Welternährungstag

Erstellt: Montag, 16. Oktober 2017

(Hero). Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, FAO, erinnert alljährlich am 16. Oktober mit ihrem Welternährungstag daran, dass derzeit weltweit rund 800 Millionen Menschen nicht ausreichend mit Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser versorgt sind. Tausende Menschen sterben täglich an Unterernährung und ihren Folgen, mehr als die Hälfte davon sind Kinder unter fünf Jahren. Der Welternährungstag wurde 1979 eingeführt. Seither findet er jedes Jahr in verschiedenen Ländern statt.

"Rund 800 Millionen Menschen weltweit hungern und sind nicht ausreichend mit guter Nahrung und sauberem Trinkwasser versorgt. Gleichzeitig steigt in den Industrieländern die Zahl übergewichtiger Menschen seit Jahren rapide an. Das geht nicht zusammen", sagte die Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Friedlinde Gurr-Hirsch, mit Blick auf den diesjährigen Welternährungstag am Montag, den 16. Oktober 2017.

Mangel- und Fehlernährung seien weltweite Probleme und auch in Deutschland ein großes Thema. Es sei daher wichtig, das Bewusstsein der Menschen für ein vernünftiges Ernährungsverhalten zu schärfen und die Folgen einer falschen Ernährung für die Gesundheit und die Umwelt stärker in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Diskussion zu rücken. 

Neben offiziellen Kongressen am Welternährungstag, die sich mit den Themen Welthunger und Ernährungssicherung auseinandersetzen, nutzen oft auch Nichtregierungsorganisation (Non-Governmental Organizations, NGOs) den Tag, um auf das weltweite Hungerproblem aufmerksam zu machen. Das Datum wurde ausgewählt, weil am 16. Oktober 1945 die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO) mit der Aufgabe, die weltweite Ernährung sicherzustellen, als Sonderorganisation der UNO gegründet wurde.  Ein leerer Magen findet keinen Frieden.  

Bundesernährungsminister Christian Schmidt: "Weltweit leiden 815 Millionen Menschen an Hunger. Davon leben mehr als die Hälfte, 489 Millionen Menschen, in Konfliktgebieten. Hunger und wirtschaftliche Perspektivlosigkeit gehören zu den Hauptursachen, warum Menschen ihre Heimat verlassen. Die Angst um das tägliche Brot treibt die Menschen in Unruhen und bewaffnete Konflikte. Die Wohlstandsregionen der Welt sollten ein existenzielles Interesse haben, den Teufelskreislauf aus Hunger, Perspektivlosigkeit, Unruhen, Gewalt und Flucht zu unterbrechen. Denn: Ein leerer Magen findet keinen Frieden.

Die Agrar- und Ernährungspolitik hat die Verantwortung einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Stabilität weltweit zu leisten. Investitionen in die Landwirtschaft leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherung weltweit, sondern zu wirtschaftlichem Wachstum und sozialer Entwicklung. Wir müssen neue Perspektiven schaffen - vor allem im ländlichen Raum. Die Vereinten Nationen sollte ihre Kooperation im Kampf gegen Hunger und Mangelernährung intensivieren. Kein Industrie- und Schwellenland darf sich vor der notwendigen Finanzierung drücken."

In krassem Widerspruch zur Zahl der Unterernährten und Hungernden weltweit stehe die steigende Zahl der Übergewichtigen in Wohlstandsländern, und inzwischen auch in bevölkerungsreichen Ländern wie China oder Indien. Waren einem Bericht der WHO zufolge im Jahr 1975 weltweit etwa elf Millionen der Fünf-  bis 19-Jährigen fettleibig, so stieg deren Zahl im vergangenen Jahr auf 124 Millionen an. (siehe auch ⇒ Mehr Fettleibige ...)

"Das Wissen um die Herkunft und Produktion von Lebensmitteln sowie um den richtigen Umgang mit ihnen nehmen immer weiter ab. Zusammen mit dem stets verfügbaren preisgünstigen Angebot an unterschiedlichsten Produkten kann dies zu einem Verlust des Gefühls für den Wert von Lebensmitteln führen", erklärte Gurr-Hirsch. Bereits Kinder seien für eine wertschätzenden Haltung gegenüber Lebensmitteln zu sensibilisieren.

"Durch das eigenhändige Zubereiten von Speisen oder den Anbau von Gemüse und Kräutern, zum Beispiel in einem Schulgarten, entwickeln sie einen Bezug zu den Produkten und ein Gefühl für ein ausgewogenes Essverhalten. Mit dem Startschuss zur flächendeckenden Einführung des Ernährungsführerscheins zum Schuljahr 2017/18 hat Baden-Württemberg einen wichtigen Schritt für die Ernährungsbildung unserer Kinder getan", sagte die Staatssekretärin. 

Kinder lernen am Vorbild, auch wenn es um die Ernährung geht

Der Umgang mit Nahrungsmitteln und die Grundlagen für eine  bestimmte Esskultur werden zu Hause  und auch in Kindertagesstätten und Schule ausgeprägt. Das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt sieht daher in der Vermittlung von Bildung und Alltagskompetenzen in Fragen der Ernährung eine seiner Aufgaben. "So trägt beispielsweise die Belieferung von 91 Grund- und Förderschulen im Land mit frischer Milch, Obst und Gemüse im Rahmen des EU-Schulernährungsprogramms zur Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen für eine gesunde und bewusste Ernährung bei.

Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg unterstützt Schulen und Kindertageseinrichtungen mit der Landesinitiative Bewusste Kinderernährung bei Fragen rund ums Essen und Trinken. Mit Elternveranstaltungen, Unterricht für Kinder, Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte in Kita und Schule und vielen Informationsmaterialien steht ein breites Angebot rund um ausgewogene Ernährung für Kinder zur Verfügung.

"Bewusste Entscheidungen für gutes Essen erfordern sowohl Wissen als auch praktische Fähigkeiten, die wir mit dem Ernährungsführerschein fördern", zeigen sich Staatssekretär Volker Schebesta und Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch vom baden-württembergischen Kooperationsprojekt "Ernährungsführerschein" überzeugt - denn die bewusste Auswahl der Lebensmittel und die gesunde Gestaltung der Mahlzeiten stellen in einer Welt von unübersichtlichem und vielseitigem Angebot Herausforderungen dar. Um einen gesundheitsförderlichen, zugleich aber auch genussorientierten Lebensstil entwickeln zu können, bedarf es guter Kenntnisse über qualitativ hochwertiges Essen und dessen Zubereitung.

Bildungseinrichtungen spielen neben dem Elternhaus eine wichtige Rolle bei der Vermittlung des dafür notwendigen Wissens und der Fähigkeit, dieses im Alltag anzuwenden. Der Bildungsplan der Grundschule im Fach Sachunterricht und die beiden Leitperspektiven "Verbraucherbildung" sowie "Prävention und Gesundheitsförderung" tragen dieser Entwicklung mit zahlreichen Anknüpfungspunkten zur Ernährungsbildung bereits jetzt Rechnung.

Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport sowie das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz stellen allen Grundschulen Baden-Württembergs mit dem Ernährungsführerschein des Bundeszentrums für Ernährung ein attraktives Unterrichtspaket für die dritte Klasse zur Verfügung. Es soll die Umsetzung dieses Themenbereichs im Unterricht erleichtern. Das Medienpaket wird durch das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz finanziert. Es stellt einen vielfach erprobten und umfassend evaluierten Baustein der Ernährungsbildung dar. Rund eine Million Kinder in Deutschland haben bereits einen Ernährungsführerschein erworben.

Um die Einführung zu erleichtern und das unterrichtliche Arbeiten mit frischen Lebensmitteln zu unterstützen, bietet das Kultusministerium in Zusammenarbeit mit der Landesinitiative Bewusste Kinderernährung (BeKi) Lehrkräftefortbildungen an. Sowohl Staatssekretär Schebesta als auch Staatssekretärin Gurr-Hirsch sind sicher, dass von einer landesweiten Einführung des Ernährungsführerscheins alle Kinder profitieren werden. "Unsere gemeinsame Initiative leistet einen sichtbaren und praktischen Beitrag für die allgemeine Gesundheitsförderung, der auch in die Familien ausstrahlen kann. Die Kinder werden dadurch vielfältige Impulse in ihre Elternhäuser hineintragen können", sagt Staatssekretär Schebesta.

Lebensmittelspenden erleichtern

Zum Welternährungstag hat die EU-Kommission heute Leitlinien angenommen, um Lebensmittelspenden in der EU zu erleichtern. Ziel ist es zu klären, die Hürden für Lebensmittelspenden zu senken.

In der EU war 2015 fast ein Viertel der Bevölkerung – 119,1 Millionen Menschen – armutsgefährdet oder dem Risiko der sozialen Ausgrenzung ausgesetzt. 42,5 Millionen Menschen konnten sich jeden zweiten Tag keine qualitativ hochwertige Mahlzeit leisten. Gleichzeitig werden Schätzungen zufolge EU-weit jährlich rund 88 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle verursacht – mit geschätzten Kosten von 143 Milliarden Euro.

Die EU-Leitlinien sollen Spendern und Empfängern von überschüssigen Lebensmitteln helfen, die Voraussetzungen wie Lebensmittelhygiene und Transparenz für Verbraucher zu erfüllen, um so sichere Lebensmittelspenden zu gewährleisten. Die Leitlinien fördern die einheitliche Anwendung von EU-Regeln für Lebensmittelspenden, unter anderem die Frage der Mehrwertsteuer.

Weltweit werden jährlich etwa 1,3 Milliarden Lebensmittel verschwendet. Nach Angaben der UNICEF reiche Menge der weltweit von der Landwirtschaft produzierten Nahrungsmittel rein rechnerisch zur Versorgung der Weltbevölkerung aus. Die Verbraucher in Deutschland sollten zum wertschätzenden Umgang mit Lebensmitteln aufgerufen werden. "Jeder Deutsche wirft jährlich im Schnitt etwa 80 Kilogramm Lebensmittel in den Müll. Jeder sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein", sagte der Minister.  

(Quelle: MLR.bw/WHO/fao/HIN)