Späte Mutterschaft im Trend

Erstellt: Freitag, 02. November 2018

(joER). Das durchschnittliche Alter der Mütter bei der Geburt eines Kindes ist seit Ende der 1970er-Jahre stetig angestiegen: 1980 lag dieses Durchschnittsalter in Baden-Württemberg erst bei 27 Jahren, im Jahr 2017 bereits bei knapp 32 Jahren. Noch deutlicher wird dieser Trend zur "späten Mutterschaft", wenn der Anteil der Geburten von Frauen, die im Alter von mindestens 35 Jahren (noch) ein Kind geboren haben, an allen Geburten herangezogen wird: Allein zwischen den Jahren 2000 und 2007 erhöhte sich dieser Anteil von etwa 17 % auf knapp 24% , 2017auf gut 25 %.

In Baden-Württemberg hat jede Frau im vergangenen Jahr im Schnitt 1,57 Kinder bekommen - das ist die zweithöchste Geburtenrate seit mehr als 40 Jahren. Das teilte das Statistische Landesamt am Dienstag in Stuttgart mit. Damit die Bevölkerungszahl nicht schrumpft, müsste allerdings jede Frau 2,1 Kinder bekommen.

Im Land wurden demnach im vergangenen Jahr rund 107'400 Kinder lebend geboren, etwa 100 Säuglinge weniger als im Jahr davor. Zum ersten Mal seit sechs Jahren seien die Geburtenzahlen leicht gesunken. "Der minimale Rückgang ist nicht schlimm", sagte ein Sprecher des Landesamts. "Die Zahlen sind fast identisch mit denen des Vorjahrs und steigen tendenziell." Gründe seien etwa die Zuwanderung und die Zunahme der Frauen im gebärfähigen Alter.

Innerhalb des Landes gibt es deutliche Unterschiede bezüglich des Anteils Neugeborener von Frauen im Alter von 35 und mehr Jahren an allen Geburten, jedoch hat sich in allen 44 Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs der Anteil Spätgebärender gegenüber dem Jahr 2000 erhöht. Die Hauptursache für den langjährigen Trend zur "späten Mutterschaft" wird in der zunehmenden Erwerbsbeteiligung und Ausbildungsdauer von Frauen gesehen, wodurch die Familiengründung in ein immer höheres Alter verschoben wird.

Dieser Trend wird insbesondere mit dem Familiengründungsmuster hoch qualifizierter Frauen in Zusammenhang gebracht. Tatsächlich zeigt sich, dass dort, wo viele Akademikerinnen leben, die Mütter bei der Geburt ihrer Kinder tendenziell älter sind. So hat der Stadtkreis Heidelberg mit den meisten Spätgebärenden auch den mit Abstand höchsten Akademikerinnenanteil unter den 44 Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs.

Umgekehrt ist in den meisten Kreisen mit einem geringen Anteil "später Mütter" auch der Anteil der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen mit einem Abschluss an einer Fachhochschule oder Hochschule/Universität unterdurchschnittlich. Dagegen spielt der regional unterschiedliche Anteil der Geburten von ausländischen Müttern an allen Geburten nur eine untergeordnete Rolle, obwohl diese bei der Geburt ihrer Kinder tendenziell etwas jünger als die deutschen Frauen sind.

(Quelle: ESTATIS.bw/HIN)