Selbständig unterwegs

Erstellt: Freitag, 07. September 2018

(Hero). "Kinder sollten zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kommen" sagte Landesverkehrsminister Winfried Hermann am Sonntag mit Blick auf den Schulbeginn. "Bei größeren Entfernungen sollten Kinder und Jugendliche zumindest einen Teil des Schulweges selbstaktiv zurücklegen. Das dient ihrer Gesundheit und ist ein zentrales Element in der Entwicklung einer eigenständigen Mobilität junger Menschen", erläuterte der Verkehrsminister. "Denn als aktive Verkehrsteilnehmer kennen Kinder die wichtigsten Verkehrsregeln nicht nur in der Theorie, sondern sie wenden sie auch regelmäßig in der Praxis an und vertiefen sie dadurch."

Auch im neuen Schuljahr stellt die Landesregierung die Weichen, um die Leistungsfähigkeit und Qualität unserer Schulen weiter zu verbessern. Der Fokus liegt dabei darauf, bedarfsgerechte und effiziente Strukturen aufzubauen, um die Qualität schulischer Angebote dauerhaft zu sichern.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt darauf, die Basiskompetenzen wie lesen und rechnen mit einer passgenauen Förderung zu stärken. In unserer Bilderstrecke haben wir für Sie die wichtigsten Neuerungen zum neuen Schuljahr 2018/2019 kompakt zusammengefasst.

Pünktlich zum neuen Schuljahr startet auch wieder die Aktion "Sicherer Schulweg". In den kommenden Tagen machen unter anderem Straßenbanner, Plakate und Zeitungsanzeigen auf den Schulbeginn aufmerksam. Damit soll die Zahl der Schulwegunfälle weiter zurück gehen. Schon heute ist Baden-Württemberg auf Platz 1 der Länder mit dem sichersten Schulweg.

"Kinder wollen und sollen ihren Schulweg alleine meistern. Das ist ein ganz wichtiger Schritt: Es hilft ihnen, selbstständig zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Damit ihnen das gelingt, brauchen sie uns – sie brauchen Vorbilder im Straßenverkehr. Wir sind ein wichtiger Garant dafür, dass die Kinder sicher über die Straße kommen", appellierte Innenminister Thomas Strobl bei der Vorstellung der Aktion "Sicherer Schulweg". 

In den kommenden Tagen wird unter anderem mit Straßenbannern, Plakaten und Zeitungsanzeigen auf den Schulbeginn aufmerksam gemacht. Es soll für einen weiteren Rückgang der Schulwegunfälle sorgen. Mit der Aktion startet zu Schulbeginn regelmäßig ein umfassendes Maßnahmenpaket aus Verkehrsüberwachung und Verkehrsunfallprävention. 

Nicht nur Eltern sind angesprochen, sich bewusst auf den Schulbeginn einzustellen. Kinder sind ungeübtere Verkehrsteilnehmer und verhalten sich mitunter anders als gedacht. Ab 12 Jahren müssen Kinder mit dem Rad ebenso auf der Straße fahren wie alle anderen Verkehrsteilnehmer. Hermann appellierte an Autofahrerinnen und Autofahrer: "Überholen sie Rad fahrende Kinder nur im weiten Abstand. Und parken Sie keine Fußwege und Kreuzungen zu, denn das nimmt die Sicht gerade auf Kinder."

◊ Elterntaxis bedeuten mehr Verkehr und Gefahr vor den Schulen

Der Minister wandte sich zudem gegen das "Elterntaxi" in Form von Hol- und Bringfahrten von und zur Schule. "Das sorgt für mehr Verkehr und für mehr Gefahr vor Schulen. Auch wenn die Eltern es gut meinen: Die vielen Fahrzeuge vor unseren Schulen sind ein Problem. Wenn es nicht anders geht, rate ich, das Kind wenigstens nicht vor das Schultor zu fahren. Dann wird immerhin eine Teilstrecke zu Fuß zurückgelegt", sagte der Verkehrsminister. Die Fahrt mit dem Auto sei nicht sicherer, sondern verursache zusätzliche Gefahren.

Um die Verkehrssicherheit der Kinder zu verbessern empfahl Minister Hermann, die Kinder sollten helle, reflektierende Kleidung tragen, damit sie besser gesehen werden. "Außerdem sollte das Tragen eines Fahrradhelms für alle Rad fahrenden Kinder obligatorisch sein. Und die Eltern sollten in den ersten beiden Wochen mit ihren Kindern den sichersten Schulweg zusammen zurücklegen." 

"In keinem anderen Bundesland sind Kinder auf dem Schulweg sicherer unterwegs als in Baden-Württemberg. Das macht uns stolz, darf uns aber nicht zufrieden stellen. Jeder noch so kleine Verstoß kann für unsere schwächsten Verkehrsteilnehmer, unsere Kinder, fatale Folgen haben. Deshalb gilt: Nehmen Sie Rücksicht und tragen Sie einen Teil dazu bei, die Sicherheit für unsere Kindern auf den Straßen im Land zu erhöhen", sagte Innenminister Thomas Strobl.

Die Polizei werde dafür in den kommenden Wochen verstärkt die Einhaltung der Geschwindigkeit vor Schulen, das verkehrsgerechte Parken entlang von Geh- und Radwegen, den technische Zustand von Fahrrädern sowie die Sicherung der Kinder im Auto überwachen. Im vergangenen Jahr hat die Polizei 596 (2016: 653) Verkehrsunfälle auf dem Schulweg aufgenommen. Hierbei wurden insgesamt 103 (121) Kinder und Jugendliche schwer und 515 (525) leicht verletzt.

Im vergangenen Jahr hat, wie im Jahr 2016, ein Kind sein Leben auf dem Schulweg verloren. Im Jahr 2017 sind insgesamt 2.990 (2.965) Kinder bis 14 Jahre im Straßenverkehr verunglückt. 43 Prozent der verunglückten Kinder waren hierbei in einem Pkw, 33 Prozent auf einem Fahrrad und 24 Prozent zu Fuß unterwegs.  Die Polizei musste zahlreiche Verstöße feststellen, bei denen Kinder nicht angeschnallt waren.

Im vergangenen Jahr waren es 7.406, alleine im ersten Halbjahr 2018 bereits 3.974. "Es gilt ganz klar: Null Toleranz für Eltern, die ihre Kinder nicht oder nicht richtig anschnallen. Sie setzen ihre Kinder einem unkalkulierbaren Risiko aus. Das ist unverantwortlich und dafür gibt es absolut keine Entschuldigung", stellte Innenminister Strobl klar.

Die Aktion "Sicherer Schulweg", initiiert durch das Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration, das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur sowie das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, wird durch die Polizei, das Landesinstitut für Schulsport, Schulkunst und Schulmusik, die Verkehrswachten, die Schulen, Landkreise, Städte und Gemeinden sowie die Partner der landesweiten Verkehrssicherheitsaktion "GIB ACHT IM VERKEHR" unterstützt.

Diese Unterstützung reicht von der Erstellung von Geh- und Radschulwegplänen bis hin zur Verkehrserziehung durch die "GIB ACHT IM VERKEHR"-Partner. So wird den Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe sechs zum Beispiel mit der Kampagne "Schütze Dein BESTES." bei Aktionstagen und Unterrichtsveranstaltungen die Schutzwirkung des Radhelmes vermittelt. 

Diese Maßnahmen umfassen neben der Unterstützung bei der Erstellung von Geh- und Radschulwegplänen auch zahlreiche Aktionen und Projekte der schulischen Verkehrssicherheit und die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Baden-Württembergs (AGFK) wirbt für selbstorganisierte gemeinsame Schulwege, die von Eltern oder älteren Schülern begleitet werden - siehe auch ⇒ Rad-Schulwegpläne.

An vielen Schulen sind auch Schülerlotsen, jetzt plötzlich Vekehrshelfer betitelt, und Schulbusbegleiter aktiv, die von den Verkehrswachten mit Unterstützung der Polizei ausgebildet werden. "Große Hochachtung habe ich vor den Schülerinnen und Schülern, die sich ehrenamtlich als Schülerlotsen und Schulbusbegleiter für ihre Mitschüler einsetzen. Dadurch werden Eigenverantwortung, Teamfähigkeit und soziale Kompetenzen der jungen Menschen nachhaltig gefördert", sagte Innenminister Thomas Strobl. 

(Quelle: VM.bw/HIN)