Rad-Schulwegpläne

Erstellt: Donnerstag, 19. Juli 2018

(joER). Für Kinder und Jugendliche stellt das Radfahren eine wichtige Form der Teilnahme am Straßenverkehr dar. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) untersuchte die Eignung des in Baden-Württemberg entwickelten, webfähigen Geoinformationssystems (WebGIS) zur Erstellung von Rad-Schulwegplänen. Das untersuchte Verfahren erlaubt das Erstellen solcher Pläne und deshalb soll die Methode künftig landesweit an allen weiterführenden Schulen eingesetzt werden. Die Unfallgefährdung von Rad fahrenden Kindern nimmt mit dem Übergang zu den weiterführenden Schulen drastisch zu.

Die Reduzierung von Unfällen mit Kindern und Jugendlichen im Straßenverkehr und auf Schulwegen ist ein besonderer Schwerpunkt der gemeinsamen Verkehrssicherheitsarbeit des Ministeriums für Inneres, Digitalisierung und Migration, des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport, des Ministeriums für Verkehr sowie der landesweiten Verkehrssicherheitsaktion GIB ACHT IM VERKEHR.

Die Aktion sicherer Schulweg wird zudem mit weiteren Maßnahmen über das gesamte Schuljahr begleitet. So starten in einigen Kommunen auch dieses Jahr wieder die „SchulRadler“. Dabei werden über zwei Wochen Fünftklässler von Erwachsenen oder älteren Schülern auf ihrem Radschulweg begleitet und so mit den besonderen Gefahren dieser Wege vertraut gemacht.

Darüber hinaus wird die bereits im Jahr 2012 gestartete Radhelmkampagne „Schütze Dein BESTES.“ mit weiteren Aktionstagen und Unterrichtsveranstaltungen in der Klassenstufe 6 fortgesetzt. „Es freut mich zu sehen, dass die Helmtragequote von Fahrradfahrern leicht gestiegen ist. Inzwischen tragen 76 Prozent der Kinder von sechs bis zehn Jahren einen Helm. Mit der ergänzenden Kampagne „Helm tragen. Vorbild sein!“ wollen wir gerade Eltern und Großeltern verdeutlichen, wie wichtig das Tragen eines Helmes sowie die damit verbundene Vorbildfunktion ist“, betonte Innenminister Strobl. 

Daneben hat die Landesregierung beschlossen, das Verkehrssicherheitskonzept Baden-Württemberg zu überarbeiten. Das Land Baden-Württemberg erklärte die Erstellung von Rad-Schulwegplänen im Land zu einer vorrangigen Aufgabe. Das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg (LGL) entwickelte daraufhin das webfähige Geoinformationssystem (WebGIS).

Ausgegangen wurde von denjenigen Wegstrecken, die tatsächlich von den Schülern befahren werden. Zudem sollte das Wissen der Schüler über die auf diesen Radwegen befindlichen Problemstellen einfließen. Die BASt untersuchte das darauf folgende Pilotprojekt „Erstellung eines Rad-Schulwegplanes mithilfe des WebGIS-Tools“ auf seine Praktikabilität im Hinblick auf eine landesweite Einführung.

Für das Pilotprojekt wurde an den beteiligten Schulen ein Schulbeauftragter benannt, der die Erstellung der Rad-Schulwegpläne koordinierte. Als Multiplikator und Administrator für das WebGIS-Tool sollte er zudem die teilnehmenden Lehrer unterstützen. Auf der Ebene der Kommunen wurden parallel dazu Kommunalbeauftragte als Ansprechpartner für die Schulen benannt. Einbezogen wurden auch weitere Akteure wie Eltern, Polizei oder Verkehrsplaner.

Im Rahmen der Evaluation wurden die Erfahrungen der beteiligten Lehrer, Schüler und Mitarbeiter in den Kommunen bei der Erfassung und Bearbeitung der Rad-Schulwege erhoben. Landesweit beteiligten sich 31 Schulen aus 14 Kommunen; eine interministerielle Arbeitsgruppe begleitete das Pilotprojekt. Dabei ging es sowohl um die Nutzung des Tools als auch um die Einbindung in den schulischen Alltag und seine Auswirkungen auf den schulischen Unterricht und die Schüler. Einbezogen wurden darüber hinaus die Erfahrungen in den Kommunen bei der Bearbeitung der Schülerinformationen und bei der Erstellung der Rad-Schulwegpläne.

Rund 1'800 Schüler und 70 Lehrer nahmen an schriftlichen Befragungen teil; mit Mitarbeitern aus 13 Kommunen wurden Telefoninterviews geführt. Dabei wurde bestätigt, dass auf der Grundlage des Projekt-Konzeptes die Erstellung von Rad-Schulwegplänen zwar aufwendig, aber gut möglich ist. Sowohl das Umsetzungskonzept als auch die Software wurden als zielführend bewertet, und auch die schulische Verkehrserziehung profitiert von diesem Projekt. Lehrer, Schüler und die Vertreter der Kommunen sprachen Empfehlungen für die weitere Umsetzung aus.

Auf Grundlage der Evaluation ließ sich Optimierungspoten-zial im Hinblick auf die Projektstruktur und die Weiterentwicklung der Software des WebGIS-Tools ableiten. Verbesserungsbedarf konnte bei der verwendeten Datenbasis sowie im Hinblick auf die kommunale Mitarbeit festgestellt werden. Fundierte Rad-Schulwegpläne konnten flächenhaft erstellt werden.

Auch führt das Projekt langfristig zur Verbesserung der Infrastruktur für Radfahrer im Umfeld der Schulen. Die Intensivierung der Mobilitäts- und Verkehrserziehung an weiterführenden Schulen beinhaltete etwa den Umgang mit kartografischem Material und die Auseinandersetzung mit dem baulichen Umfeld, aber auch die kommunale Mitwirkung sowie die Gefahrenwahrnehmung.

Im Rahmen der Evaluation erwies sich WebGIS als geeignete Methode zur großflächigen Erstellung fundierter Rad-Schulwegpläne. Daher ist davon auszugehen, dass das Instrument zu einer erhöhten Sicherheit für Rad fahrende Schüler beiträgt. Da das Verfahren zeitgleich mit der Evaluation weiterentwickelt und optimiert wurde, wird nunmehr in Baden-Württemberg mit der landesweiten Umsetzung begonnen. Bis zum Jahr 2020 sollen alle weiterführenden Schulen mit einem Rad-Schulwegplan ausgestattet werden.

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(Quelle: BASt/HIN)