhein zwischen Iffezheim und Germersheim könnte das ab Montagvormittag die Erlaubnis zur Weiterfahrt bedeuten, sagte Manfred Bremicker von der Hochwasservorhersagezentrale in Karlsruhe.

4,30 Meter an der Murg und 7,30 Meter am Rhein: Das waren in den vergangenen Tagen die Höchststände der beiden Flüsse, die durch den Starkregen in Rastatt und den Riedgemeinden gefährlich angestiegen waren. „Rastatt ist noch mal glimpflich davongekommen“, resümiert Feuerwehrkommandant René Hundert nun die Hochwassereinsätze der Feuerwehr.

Einige Keller mussten ausgepumpt werden, aber sonst habe sich alles im Rahmen gehalten. Rund 15 Mann von den Wehren in Wintersdorf und Plittersdorf hatten am Wochenende zudem die Dämme kontrolliert, dabei aber keine Zwischenfälle zu vermelden. Auch der Bereitschaftsdienst der Stadt, bestehend aus zwei Hochwasserfachleuten vom Tiefbau und vier Mitarbeitern der Technischen Betriebe, war übers Wochenende bis Montagmorgen in Rufbereitschaft.

Ihre Kontrollen der städtischen Pumpwerke ergaben keinerlei Störungen. Für den Fall der Fälle hatten sie außerdem Sandsäcke und weitere Hochwasserschutzmaterialien gefüllt und vorbereitet. Thorsten Gerbert vom städtischen Tiefbau gibt also erst einmal Entwarnung, zumal bis Ende der Woche kein Regen mehr vorhergesagt ist.

Der Rhein habe zwar mit einem Pegel von 6,43 Metern faktisch immer noch Hochwasser, gefährlich sei die Situation aber derzeit nicht mehr. Und die Murg fließt mittlerweile wieder friedlich vor sich hin.   Zurzeit sind Mitarbeiter der Technischen Betriebe noch mit Aufräumarbeiten in Folge des Hochwassers beschäftigt. Rund 15 Mann sind unterwegs, reinigen die Retentionsflächen wie beispielsweise die Fläche rund ums Schwimmbad, und befreien die betroffenen Straßen vom Schlamm. Manchen Stellen und Straßenabschnitte wie die Unterführung in der Finkenstraße sind noch gesperrt, weil sie noch leicht überflutet sind.

Sobald die Lage wieder „trocken“ ist, können die Mitarbeiter der Technischen Betriebe mit den Kehrmaschinen loslegen und den restlichen Schlamm von den Straßen spritzen. Im Zuge der Dammabsicherung am Rhein haben die Mitarbeiter der Technischen Betriebe heute Morgen noch einen Baumstamm entsorgt, ansonsten gab es kein größeres Treibgut in Murg und Rhein.

Der Wasserstand am ausschlaggebenden Pegel Maxau im Rhein bei Karlsruhe sollte laut dem Experten bis dahin unter die 7,5-Meter-Marke fallen - und die Sperrung des Abschnitts somit aufgehoben werden. Für den Rheinabschnitt bis ins pfälzische Speyer gelten 7,3 Meter als Richtwert für die Schifffahrt, wie Bremicker sagte. Dieser Wert werde dort am Montagmittag erwartet.

siehe auch: Sturmtief "Burglind" tobt

(Quelle: DWD/poli/flackus/HIN)