Verknallt ... Frohes Neues

Erstellt: Donnerstag, 28. Dezember 2017

Jahr 2014(pierre roh). Weihnachten ist so gut wie vorüber und es wird langsam Zeit, sich ordentlich auf Silvester vorzubereiten. Ein integraler Bestandteil der Vorbereitungen auf das neue Jahr besteht ja für manche Leute darin sich bis Oberkante Unterlippe mit Böllern und Raketen einzudecken. Doch dabei gibt es einiges zu beachten - für Käufer, Eltern und Geschäftsinhaber.

Die polizeilichen Erfahrungen vergangener Jahre zeigen leider, dass sich schon Tage vor dem Jahreswechsel immer wieder Beschwerden aus der Bevölkerung häufen, weil unerlaubt Feuerwerkskörper verkauft und auch abgebrannt werden. Die Anzahl daran beteiligter Kinder und Jugendliche, die rechtswidrig in den Besitz von Feuerwerks- und Knallkörpern gelangen, ist hierbei besonders beunruhigend.

Atemnot beeinträchtigt zum Jahreswechsel für das Umweltbundesamt (UBA) die eh schon trüben Aussichten für das neue Jahr. Gemeint ist das Silvesterfeuerwerk, das oft ungeahnte gesundheitliche Risiken birgt. Der daraus entstehende Qualm bestehe zu großen Teilen aus Feinstaub, der beim Einatmen zu vorübergehenden Beeinträchtigungen der Atemwege und Herz-Kreislauf-Problemen führen könne, betont die Behörde.

Auswertungen der Daten aus den Messnetzen hätten ergeben, dass in den Großstädten Stundenwerte von über 1.000 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft am Neujahrstag keine Ausnahme seien, hebt das UBA hervor. Damit werde schon am ersten Tag des neuen Jahres der EU-weit geltende Tagesgrenzwert von durchschnittlich 50 Mikrogramm Feinstaub überschritten, was im Jahr höchstens 35 Mal vorkommen darf.

Umweltminister Untersteller betonte zudem, dass das Unfall- und Brandrisiko vor allem durch einen sorgsamen Umgang mit Silvesterböllern verringert wird: „Die Einhaltung der Gebrauchsanleitung dient der persönlichen Sicherheit und der Sicherheit umstehender Personen. Und auf gar keinen Fall gehört Feuerwerk in die Hände von Kindern!" Eltern sollten dafür Sorge tragen, dass Kinder unter 12 Jahren nicht an Silvesterfeuerwerk gelangen können."

Sozialministerin Katrin Altpeter widerum verwies auf die Gefahr von Hörschäden und rief die Bevölkerung ebenso zur Vorsicht bei dem Gebrauch von Böllern und Knallern auf: "Lesen Sie vor dem Abbrennen des Feuerwerks die Gebrauchsanweisung sorgfältig durch und beachten Sie die Hinweise." Insbesondere Verletzungen an den Händen und im Gesicht könnten oft vermieden werden.

Altpeter warnte auch vor dauerhaften Hörschäden, die bereits ein einmaliger lauter Knall verursachen könne. "Der Geräuschpegel mancher Silvesterkracher ist mit dem Start eines Düsenflug­zeugs zu vergleichen." Insbesondere nicht zugelassene Böller seien oftmals deutlich zu laut. Altpeter rät deshalb zum Kauf von in Deutschland zugelassenen Feuerwerkskörpern, die am Zeichen der Bundesanstalt für Materialforschung – und prüfung (BAM) zu erkennen sind.

"Den Ohren entgeht nichts", sagte die Ministerin. Zwar könne sich in einem Teil der Fälle von Hörschäden das Gehör wieder erholen, aber bei anderen blieben dauerhafte Schäden wie eine Hörminderung oder chronische Ohrgeräusche bestehen. Je dichter die Explosion des Krachers am Ohr erfolge, desto schlimmer die Hörschäden. Besonders gefährdet sind Altpeter zufolge Kinder und Jugendliche, weil diese oft zu nahe an den explodierenden Knallern stünden. Die Ministerin appellierte deshalb an Erwachsene, besonders auf Kinder in ihrer Umgebung zu achten und diesen gegebenfalls hilfreich zur Seite zu stehen.

Ein einfacher und wirksamer Schutz gegen Knalltraumata oder dauerhafte Hörschäden sind handelsübliche Ohrstöpsel. Experten empfehlen einen Abstand von mindestens zehn bis zwanzig Metern zu Böllern und sonstigen Silvesterkrachern.

     
 

Feuerwehr und Polizei warnen vor dem neuen Silvesterfeuerwerk, das seit letztem Jahr in Deutschland verkauft werden darf. Durch eine Gesetzesänderung der EU dürfen in sogenannten Batterien nun 500 Gramm Schwarzpulver enthalte sein, bislang waren 200 Gramm erlaubt. Aber nicht nur die mehr als verdoppelte Menge Sprengstoff macht Experten Sorge. Künftig darf das Feuerwerk auch leicht schräg – im 30-Grad-Winkel – abgefeuert werden. Bislang mussten die Raketen aus Batterien senkrecht starten.

 
 

 


Es werden nach Schätzungen von Fachleuten in der Silvesternacht Feuerwerkskörper im Werte von ca. 133 Millionen € verpulvert. Gemessen an der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik Deutschland sind dies ca. 1,60 € pro Kopf. Natürlich übertreiben da einige Zeitgenossen, andere halten sich dafür zurück. Auf den Verpackungen findet sich teilweise eine Vielzahl an Codenummern und Kürzeln verschiedener Prüfstellen. Eine Expertin bringt deshalb Ordnung in das Wirrwarr:

Ein Übermaß an Kennzeichnungen und Unwissen über eine neue EU-Richtlinie kann beim Verbraucher allerdings für Verwirrung sorgen. "Ich habe schon Batterien gesehen, die fünf Nummern hatten. Da blickt keiner mehr durch", sagte die Sprecherin der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), Ulrike Rockland.

  • Feuerwerkskörper der Klasse I sind das ganze Jahr über erhältlich und dürfen auch immer benutzt werden. Es handelt sich dabei um Kleinstfeuerwerk. Dazu gehören beispielsweise Knallbonbons, kleine Bodenkreisel, Sortimente für Kindergeburtstage, Knallerbsen, Tischfeuerwerke, Tischbomben und Bengalische Fackeln.
  • Diese dürfen auch von minderjährigen Personen benutzt werden, wobei eine Abgabeempfehlung von 12 Jahren eingehalten werden sollte, oder die Verwendung unter Aufsicht einer erwachsenen Person stattfindet. Pyrotechnische Gegenstände der Klasse I dürfen nicht lauter als 120 dBA, gemessen aus 1 m Entfernung, sein. Böller in Definition eines rein akustischen Effektes sind von einer möglichen Zulassung in Kl.I ausgenommen.
  • Böller bzw. Feuerwerkskörper der Klasse II dürfen nur von Personen benutzt werden, die 18 Jahre oder älter sind. Das typische Silvesterfeuerwerk (z.B. Raketen, Römische Lichter, Vulkane, Sonnenräder, Fontänen, Böller, kleine Feuertöpfe und Bengalische Beleuchtung) fällt in Klasse II und darf grundsätzlich nur in der Silvester-/Neujahrsnacht abgeschossen werden. Der § 23 Abs. 1 der 1. Verordnung zum Sprengstoffgesetz legt dabei fest, dass das Feuerwerk vom 31. Dezember 00:00 Uhr bis 1. Januar 24:00 Uhr erfolgen darf.

Zudem kann es Beschränkungen von Seiten der Gemeinde geben, sodass zum Beispiel in der Nähe feuergefährdeter Orte kein Feuerwerk verwendet werden darf. Der Feuerwerksverkauf beginnt am Dienstag, 29. Dezember, und endet am Donnerstag, 31. Dezember. An all diesen Tagen führt die Arbeitsschutzbehörde beim städtischen Fachgebiet Umwelt und Gewerbeaufsicht verstärkt Kontrollen im Einzelhandel durch. Dabei überprüfen die Mitarbeiter die gesetzlichen Bestimmungen für den Verkauf und die sichere Aufbewahrung von Silvesterfeuerwerk. Einzelhändler sollten bis zwei Wochen vor Verkaufsbeginn den Vertrieb dieser Artikel bei der Ortspolizeibehörde angezeigt haben. Schließlich darf Klasse II Feuerwerk nur von Volljährigen über 18 Jahren abgefeuert werden.

Für das erlaubte Abbrennen von Feuerwerkskörpern in der Silvesternacht geben Experten ausserdem folgende ergänzende Sicherheitshinweise:

  1. Vor dem Abbrennen die Gebrauchsanweisungen aufmerksam lesen und die Gefahrenhinweise beachten !
  2. Um das Gefährdungspotenzial einzugrenzen sollte auf das Abbrennen unter Alkoholeinfluss gänzlich verzichtet werden !
  3. Keine Feuerwerkskörper in Kinderhand !
  4. Feuerwerkskörper nur im "Freien" zünden und nicht in der Nähe von leicht brennbaren Gegenständen ! Dabei auf ausreichenden Sicherheitsabstand zu Menschen, Gebäuden, Bäumen oder Autos achten !
  5. Gezündete Feuerwerkskörper nicht in die Nähe von Mensch und Tier werfen !
  6. Zu Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen einen Mindestabstand von 200 Metern einhalten !
  7. Raketen nur aus einer standsicheren Flasche oder einem Rohr senkrecht in die Höhe starten!
  8. Beim Verlassen der Wohnung sämtliche Fenster (auch das Dachfenster) und Türen schliessen, damit verirrte Feuerwerkskörper nicht in die Räume fliegen können !
  9. Für den Notfall geeignete Löschmittel bereithalten (Feuerlöscher oder Eimer mit Wasser) !
  10. Nur von der BAM (Bundesanstalt für Materialprüfung) geprüfte und zugelassene pyrotechnische Gegenstände kaufen und zünden. Hierdurch können Verletzungen und andere Gefahren durch so genannte "Billigprodukte" vermieden werden !

Naturwissenschaftlerin Ulrike Rockland: "Beim Einkauf sei die Identifikationsnummer der BAM entscheidend. Denn die weist nach, dass Böller, Rakete oder Batterie den Segen der Materialprüfer erhalten hat. Die Kennzeichnung beginnt mit dem Kürzel BAM-F2, es folgt eine fortlaufende vierstellige Nummer. "Wer ein Produkt kauft, das nicht zugelassen wurde, macht sich strafbar - richtig mit Knast und Geldbuße."

Möglicherweise seien Verbraucher durch Änderungen von EU-Vorschriften zu Feuerwerk in den vergangenen Jahren verunsichert. Händler werben teilweise offensiv damit, dass Batterien nun größere Mengen Schwarzpulver beinhalten dürfen.

"Es ist denkbar, dass Ganoven sich erhoffen, dank Unwissen mehr illegale Produkte verkaufen zu können. Die Gefahr, bei fliegenden Händlern oder Böller-Shopping im Internet etwas zu kaufen, das nicht zugelassen ist, ist relativ hoch." Feuerwerks-Freunde sollten auch darauf verzichten, in Internetforen nach Tipps zu suchen.

Sicherer erscheint da eine virtuelle Silvesterknallerei: Präses Alfred Buß wirbt dafür, die Hilfsaktion "Brot statt Böller" zu unterstützen. Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt, sagt: "Wir laden dazu ein, das neue Jahr mit einem Geschenk an Menschen in Not zu beginnen. Der Spaß, den ein Feuerwerk macht, ist nur kurz. Die Freude, die durch Teilen entsteht, ist von Dauer."

Seit 30 Jahren ruft das evangelische Hilfswerk "Brot statt Böller" zum Spenden auf, statt Geld beim Silvester-Feuerwerk zu verpulvern. "So lange Jahr für Jahr Millionen in die Luft geschossen werden, ist 'Brot statt Böller' ein guter Slogan, weil er das Anliegen knapp und prägnant auf den Punkt bringt", so Füllkrug-Weitzel. "Dank der Spenden können wir gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen vor Ort Menschen in armen Ländern des Südens dabei unterstützen, das Land, auf dem sie leben, zu bebauen und sich selbstständig mit Brot, Reis oder Kartoffeln zu versorgen."

"Ich will keinem die Freude am Feuerwerk zum neuen Jahr vermiesen",so Alfred Buß, Präses der evangelischen Kirche von Westfalen, der eifrig für die Spendenkampagne wirbt, "aber wer Geld für Brot für die Welt abzweigt, gibt Menschen in armen Ländern eine Zukunftsperspektive. Wenn ich die Bilder aus den Hungergebieten sehe, macht Teilen Freude, weil es das Elend mindert. Und man kann sich darauf verlassen, dass die Spende ankommt."

Ein "virtuelles Taschenfeuerwerk" biete erneut ein IT-Dienstleister für "Brot für die Welt" an. Die Software für iPhone-, iPod- und iPad-Besitzer könne "umweltschonend" auf die Geräte geladen werden.

1981 sammelte die evangelische Kirchengemeinde Bargteheide (Schleswig-Holstein) zum ersten Mal unter dem Motto Brot statt Böller Spenden für "Brot für die Welt". "Brot für die Welt" unterstützt Projekte in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa. Im Zentrum stehen die Bekämpfung des Hungers und die Wahrung der Menschenrechte.

Untersteller machte deutlich, dass die Gewerbeaufsicht auch dieses Jahr wieder im Handel stichprobenartig die fachgerechte Lagerung der explosionsgefährlichen Feuerwerkskörper kontrollieren und zudem prüfen werde, dass nur zugelassenes Feuerwerk verkauft werde. Auch der Zoll führe verstärkt Kontrollen an den deutschen Grenzen durch.Auskunft über alle sprengstoffrechtlichen Fragen, die in Zusammenhang mit dem Verkauf und der Aufbewahrung pyrotechnischer Gegenstände im gewerblichen Bereich stehen, erteilen die Stadtverwaltungen der Stadtkreise und die Landratsämter.

(Quelle: BfdW/HIN)