Weniger Ertrinkende

Erstellt: Freitag, 15. September 2017

(Hero). In den ersten acht Monaten des Jahres 2017 sind in deutschen Gewässern 297 Menschen ertrunken, 128 (-30,12%) weniger als im Vorjahr. Das ist der zweitniedrigste Stand seit Erhebung der Sommerbilanz. Lediglich im Sommermonat Juni lag die Zahl der Todesfälle durch Ertrinken verglichen mit 2016 höher. Da waren 69 (51) Todesopfer zu beklagen. In Baden-Württemberg waren Sommer 29 Männer/2 Frauen durch Ertrinken ums Leben gekommen - davon 14 in Seen, 12 in Flüssen, 2 in Schwimmbädern und 3 Diverse. Diese Zahlen gab die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) bekannt.

"Die rückläufige Entwicklung der Opferzahlen ist auf den ersten Blick sehr erfreulich. Bei genauerer Betrachtung stellen wir aber fest, dass die geringere Todesrate auf den praktisch nicht stattgefundenen Sommer zurückzuführen ist. Es gibt keinen Grund, in dem Bemühen um mehr Sicherheit im und am Wasser nachzulassen", erläutert DLRG-Vizepräsident Achim Haag die Zahlen ... weiter ...

Unfallschwerpunkte sind wie in den vergangenen Jahren die Binnengewässer, in denen 240 Menschen ums Leben kamen – über 80 Prozent. 125 starben in Flüssen, 104 in Seen und Teichen, 11 in einem Kanal. "Das Bad in Binnengewässern ist deshalb so risikoreich, weil diese selten bewacht sind. Ein Ertrinkender hat wenig Aussicht auf Rettung. Die DLRG fordert eine Bewachung der Badestellen im Binnenland durch Rettungsschwimmer. Nur so können wir zukünftig die Ertrinkungszahlen erfolgreich senken", sieht der DLRG-Vizechef Kommunen, Landkreise und Badbetreiber in der Pflicht.

In Schwimmbädern kamen zehn Badegäste und in privaten Swimmingpools zwei Menschen zu Tode.  Deutlich zugenommen haben im Vergleich zum Vorjahr die tödlichen Unfälle an den Küsten. Mit 25 Opfern liegt die Zahl bereits fast bei dem Jahresergebnis von 2016 (26). Während die Nordsee mit vier Ertrunkenen auf dem Vorjahresniveau blieb, ertranken in der Ostsee bis August bereits 21 Menschen, vor allem an unbewachten Badestellen und außerhalb der Wachzeiten.

In den Sommermonaten verzeichnet die DLRG zudem ein deutlich gestiegenes Einsatzaufkommen. "Leichtsinn, Risikobereitschaft und Selbstüberschätzung haben bedenklich zugenommen", sieht Achim Haag die Entwicklung mit Sorge.  Weiterhin stellen die Flüchtlinge eine besondere Risikogruppe dar. Insgesamt sind mindestens 21 Asylsuchende bereits ertrunken. Die DLRG hat bereits reagiert, Vizepräsident Haag: "Wir haben Baderegeln als Piktogramme erstellt und den Kommunen wie Städten kostenlos zur Verfügung gestellt."

Die meisten Kinder mögen Wasser. Sie lieben es, damit zu spielen und darin zu planschen. Oft werden sie durch den Reiz der Wasserfläche jedoch zu leichtfertigem Verhalten verleitet. Dann kann das nasse Element zur ernsten Lebensbedrohung werden. Nicht selten ereignen sich Unfälle mit tödlichem Ausgang im heimischen Umfeld oder in der näheren Umgebung. 

Im Geschlechtervergleich liegt der Anteil der Frauen bei 18,9 Prozent, nach wie vor sind die Männer die am stärksten gefährdete Gruppe. Die Quote der ertrunkenen älteren Menschen über 50 Jahre liegt in dieser Zwischenbilanz bei fast 50%. Rückläufig sind die Ertrinkungsfälle bei Kindern und Jugendlichen bis zum 15. Lebensjahr. Bis August kamen im Wasser 17 Kinder zu Tode. 

⇒ Umfrage zur Schwimmfähigkeit

Die meisten Kinder mögen Wasser. Sie lieben es, damit zu spielen und darin zu planschen. Oft werden sie durch den Reiz der Wasserfläche jedoch zu leichtfertigem Verhalten verleitet. Dann kann das nasse Element zur ernsten Lebensbedrohung werden. Nicht selten ereignen sich Unfälle mit tödlichem Ausgang im heimischen Umfeld oder in der näheren Umgebung. 

Eine repräsentative forsa-Umfrage zeigt auf, dass 59 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer sind. Dies gab der Vizepräsident der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Achim Haag, bekannt. Als sicherer Schwimmer wird bezeichnet, wer die Disziplinen des Jugendschwimmabzeichens in Bronze (Freischwimmer) erfüllt.

"Die Schwimmfähigkeit der Kinder im Grundschulalter ist weiterhin ungenügend. Im Durchschnitt besitzen nur 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen ein Jugendschwimmabzeichen", so Haag. Die Umfrage zeige hier sehr deutlich auf, dass nach Angaben des befragten Elternteils 77 Prozent der Grundschüler das "Seepferdchen" absolviert haben.

Haag: "Als sicherer Schwimmer kann nur gelten, wer die Disziplinen des Jugendschwimmabzeichens in Bronze sicher beherrscht. Alle Experten, Sportwissenschaftler und unsere Ausbilder sind sich einig, dass die Prüfungsanforderungen des Seepferdchens dafür zu gering sind." Das Seepferdchen ist kein Schwimmabzeichen, hier handelt es sich lediglich um eine Bescheinigung dafür, dass sich das Kind auf einer Stecke von 25 Metern über Wasser halten kann.

Die Gründe für diese Entwicklung sind sowohl im familiären als auch im schulischen Bereich zu suchen, und auch die Bäderschließungen spielen eine Rolle. Achim Haag: "Wer Bäder schließt, um Kosten zu senken, handelt fahrlässig und verantwortungslos. Die DLRG sieht in diesem Umfrage-Ergebnis eine Bestätigung ihrer Position und versteht das Ergebnis als Auftrag, ihre Arbeit für den Fortbestand der Schwimmbäder auf allen Ebenen fortzusetzen."

Bezeichnend in diesem Zusammenhang sind auch die Ergebnisse zur Frage "Wann haben Sie schwimmen gelernt?". "In der Grundschule ist die Schwimmausbildung offenbar aus der Mode gekommen, und geht die Entwicklung so weiter, gibt es die dort bald gar nicht mehr", empört sich Haag.

Bei den über 60-Jährigen waren es noch 56 Prozent, die in der Grundschulzeit das Schwimmen erlernten, 52 Prozent bei den 45- bis 59-Jährigen, schon nur noch 49 bei den 30- bis 44-Jährigen. Und erschreckend die Zahl bei den jetzt 14- bis 29-jährigen Befragten: Nur noch 36 Prozent lernten das Schwimmen in der Grundschule. Mittlerweile haben rund 25 Prozent der Grundschulen keinen Zugang zu einem Bad. "Das ist so nicht hinnehmbar", beklagt Haag die Situation.

Wenig überraschend ist deshalb auch das Ergebnis zu der Frage "Wo haben die Kinder schwimmen gelernt?". Nur 27 Prozent der Eltern sagten "in der Schule". Hier tut sich ein großes Problem auf, das auch mit dem Rückgang des Schulschwimmunterrichtes zusammenhängt. Die DLRG fordert die Grundschulen auf, ihrem gesetzlich vorgeschriebenen Auftrag, nämlich Schwimmunterricht zu erteilen, nachzukommen. "Wenn diese Entwicklung so weitergeht, ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann Deutschland zu einem Land der Nichtschwimmer wird", so der DLRG-Vizepräsident.

Auf die Frage "Wie bewerten Sie ihre eigene Schwimmfähigkeit?" bezeichnen sich 14 Prozent als sehr guter Schwimmer und 33 Prozent als guter Schwimmer. Für einen durchschnittlichen Schwimmer halten sich 40 Prozent, als schlechten Schwimmer bezeichnen sich 9 Prozent, und 3 Prozent "outeten" sich als Nichtschwimmer. Der Anteil der Nichtschwimmer und unsicheren Schwimmer in der Bevölkerung beläuft sich damit auf 52 Prozent. Mehr als die Hälfte der Interviewten ist also im Wasser unsicher oder kaum in der Lage, sich selbst zu retten. Bei diesen Gruppen ist das Risiko zu ertrinken besonders hoch. Das persönliche Urteil über die eigene Schwimmfähigkeit ist natürlich subjektiv. 

61 Prozent der 14- bis 29-Jährigen bezeichnen sich als sichere Schwimmer, ebenso 52 Prozent der 30- bis 44-Jährigen. In der Altersklasse 45 bis 59 sind es nur noch 47 Prozent. Lediglich 36 Prozent der Befragten ab 60 Jahre geben an, sicher schwimmen zu können. Bei genauer Betrachtung zeigt sich ein deutliches Indiz dafür, weshalb ältere Mitbürger heute besonders häufig ertrinken.

(Quelle: DLRG/HIN)