Aktion sicherer Schulweg

Erstellt: Freitag, 08. September 2017

(Hero). Die Sommerferien sind fast vorbei: Besonders auf frischgebackene Erst- und Fünftklässler wartet nun ein spannender Schulanfang: Neue Schule, Klassenkameraden, Schulfächer – und ein neuer Schulweg. Die Sicherheit der Kinder muss uns allen besonders am Herzen liegen. Das gilt gerade auch im Straßenverkehr. Daher ist es gute Tradition, dass speziell der Beginn des neuen Schuljahres mit der Aktion "Sicherer Schulweg" zum Anlass genommen wird, alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer zur Rücksichtnahme gegenüber Schülerinnen und Schülern aufzufordern.

Am 11. September beginnt für etwa 1,4 Millionen Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg das neue Schuljahr und regelmäßig zu Schulbeginn kommt ein Maßnahmenpaket aus Verkehrsüberwachung und Verkehrsunfallprävention zum Tragen, mit dem die Bevölkerung in den kommenden Tagen unter anderem mit Straßenbannern, Plakaten und Zeitungsanzeigen auf den Schulbeginn aufmerksam gemacht und zur Rücksichtnahme auf Schülerinnen und Schüler aufgefordert werde.

Kontrolliert würden neben der Einhaltung der Geschwindigkeit im Bereich von Schulen und auf den Schulwegen auch die Sicherheit der Schulbusse sowie die Sicherung der Kinder im Pkw. "Es ist sehr erfreulich, dass das Risiko für Kinder im Straßenverkehr zu verunglücken bei uns in Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich mit am geringsten ist. Das zeigt, dass wir hier auf einem guten Weg sind und unsere Maßnahmen wirken", so Minister Strobl.

Die Reduzierung von Unfällen mit Kindern und Jugendlichen im Straßenverkehr und auf den Schulwegen sei ein besonderer Schwerpunkt der gemeinsamen Verkehrssicherheitsarbeit desInnenministeriums, des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg, des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport / Landesinstituts für Schulsport, Schulkunst und Schulmusik Baden-Württemberg und der landesweiten Verkehrssicherheitsaktion GIB ACHT IM VERKEHR.

Die Aktion "Sicherer Schulweg", initiiert durch das Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration, das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur sowie das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, wird durch die Polizei, das Landesinstitut für Schulsport, Schulkunst und Schulmusik, die Verkehrswachten, die Schulen, Landkreise, Städte und Gemeinden sowie die Partner der landesweiten Verkehrssicherheitsaktion "GIB ACHT IM VERKEHR" unterstützt.

Diese Unterstützung reicht von der Erstellung von Geh- und Radschulwegplänen bis hin zur Verkehrserziehung durch die "GIB ACHT IM VERKEHR"-Partner. So wird den Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe 5 zum Beispiel mit der Kampagne "BUS FAHREN – aber richtig!" jedes Jahr das richtige Verhalten im Bus und an der Haltestelle vermittelt. 

Gemeinsame Verkehrssicherheitsarbeit stehe damit im Kontext zum neuen Verkehrssicherheitskonzept des Landes Baden-Württemberg. Der Schutz von Kindern als schwächsten Verkehrsteilnehmern sei zentraler Schwerpunkt der Verkehrssicherheitsarbeit. "Schulwege bedürfen ganz besonderer Aufmerksamkeit und müssen kindgerecht betrachtet werden", betonte der Innenminister. 

Zusätzlich zu Schulwegplänen sei jede Schule verpflichtet, in Abstimmung mit der Straßenverkehrsbehörde und der Polizei Radschulwegpläne zu erstellen. "Damit erreichen wir, dass Kinder auf sicheren Radwegen zur Schule und zurück kommen und auf die Fahrt mit dem Auto verzichtet werden kann. Eltern haben es hier buchstäblich selbst in der Hand, ihrer besonderen Verantwortung gegenüber ihren Kindern gerecht zu werden. Es ist mir absolut unerklärlich, warum die eigenen Kinder nicht oder nicht richtig im Auto gesichert und damit einem vermeidbaren Risiko ausgesetzt werden", so Innenminister Strobl.

Vorbildfunktion: Verhalten stellt einen wesentlichen Maßstab für Kinder dar!

"Kinder orientieren sich am Auftreten und Verhalten der ‚Großen‘ – Kinder brauchen Vorbilder. Mit der Aktion ‚Sicherer Schulweg‘ wollen wir alle erwachsenen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer dazu auffordern, Vorbild zu sein und Rücksicht im Straßenverkehr zu nehmen. Vorbildliches Verhalten der ‚Großen‘ ist der Grundstein, damit die Kleinen auch einmal eigenverantwortliche Verkehrsteilnehmer werden. Die Sicherheit unserer Kinder im Straßenverkehr braucht uns alle", sagte der Minister zum Schulbeginn.

Ein weiterer wichtiger Baustein zur Schulwegsicherheit sei die Fortsetzung der bereits im Jahr 2012 gestarteten Radhelmkampagne "Schütze Dein BESTES." "Während es auf der Skipiste oder im Radsport inzwischen selbstverständlich ist, einen Helm zu tragen, ist dies im Alltag des Straßenverkehrs oder beim Freizeitsport noch nicht der Fall", bedauerte bereits der vormalige Innenminister Gall.

Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg e. V. (AGFK-BW), dem Landesamt für Geoinformation und Landent-wicklung (LGL) sowie engagierten Kommunen und Schulen haben die vier Ministerien das "Pilotprojekt Radschulwegplan" ins Leben gerufen.

"Die Sicherheit der Schulkinder insbesondere auf ihrem Weg zur Schule bedarf einer besonderen Aufmerksamkeit – unser Ziel sind flächendeckende Schulradwegpläne in Baden-Württemberg", sind sich Verkehrs- und Innenministerium einig. Offizieller Projektstart war am 22. April 2013 im Ministerium für Verkehr und Infrastruktur.

Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg e. V. (AGFK-BW), dem Landesamt für Geoinformation und Landent-wicklung (LGL) sowie engagierten Kommunen und Schulen haben die vier Ministerien das "Pilotprojekt Radschulwegplan" ins Leben gerufen. Damit nimmt Baden-Württemberg eine Vorreiterrolle bei der Verbesserung der Verkehrssicherheit von Schulwegen und der Förderung einer eigenständigen Mobilität von Kindern und Jugendlichen ein.

Bereits mit dem Aktionserlass "Sicherer Schulweg 2011/2012" und dem Schulwegplan-Monitoring vom Juni 2012 hat Baden-Württemberg einen Prozess angestoßen, der durch die jährliche Aktualisierung der Geh- und Rad-Schulwegpläne fortgesetzt und verstetigt werden soll. Alle Straßenverkehrsbehörden sind dabei zusammen mit den allgemein bildenden Schulen und der Polizei dazu aufgerufen, Geh- bzw. Rad-Schulwegpläne zu erstellen.

Sicher ins neue Schuljahr

Mit dem Ende der Sommerferien und dem Beginn des neuen Schuljahres richtet die Polizei auch in diesem Jahr wieder ein besonderes Augenmerk auf den Schutz der jüngsten Verkehrsteilnehmer. Während sich ältere Kinder und Jugendliche bereits im vergangenen Schuljahr im Straßenverkehr bewegt haben, so beginnt mit der Schule für den ein oder anderen ABC-Schützen nicht nur ein neuer Lebensabschnitt. Unsere Jüngsten wagen in den kommenden Wochen auch einen ersten selbstständigen Schritt auf die Straßen, Geh- und Radwege unseres Präsidiums.

"Das Risiko für Kinder, als Mitfahrer bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen, ist mehr als doppelt so hoch, wie für eigenverantwortliche Verkehrsteilnehmer, also Erwachsene. Deshalb gibt es auch gar keine Entschuldigung, wenn Erwachsene die Kinder im Auto nicht oder nicht richtig sichern. Die Polizei wird daher auch weiterhin konsequent gegen jegliche Verstöße zu Lasten der Sicherheit von Kindern und Jugendlichen im Straßenverkehr vorgehen", betonte Innenminister Strobl.

Im vergangenen Jahr habe die Polizei 6.216 und im ersten Halbjahr 2017 bereits 3.963 Verstöße gegen die Kindersicherungspflicht festgestellt.  "Unserer Sensibilisierungs- und Kontrollmaßnahmen zahlen sich aus. Bundesweit ist das Risiko für Kinder und Jugendliche, im Straßenverkehr zu verunglücken, in Baden-Württemberg mit am geringsten. Das erfüllt mich mit großer Freude", so der Innenminister.

Dennoch musste die Polizei im vergangenen Jahr 653 (2015: 581) Schulwegunfälle, bei denen 525 (2015: 481) Kinder und Jugendliche leicht und 121 (2015: 118) Kinder und Jugendliche sogar schwer verletzt wurden, registrieren. Leider habe im vergangenen Jahr – wie im Jahr 2015 – ein Kind sein Leben auf dem Schulweg verloren.  

"Jedes Unfallopfer ist eines zu viel. Regelmäßig zum Schulanfang beziehungsweise jeweils nach den Ferien steigt die Unfallgefahr für Kinder und Jugendliche, da sich die Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer sowie die Schülerinnen und Schüler erst wieder aufeinander einstellen müssen. Lassen Sie uns zum Wohle aller daher besonders achtsam sein und dazu beitragen, die Sicherheit auf Baden-Württembergs Schulwegen weiter zu erhöhen", appellierte Innenminister Thomas Strobl an die "Kleinen" und "Großen" des Landes. 

"Viele meiner Kolleginnen und Kollegen sind selbst Eltern und wissen, was es bedeutet, seine Liebsten nach einem Schultag wohlbehalten in den Arm nehmen zu können. Dass unsere Schüler unversehrt von A nach B kommen, liegt uns allen am Herzen. Wir werden deshalb in den kommenden Tagen ein besonderes Augenmerk auf unsere Schulwege haben", versichert Polizeivizepräsident Reinhard Renter.

Entwicklung

Mit Blick auf den Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Offenburg wurde im vergangenen Schuljahr ein erfreulicher Rückgang polizeilich registrierter Schulwegunfälle (Schülerinnen und Schüler bis 17 Jahre als aktive Verkehrsteilnehmer, die auf dem Weg von oder zur Schule durch einen Verkehrsunfall verletzt wurden) registriert. Gegenüber dem Vorjahr konnten 31 Unfälle weniger gezählt werden (108 auf 77). Während im Landkreis Rastatt ein leichter Anstieg verzeichnet werden musste (18 auf 24), konnte im Ortenaukreis ein deutlicher Rückgang festgestellt werden (88 auf 53). In Baden-Baden waren hingegen keine Kinder auf ihrem Schulweg an einem Verkehrsunfall beteiligt.

Ursachen

Schulwegunfälle und ihre möglichen Ursachen unterliegen einer ständigen polizeilichen Auswertung und Analyse. Während beim Blick auf die Unfallörtlichkeiten keine lokalen Unfallschwerpunkte festgestellt werden konnten, fällt dagegen bei der Untersuchung der Unfallursachen auf, dass nahezu 70 Prozent aller Schulwegunfälle von den jungen Verkehrsteilnehmern selbst verursacht wurden. Der verbleibende Anteil entfällt nahezu vollständig auf das Fehlverhalten von Autofahrern.

Folgen

Während im Bereich der Schulwegunfälle bei den Leichtverletzten ein Rückgang registriert werden konnte (91 auf 55), so musste in der Statistik ein leichter Anstieg der schwer verletzten Schüler registriert werden (14 auf 18). Unfälle mit tödlichem Ausgang blieben glücklicherweise aus.

Anstehende Maßnahmen

Neben dem verstärkten Blick der Ordnungshüter auf das Verhalten der Kinder und Jugendlichen auf ihrem Schulweg und der Verkehrstauglichkeit ihrer Zweiräder muss in den kommenden Wochen auch verstärkt mit Geschwindigkeitskontrollen gerechnet werden. Selbstverständlich wird hierbei ein besonderes Augenmerk auf Schulwege und auf Unfallschwerpunkte gelegt. Ein zusätzlicher Fokus richtet sich aber auch auf die Transportsicherheit der Schülerinnen und Schüler in den elterlichen Fahrzeugen. Kindersitze und Sitzerhöhungen sind wichtige und vorgeschriebene Ausrüstungsgegenstände; ein angelegter Sicherheitsgurt kann ab Tempo 30 lebensrettend sein!

Hinweise der Polizei

  1. Trainieren Sie den Schulweg mit Ihrem Kind einige Wochen, bevor es diesen selbstständig gehen soll. Überfordern Sie hierbei Ihr Kind nicht, sondern arbeiten Sie ruhig und mit vielen Wiederholungen. Erklären Sie dabei Ihrem Kind immer wieder, was Sie tun und warum das wichtig ist.
  2. Informieren Sie sich hierzu bei Ihrer Schule über den "Schulwegplan", der Ihnen sichere Wege empfiehlt.
  3. Wählen Sie diese sicheren Wege, auch wenn Sie vielleicht einen kleinen Umweg in Kauf nehmen müssen.
  4. Wecken Sie Ihr Kind morgens rechtzeitig. Zeitdruck und Hektik können sich auf das Verhalten im Straßenverkehr negativ auswirken. Ein gesundes Frühstück für die andauernde Konzentrationsfähigkeit ist ebenso von großer Bedeutung. - Halten Sie Ihr Kind zur Pünktlichkeit an, um Unregelmäßigkeiten erkennen und frühzeitig handeln zu können.
  5. Achten Sie auf eine gut sichtbare Kleidung Ihres Kindes im Straßenverkehr. Die Erkennbarkeit kann durch helle Kleidung und Reflektoren wesentlich unterstützt werden.
  6. Lassen Sie Ihr Kind mit anderen Kindern in Kleingruppen gehen. Vereinbaren Sie mit den Kindern, dass sie aufeinander warten und zusammenbleiben sollen. Stärken Sie hierbei das Gemeinschafts- und Verantwortungsgefühl der Kinder.

Kinder als Mitfahrer

  1. Sichern Sie alle mitfahrenden Kinder immer mit altersentsprechenden Kindersitzen. Sie tragen dafür die Verantwortung! Erst ab zwölf Jahren beziehungsweise einer Körpergröße von 150 Zentimetern dürfen Kinder lediglich mit dem "Erwachsenengurt" gesichert werden.
  2. Fahren Sie in Kindergarten- und Schulgegenden langsam und aufmerksam und rechnen Sie mit spontanen Handlungen der Kinder, zum Beispiel, dass sie plötzlich auf die Fahrbahn treten.
  3. Lassen Sie die Kinder an der zur Fahrbahn abgewandten Seite ein- und aussteigen. - Halten Sie hierbei mit Ihrem Fahrzeug nicht auf dem Gehweg! Stellen Sie Ihr Auto vor allem an Kindergärten und Schulen so ab, dass es weder die Sicht behindert noch den Gehweg versperrt. Kinder könnten dadurch gefährdet werden!

Kinder als Verkehrsteilnehmer 

STEHEN:

Vor dem Überqueren müssen Sie mit Ihrem Kind am Bordstein ("Stoppstein") stehen bleiben. Dabei sollten sie etwa 20 Zentimeter Entfernung zur Fahrbahn einhalten. - Am Zebrastreifen soll Ihr Kind zusätzlich die Hand nach vorne ausstrecken, damit die Autofahrer es deutlicher erkennen können.

HÖREN:

Üben Sie mit Ihrem Kind, auf verkehrsrelevante Geräusche zu achten und deren Wichtigkeit zu beurteilen.

SCHAUEN:

Achten Sie darauf, dass Ihr Kind vor jeder Straßenüberquerung, auch am Zebrastreifen und an der Ampel, immer aufmerksam nach beiden Seiten schaut (erst links, dann rechts und nochmals links schauen).

(Quelle: IM.bw/HIN)