"Restlos" gut essen

Erstellt: Montag, 30. April 2018

(Hero). "Gutes und reichhaltiges Essen gehört für viele Menschen zum Weihnachtsfest dazu. Wir gönnen uns etwas und genießen die gemeinsame Zeit mit der Familie und Freunden bei ausgiebigen Mahlzeiten", sagte die Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Friedlinde Gurr-Hirsch, mit Blick auf die anstehenden Feiertagen und den damit verbundenen Umgang mit Essensresten. Selten würde alles restlos aufgegessen. Mit ein bisschen Kreativität entstünden jedoch auch aus den Resten noch leckere Gerichte und häufig ganz neue Geschmackserlebnisse.  

Nach einer aktuellen Verbraucherstudie werden immer noch viele wertvolle und essbare Lebensmittel in Privathaushalten weggeworfen. Fast die Hälfte aller Lebensmittelabfälle im Land wäre vermeidbar – das entspricht rund 26 Kilogramm pro Person im Jahr. Ein großer Teil davon ist dabei zum Zeitpunkt des Wegwerfens noch genießbar. Gemüse, Obst und Backwaren werden am häufigsten vernichtet. Die Verschwendung von Lebensmitteln hat nicht nur wirtschaftliche Konsequenzen, sondern auch eine ethische, soziale und ökologische Dimension.

"Eine aktuelle Untersuchung zeigt: Immer noch werden viele wertvolle und essbare Lebensmittel in Privathaushalten weggeworfen. Als Landesregierung werden wir uns weiterhin und verstärkt für die Reduzierung von diesen vermeidbaren Lebensmittelabfällen und einen wertschätzenden Umgang mit Lebensmitteln einsetzen", sagte Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch.

Der Landesregierung ist die Reduzierung der Lebensmittelverluste ein wichtiges Anliegen. Durch Aufklärung der Verbraucherinnen und Verbraucher sowie den Dialog mit dem Lebensmittelhandel und Vertretern der Außer-Haus-Verpflegung  möchte sie das Bewusstsein für den Wert unserer Lebensmittel stärken und einen Beitrag zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung leisten. 

"In jedem Lebensmittel stecken wertvolle Ressourcen und ihr Wert misst sich nicht nur an ihrem Preis. Der Landwirt beispielsweise steckt viel Mühe, Zeit und Herzblut in die Produktion seiner Erzeugnisse. Werden Lebensmittelreste richtig gelagert und weiterverwendet, kann jeder einen Beitrag zu ihrer Wertschätzung und zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen leisten. Dabei kommt auch der Genuss nicht zu kurz - ob in der Weihnachtszeit oder im Rest des Jahres", betonte Staatssekretärin Gurr-Hirsch.

Reste von Mahlzeiten sollten direkt nach dem Essen kalt gestellt werden, damit sie nicht verderben. Lebensmittel mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum, beispielsweise Milchprodukte, können bei stets sachgerechter Lagerung meist auch über dieses Datum hinaus verzehrt werden. Lebensmittel mit einem Verbrauchsdatum wie Fleisch- und Fischwaren dürfen nach Erreichen dieses Datums allerdings nicht mehr verzehrt werden, sofern sie nicht schon vorher gut durcherhitzt und gekühlt gelagert wurden.

Alle Produkte sollten vor ihrer weiteren Verwendung auf ihre Genießbarkeit überprüft werden. Sind Aussehen, Geruch und Geschmack in Ordnung, spricht in aller Regel nichts gegen den weiteren Verzehr. Bei Schimmelbefall müssen Lebensmittel unbedingt entsorgt werden. "Lebkuchen, Nüsse, Festtagsbraten – in der Weihnachtszeit ist Schlemmen erlaubt. Sind die Feiertage vorbei, ist dies aber kein Grund, übrig Gebliebenes zu entsorgen. Ist die Zeit knapp, zum Beispiel, weil es in den Winterurlaub geht, können viele Reste von fertigen Speisen oder Lebensmitteln einfach eingefroren werden" erklärte die Staatssekretärin.

Dies solle möglichst rasch erfolgen, damit Qualität und Geschmack der Produkte erhalten blieben. Wichtig sei auch, Gefrierdosen oder -beutel gut zu beschriften, damit man auch nach einigen Wochen oder Monaten noch weiß, welche Leckerei sich darin verbirgt. Neues ausprobieren  Häufig kehrt nach dem Weihnachtstrubel aber erst einmal Ruhe ein; ein guter Zeitpunkt, um in der Küche zu experimentieren.

Viel Potential für Senkung der Abfallmenge in Privathaushalten

Eine aktuelle Studie der Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat die Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten in Deutschland erfasst. Eine Sonderauswertung für Baden-Württemberg zeigt, dass im Land pro Jahr bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern etwa 600'000 Tonnen Lebensmittelabfall anfallen. Fast die Hälfte davon wäre vermeidbar – das entspricht rund 26 Kilogramm pro Person. Diese Menge liegt über dem gesamtdeutschen Durchschnitt.

"Die Zahlen zeigen, dass Handlungsbedarf besteht. Auch wenn wir nach einer aktuellen Erhebung des WWF im Vergleich der Bundesländer mit im Spitzenfeld liegen. Die Reduzierung von Lebensmittelverlusten ist weltweit ein wichtiges Thema und auch wir in Baden-Württemberg sind in der Verantwortung, unseren Beitrag dazu zu leisten", betonte Gurr-Hirsch.

Die Landesregierung habe darum einen Maßnahmenplan erarbeitet, der kontinuierlich weiterentwickelt werde und die relevanten Akteure und Handlungsfelder miteinbeziehe. "Es gibt noch viel Potential, die Abfallmenge in Privathaushalten zu senken und so wertvolle Lebensmittel vor der Mülltonne zu retten", sagte die Staatssekretärin. In Baden-Württemberg fiele pro Haushalt im bundesdeutschen Vergleich laut der Studie am meisten Lebensmittelabfall an. Ein möglicher Erklärungsansatz dafür sei, dass im Land überdurchschnittlich viel und hochwertig zuhause frisch gekocht werde, dies sei erfreulich.

"Der häufigste Grund für die Entsorgung von Lebensmitteln sind Probleme mit der Haltbarkeit, insbesondere mit der Verderbnis oder ein ‚altes‘ Aussehen. Auch zu viel Gekochtes, Tellerreste und zu viel Gekauftes landen häufiger in der Tonne. Darin sehen wir entscheidende Ansatzpunkte für unsere Maßnahmen", erklärte die Staatssekretärin.

"Zum einen möchten wir Verbraucherinnen und Verbrauchern durch Bildungsangebote die Möglichkeit geben, mehr über Einkaufsplanung, die richtige Lagerung und das Haltbarmachen von Lebensmitteln zu lernen. Auch die Weiterverwendung von übrig gebliebenem Essen zu neuen, schmackhaften Speisen ist dabei Thema. Zum anderen sehen wir in der Bewusstseinsschaffung und Sensibilisierung für das Thema Lebensmittelverluste sowie in der Erhöhung der Wertschätzung von Lebensmitteln wichtige Handlungsansätze", betonte Gurr-Hirsch.

Über das Mindesthaltbarkeitsdatum sind die Menschen in Baden-Württemberg offenbar gut aufgeklärt: Sie werfen Lebensmittel selten aufgrund eines abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdatums weg. Wird ein Lebensmittel allerdings deswegen entsorgt, so erfolgt dies häufig in ungeöffneter Verpackung, also ohne, dass seine tatsächliche Genussfähigkeit überprüft wurde. "Wir möchten das Vertrauen in die eigene Beurteilung des Zustands eines Lebensmittels stärken. Dafür braucht es Wissen und Erfahrung rund um Lebensmittel, ihre Lagerung und Zubereitung", sagte Gurr-Hirsch.

Nicht nur Verbraucherinnen und Verbraucher sind Akteure im Kampf gegen Lebensmittelverluste. Auch der Lebensmitteleinzelhandel und der Bereich der Außer-Haus-Verpflegung spielen eine wichtige Rolle. Darum sind auch diese in die Maßnahmen der Landesregierung eingebunden. "Gemeinsam mit dem Handelsverband, dem DEHOGA und zahlreichen Betrieben wollen wir durch Kooperationsprojekte und Aufklärungsarbeit zu einer Reduzierung von Lebensmittelabfällen beitragen. Gerne bringen wir uns dabei auch in die vom Bundesministerium angekündigte Nationale Strategie zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung ein", betonte die Staatssekretärin.

Nicht nur Brot von den Vortagen, auch Gemüse und Obst sind durch ihre begrenzte Haltbarkeit häufige Zutaten in der Resteküche. Für ein schnelles Nudelgericht beispielsweise lässt sich die klassische Tomatensoße mit fein geschnittenem Gemüse aller Art anreichern. Auch ein selbst gemachter Gemüsefond als Basis für verschiedene Speisen ist eine gute Verwertungsmöglichkeit, insbesondere, wenn das Gemüse schon ein wenig schrumpeliger ist. In Aufläufen lässt sich Gemüse zudem ideal mit Käseresten kombinieren.

Äpfel oder Birnen eignen sich übrigens auch für herzhafte Speisen und geben ihnen eine fruchtige Note, selbst wenn sie schon ein wenig zu reif sind. Obst zu Mus gekocht und mit weihnachtlichen Gewürzen versehen ist eine leckere und vor allem leichte Alternative zu anderen süßen Weihnachtsnaschereien. Stollenreste finden Wiederverwendung in Desserts, beispielsweise geschichtet mit Apfelmus oder einer Quark-Joghurt-Creme. Übrig gebliebene, vielleicht schon etwas trocken gewordene Lebkuchen geben herzhaften, leichten Soßen einen neuen Pfiff und ein besonderes Aroma. 

siehe auch:

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Gesamtstudie

Mach's Mahl: Sonderauswertung für Baden-Württemberg

Vernetzung von Aktivitäten im Bereich Vermeidung von Lebensmittelverschwendung

(Quelle: MLR.bw/HIN)