Erste Hilfe im Wald

Erstellt: Freitag, 14. Juli 2017

LKR Rastatt (joER). Der Kundenbereichsleiter Forst der Stadt Rastatt ist am Dienstag, 11. Juli, nicht allein im Niederwald vor den Toren von Plittersdorf. Bei ihm sind zwölf Kollegen aus den Forst-Revieren Iffezheim, Durmersheim, Bietigheim und Muggensturm. Sie alle müssen sich im Abstand von zwei Jahren in Erster Hilfe fortbilden. Eine Schulung wie diese hat aber noch keiner von ihnen erlebt. Mit Hilfe der Outdoorschule Süd aus Freiburg werden die Förster und Forstwirte erstmals in ihrem alltäglichen Umfeld geschult und dabei mit beinahe realen Ernstfällen konfrontiert. Die Helfer für die letzte Übung des zweitägigen Kurses wurden im Voraus bestimmt. Ihr Adrenalinspiegel dürfte noch ein bisschen höher sein als der ihrer Kollegen.

Ein bisschen aufgeregt sind alle, dafür sorgen die durchdringenden Schmerzensschreie der „Verletzten“. Am Unfallort zeigt sich, warum: Aus dem linken Arm eines Mitarbeiters der Outdoorschule ragt täuschend echt geschminkt ein gebrochener Unterarmknochen. Ein paar Meter weiter liegt ein anderer Mitarbeiter am Boden und bedeckt mit einer Hand sein blutverschmiertes Auge. Auch hier wurde die Wunde professionell geschminkt, sie verfehlt ihre Wirkung auf die Helfer nicht.

Trotzdem merkt man den Förstern an, dass in den letzten beiden Tagen jeder von ihnen schon mindestens zweimal als Ersthelfer im Einsatz war. Auch die Theorie sitzt. Mündlich setzen sie bei Kursleiterin Julia Preu einen perfekten „Notruf“ ab, überprüfen souverän die vitalen Funktionen der Verletzten, verbinden gekonnt und beruhigen einfühlsam, bis die „Verletzten“ zufrieden sind und die Übung für beendet erklären. 

Martin Koch: „Es war uns wichtig, zu simulieren, was bei einem Notfall mit der Psyche der Helfer passiert. Wenn man im sterilen Schulungsraum eine Puppe verarztet, hat das mit der Realität wenig zu tun. Wir sind Förster, wir gehören in den Wald.“ Im Bundesvergleich nimmt Baden-Württemberg den schlechtesten Platz in der Unfallstatistik der Forst-Unfälle ein.

Im Stadtwald Rastatt ist die Quote glücklicherweise sehr gering, trotzdem müssen die Förster und Forstwirte für den Notfall gerüstet sein. Ihre Premiere in der Region feierte die Outdoor-Schulung bereits am Montag, 3. Juli. Beide Durchgänge dauerten jeweils zwei Tage.

Die Begeisterung der Teilnehmer in der Abschlussrunde lässt allerdings erahnen, dass auch die eintägige Wiederauffrischung in zwei Jahren wieder unter freiem Himmel stattfinden könnte. „Die praxisnahe Schulung zeigt, dass in jedem, der sich traut, ein toller Ersthelfer steckt“, freut sich Julia Preu von der Outdoorschule Süd und stellt klar: „Im Notfall Erste Hilfe zu leisten, lohnt sich immer, egal wie lange der letzte Kurs zurückliegt!“

(Quelle: StVwRA)