Weiterhin Grippewelle

Erstellt: Donnerstag, 08. März 2018

(joER). Die Zahl der Influenzaerkrankten im Land bewegt sich weiter auf einem sehr hohen Niveau. Um einen möglichst umfassenden Gesundheitsschutz der Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen, ruft Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha die gesetzlichen Krankenkassen zur Übernahme der Kosten für den wirksamen Vierfachimpfstoff auf. Bei der aktuellen weiten Verbreitung der Influenza kommt Hygienemaßnahmen wie mehrmals täglich gründliches Händewaschen mit Seife sowie Husten und Niesen in die Ellenbeuge oder den Ärmel eine besondere Bedeutung zu.

"Mit 5'157 Influenza- bzw. Grippefällen in der abgelaufenen Meldewoche wurde die Zahl aus der Vorwoche (4'999 Fälle) nochmals knapp übertroffen. Die aktuelle Influenzasaison zählt mit bislang insgesamt 24'162 Fällen zu den heftigsten, die in Baden-Württemberg überhaupt beobachtet wurden", teilte Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha mit.

Nach Angaben des Landesgesundheitsamtes entfallen in Baden-Württemberg 63,6 Prozent der typisierten Influenzaerreger in dieser Saison auf Influenza B. Dabei handelt es sich nahezu ausschließlich um Viren der Yamagata-Linie, gegen die der aktuelle Dreifachimpfstoff keinen Schutz bietet.

"Die Kosten des Vierfachimpfstoffs müssen zur Sicherstellung eines möglichst umfassenden Gesundheitsschutzes der Bürgerinnen und Bürger ab der nächsten Saison von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden", forderte Lucha. "Mit dem Vierfachimpfstoff gegen Influenza, der von der Ständigen Impfkommission seit Januar 2018 empfohlen wird, hätten in dieser Saison viele Krankheitsfälle verhindert werden können", so der Minister weiter. Bislang werden von den Kassen in der Regel für die gesetzlich Versicherten nur die Kosten für den Dreifachimpfstoff getragen - und die für den Vierfachimpfstoff allenfalls in Einzelfällen.  

In Baden-Württemberg entfallen 63,6 Prozent der typisierten Influenzaerreger in dieser Saison auf Influenza B. Dabei handelt es sich laut Sozialministerium nahezu ausschließlich um Viren der Yamagata-Linie, gegen die der aktuelle Dreifachimpfstoff keinen Schutz bietet. Damit die Kassen die Vierfachimpfung zahlen, müsse die entsprechende Richtlinie geändert werden.

Im Moment sind so viele Menschen erkrankt, dass die Betten in den Kliniken des Landkreises Karlsruhe knapp sind. "Die Influenza oder echte Grippe sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen", warnt Michael Richter, Leiter der DAK-Gesundheit in Karlsruhe. "Besonders für ältere Menschen und Schwangere kann die Infektion gefährlich werden."

Die Symptome einer echten Grippe reichen bei einem schweren Verlauf von Schüttelfrost über Husten bis hin zu starkem Fieber. "Die Betroffenen fühlen sich von jetzt auf gleich sehr krank. Das unterscheidet die echte Grippe von einer Erkältung", so Richter.

Neben der Grippeimpfung können eine Reihe weiterer vorbeugender Maßnahmen die Gefahr einer Ansteckung reduzieren. "Um Viren so schnell wie möglich wieder loszuwerden, sollte man sich häufiger als sonst die Hände waschen", rät Jana Eßbauer, stellvertretende Leiterin der DAK-Gesundheit in Karlsruhe.

In Baden-Württemberg ist die Grippeschutzimpfung nicht nur für Risikogruppen wie Ältere und Personen mit Grunderkrankungen empfohlen, sondern für alle Bürgerinnen und Bürger. In der Regel werden bislang die Kosten für den Dreifachimpfstoff für alle Versicherten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, die Kosten der Vierfachimpfung jedoch nur in begründeten Einzelfällen.

Für die verpflichtende Kostenübernahme des Vierfachimpfstoffs ist eine Änderung der Schutzimpfungsrichtlinie durch den Gemeinsamen Bundesausschuss erforderlich. "Zum Schutz vor Erkrankung müssen sich möglichst viele Menschen impfen lassen. Eine besondere Verantwortung zum Schutz der von ihnen betreuten Personen besteht dabei für medizinisches und pflegerisches Personal", betonte der Minister.

Angesichts der Grippewelle haben z.B. die Pflegekräfte der Uniklinik Heidelberg ihre für Montag und Dienstag geplanten Warnstreiks verschoben. Es gebe derzeit eine Überbelegung insbesondere mit älteren Grippepatienten, die so nicht absehbar gewesen sei, teilte die Gewerkschaft Verdi mit. Sie will nun erst am 22. und 23. März zu Arbeitsniederlegungen aufrufen. "Der Warnstreik sollte den Druck auf den Arbeitgeber erhöhen und nicht auf Patienten", betonte Verhandlungsführerin Irene Gölz. Im Tarifstreit an den Unikliniken des Landes geht es um eine Entlastung der Pflegekräfte.

Bisher starben sin dieser Grippesaison 92 Menschen mit einer Influenza-Infektion, davon 71 Menschen direkt aufgrund der Influenza, wie das Landesgesundheitsamt mitteilte. Bei den anderen 21 Toten lag neben der Grippeinfektion beispielsweise noch eine weitere Krankheit vor.

Bei der aktuellen weiten Verbreitung der Influenza kommt Hygienemaßnahmen wie mehrmals täglich gründliches Händewaschen mit Seife sowie Husten und Niesen in die Ellenbeuge oder den Ärmel eine besondere Bedeutung zu. Regelmäßiges Lüften wirkt der Austrocknung der Mund- und Nasenschleimhaut entgegen und verringert damit die Empfänglichkeit für Infektionserreger.

(Quelle: SM.bw/HIN)