Boogie-Woogie bei Jauch

Erstellt: Freitag, 01. Dezember 2017

Durmersheim (proh). Berührende Momente, bewegende Schicksale, ungewöhnliche "Menschen, Bilder, Emotionen" am Sonntag (RTL, 20.15 Uhr). Bei Günther Jauch haben auch die Geschichten Platz, die bei dem ersten Jahresrückblick des Jahres nicht für die fetten Schlagzeilen sorgten: So auch Nellia und Dietmar Ehrentraut, die Boogieshakers aus Durmersheim. Sie schildern ihre ganz persönlichen Erlebnisse, erzählen im Rückblick von ihren besonderen Glanzpunkten.

Dass Boogie-Woogie alles andere als langweilig ist und zudem die Generationen  verbindet, beweisen die gebürtigen Österreicher Nellia und Dietmar Ehrentraut eindrucksvoll. "Ich bin 70, meine Frau ist 64, und wir tanzen schon seit 40 Jahren", erzählt Dietmar Ehrentraut nicht ohne Stolz - und es war immer nur Boogie-Woogie.

Standard- und Lateintanz sei Hochleistungssport, und sobald Tanzen zum Sport wird, sei es nicht mehr schön. "Die Tänzer stehen dann vorm Spiegel und trainieren ihr Lachen." Für die Ehrentrauts stand aber immer der Spaß im Vordergrund.

Nellia Ehrentraut lacht: "Wir tanzen immer wild, wir haben kein Programm - es muss vom Kopf in die Füße gehen. Beim Tanzen soll man sowieso nicht denken – egal welche Musik kommt, sie wird ausgetanzt. Angst habe ich nie bei den einzelnen Tanzelementen mit Dietmar, auch wenn es spektakulär aussieht. Ich habe volles Vertrauen in ihn."

Dietmar ergänzt: "Boogie Woogie ist toll ... ein Tanz, der nicht so festgelegt ist. Man kann viel improvisieren, es ist ein Lebensgefühl. Seit über 40 Jahren sind wir Liebhaber und leidenschaftliche Tänzer der 40er und 50er Jahre. Das Schönste am Tanzen ist, dass wir es gemeinsam machen. Keiner hatte je einen anderen Tanzpartner." 

Die Ehrentrauts sind seit 47 Jahren verheiratet, Eltern von zwei Söhnen. Als ihre Kinder langsam erwachsen wurden, kamen sie 1978 zum Tanzen. "Meine Frau hat früh Kinder bekommen", mit 17 und 18 Jahren, wie Dietmar erklärt. In Karlsruhe gab es eine sehr engagierte Rock'n Roll-Szene - so lernten sie die Mode als auch die Autos der Fünfziger des vorherigen Jahrhunderts zu schätzen und schlussendlich landeten sie beim Boogie-Woogie. 

"Im 1.RRC Karlsruhe lernten wir Rock`n`Roll mit Akrobatik bis hin zum Turniertanz. Wir entdeckten die 50er-Musikszene und fanden Gleichgesinnte auf Konzerten und Festivals. Unser persönliches Highlight war eine Amerikareise. Dort trafen wir Tänzer aus den Filmen 'ROCK AROUND THE CLOCK' und 'IN DER HÖLLE IST DER TEUFEL LOS' und konnten sehr viel von Ihnen lernen."

Die beiden frönen diesem Tanzstil - vermitteln ihn auch immer wieder durch ihre beliebten 'Ehepaar Rockabilly-Workshops' Interessierten. Früher trainierten sie vier Mal in der Woche, immer in der gleichen Kombination: Von den zahlreichen Wettbewerbserfolgen zeugen mehr als 200 Pokale. Die Ehrentrauts wurden in ihrer Klasse deutsche Meister, gewannen die Österreichische Meisterschaft viermal und sind sogar ungarische Landesmeister geworden.

Sie wehren sich dennoch dagegen, das Ganze als Sport zu bezeichnen, weil das immer direkt Leistungsgedanken nach sich zieht. "Wir wollten nur Spaß haben", so der 70jährige. Heute haben sie sich auf Showeinlagen spezialisiert und sind in der ganzen Republik und dem benachbarten Ausland unterwegs. Auch bei Til Schweigers 'BARFUSS' (2005) tanzten sie gekonnt durch eine Filmszene.

Inzwischen hat das Rentnerpaar schon länger keine Wettbewerbe absolviert. Doch dann boten die Veranstalter des Landshuter "Boogie Woogie Club" ihnen die Möglichkeit, noch einmal das Tanzparkett zu betreten. "Da hat es uns in den Füßen gejuckt", geben die Ehrentrauts zu. "Tanzen ist immer noch ein fester Bestandteil unseres Lebens."  

In Landshut konnten beim "Pink Panther Cup" am 11. März 2017 alle Altersklassen teilnehmen und es gab eine "Veteranen-Klasse". Laut Dietmar war es das erste Mal, dass Veteranen gesondert bei einem Turnier auftreten durften. "Wir haben einfach Spaß an der Musik und wollen alte Bekannte wiedersehen", freute sich Nellia im Vorfeld. Bei dem Tanzwettbewerb legte sich das Rentnerpaar noch einmal richtig ins Zeug. "Mit meinem Alter wird man oft zum alten Eisen gezählt", amüsiert sich Dietmar, und "da ist es doch ein schönes Zeichen, wenn man das Gegenteil beweist".

"Das mit den Ehrentrauts, das hat sie alle vom Hocker gehauen. Die beiden sind ein Wahnsinns-Tanzpaar, da sei sich die Boogie-Woogie-Szene einig", begeistert sich Anton Asbeck vom niederbayerischen ETSV 09 Landshut. Als Lohn konnten sie eine weitere Trophäe mit nach Hause nehmen - den "Veteranen-Cup". Dabei sei es ihnen gar nicht darum gegangen etwas zu gewinnen. Dass die beiden durch diesen Auftritt zu "Internetstars" wurden, hat sie zudem total überrascht.

Bei ihrem Auftritt wurde gefilmt, was ihnen gar nicht bewusst war. "Wir haben weder bemerkt, dass uns jemand filmt, noch wussten wir zunächst, wer das Video überhaupt ins Netz gestellt hat", so Dietmar und ist verwundert darüber, dass sie damit einen unerwarteten Internet-Hit landen konnten. Seit das Video im Netz kursiert, wurde es schon weit mehr als 62 Millionen Mal abgerufen und über zwei Millionen mal geteilt - Tendenz steigend. 

Dass das "Tänzchen" so gut ankommt, haben die Ehrentrauts immer noch nicht verstanden. "Wir sind ganz platt, was das Video ausgelöst hat. Dabei wollte ich nie berühmt werden", schmunzelt Dietmar. Dass gerade dieses Video so erfolgreich sei verwundere ihn wirklich. "Wir können doch noch viel mehr. Aber der Boden dort war leider zu rutschig, um so richtig Gas zu geben."

Und auch wenn es den "Veteranen" nicht um Ruhm gehe, sei es doch "schon schön", mit dem Tanzvideo so viele Menschen zu erreichen und Freude zu bereiten. Der Internet-Erfolg führt sie am Sonntag, 3. Dezember, ab 20:15 Uhr, nach all dem Medieninteresse auch noch zu Günther Jauch. Im RTL-Jahresrückblick "2017! MENSCHEN, BILDER, EMOTIONEN" werden sie auftreten.

(Quelle: HIN/pr)