Inklusionstag bei der Stadt

Erstellt: Mittwoch, 18. Oktober 2017

Gaggenau (proh). Wie lässt sich der Alltag mit körperlichen Einschränkungen meistern? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung, die die Stadtverwaltung für ihre Mitarbeiter organisiert hatte. „Es ist mir wichtig, dass wir die Ziele der Inklusion umsetzen“, machte Oberbürgermeister Christof Florus zu Beginn des internen Inklusionstages deutlich, dass für ihn Inklusion nicht nur eine gesetzliche Vorgabe ist, sondern Selbstverständlichkeit. Es gehe darum Barrieren abzubauen und gerade bei neuen Vorhaben ein Auge darauf zu haben, dass sie eine Teilhabe von Menschen mit Einschränkungen ermöglichen.

Schließlich wachse mit dem demographischen Wandel auch die Zahl der Menschen, die körperlich beeinträchtigt sind. Schon jetzt ist jeder zehnte in Deutschland von einer Behinderung betroffen. Zusammen mit den mitbetroffenen Angehörigen ist damit ein sehr großer Personenkreis tagtäglich mit Barrieren konfrontiert, machte Dr. Christoph Scheffel deutlich.

Der Gaggenauer, der nach einem Unfall selbst im Rollstuhl sitzt und die Stadtverwaltung bereits seit gut zwei Jahren ehrenamtlich unterstützt, gab den Verwaltungsmitarbeitern in zwei Vorträgen einen Einblick in die täglichen Herausforderungen. Dabei wurde deutlich, wie sehr eine Behinderung die persönliche Freiheit, aber auch die des Partners oder der Familie einschränkt.

Anhand von Bildern aus dem Ausland zeigte er auf, wie oftmals schon mit einfachen Mitteln gute Lösungen im öffentlichen Raum gefunden werden können. Von großzügigen Parkplatzangeboten über Blindenleitsysteme bis hin zu Bussen, die mit Rampen ausgestattet sind. „Bei uns baut man die Haltestellen höher, anderswo werden die Busse so gebaut, dass ein Rollstuhlfahrer jederzeit (nicht nur an der Bushaltestelle) aus dem Bus kommt“.

Neben den beiden eindrücklichen Vorträgen gab es im Bürgersaal des Rathauses eine Vielzahl an Mitmachangeboten und Informationen zu verschiedenen körperlichen Behinderungen. Wichtig war es den beiden Organisatorinnen Jessica Pahl und Judith Feuerer zu vermitteln, dass jeder schon morgen eine Augenerkrankung entwickeln, an Gicht oder Arthrose erkranken kann oder auch einen Autounfall mit Folgen haben kann. Dass sie mit den verschiedenen Angeboten die Mitarbeiter erreichten, zeigte sich an den rundweg positiven Rückmeldungen.

Wer eine Brille, die Grauen Star simulierte oder Handschuhe trug, mit denen deutlich wurde wie schwer es ist, noch Münzen aus einem Geldbeutel zu holen, bekam eine Ahnung davon, wie sich Menschen in diesen Situationen fühlen müssen. So konnte im Alterssimulationsanzug erfahren werden, wie mühsam Treppensteigen oder Aufstehen ist. Beim Rolliparcours wurde deutlich, wie schwierig es ist, über unebene Flächen zu fahren oder wie schnell selbst kleine Kanten zum Zwangsstopp führen.

Auch Türen öffnen und schließen ist für Rollstuhlfahrer oft fast nicht möglich. Wie vermittelt man Gehörlosen einen Verwaltungsvorgang, welche Hilfsmittel gibt es für Blinde und wie muss gebaut werden, damit sich Rollstuhlfahrer und Rollator-Nutzer gut bewegen können? Der Tag habe erheblich zur Sensibilisierung der Mitarbeiter für das Thema Inklusion beigetragen, heißt es abschließend in der Pressemitteilung der Stadtverwaltung.

(Quelle: StVwGAG/HIN)