Earth Overshoot Day 2018

Erstellt: Mittwoch, 01. August 2018

(joER). Heute, 1. August, ist unser weltweites Guthaben an natürlichen Ressourcen für dieses Jahr verbraucht - so früh wie noch nie. Die restlichen 153 Tage des Jahres lebt die Menschheit auf Kosten der Natur und künftiger Generationen. Der Earth Overshoot Day ist in einer jährlichen Kampagne der Organisation Global Footprint Network der Tag des laufenden Jahres, an dem die menschliche Nachfrage an natürlichen Ressourcen das Angebot und die Kapazität der Erde zur Reproduktion dieser Ressourcen in diesem Jahr übersteigt.

Dabei ergibt seine Berechnung des Earth Overshoot Days (auch Ecological Debt Day, "Welterschöpfungstag", "Weltüberlastungstag", "Ökoschuldentag" oder "Erdüberlastungstag") eine vage Annahme unter Berücksichtigung zeitlicher und ressourcenabhängiger Trends: Das jeweilige Datum wird berechnet, indem der globale ökologische Fußabdruck (die menschliche Nachfrage an natürlichen Ressourcen innerhalb des betreffenden Jahres) in ein Verhältnis zur gesamten globalen Biokapazität (die Menge der global zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen innerhalb des gleichen Jahres) gesetzt wird; analog wird die jeweilige jährliche Ressourceninanspruchnahme auf eine entsprechende Anzahl Erden hochgerechnet.

Das Ziel der Kampagne ist es, die Begrenztheit und Endlichkeit der natürlichen Ressourcen und der Erde ins Bewusstsein der Menschen zu rücken.  Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller: "Wir brauchen ein radikales Umdenken, um die Ausbeutung der Naturressourcen zu stoppen. Saubere Luft, sauberes Wasser, fruchtbare Böden, ein stabiles Klima, Artenvielfalt - davon hängt das Überleben der Menschheit ab. Weltweit sind bereits 90 Prozent aller Fischbestände bis an die Grenze der Nachhaltigkeit ausgebeutet oder überfischt. Und jedes Jahr werden auf der Erde 7,6 Millionen Hektar Wald zerstört, das entspricht der Fläche Bayerns."

Der Erdüberlastungstag zeige in aller Deutlichkeit: "Wir verbrauchen von allem zu viel! Wir leben immer stärker auf Kosten unseres Planeten, unserer Kinder und Enkelkinder und der Menschen in Entwicklungsländern. Würden alle Menschen unsere Konsummuster übernehmen, bräuchten wir mehr als drei Erden. Deswegen müssen wir jetzt drei Trendwenden einleiten. Ein neues Wachstumsverständnis, eine Wirtschaft, die in Kreisläufen denkt, und ein konsequentes Umsteuern auf erneuerbare Energie. Das ist Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung - und zugleich eine Frage der globalen Gerechtigkeit!"  

Im Lauf der letzten Jahre hat die Menschheit ihr natürliches Kapital immer früher verbraucht. 1987 fiel der Weltüberlastungstag noch auf den 19. Dezember. Die Menschheit verbraucht über das gesamte Jahr mittlerweile die natürlichen Ressourcen von 1,7 Erden. Besonders sind die Menschen in Entwicklungsländern betroffen. Die Menschen verbrauchen dort viel weniger, leiden aber deutlich stärker an den ökologischen Folgen.

Der Erdüberlastungstag wird jedes Jahr durch das Global Footprint Network errechnet. Dr. Mathis Wackernagel, Vorsitzender des Netzwerks, betont: "Die Ressourcengrenzen unseres Planeten zu erhalten, ist technisch möglich und finanziell lohnenswert und unsere einzige Chance auf eine gute Zukunft".

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung setzt sich dafür ein, den ökologischen Fußabdruck zu verringern und Naturkapital zu erhalten, beispielsweise ist durch unser Engagement weltweit 60 Millionen Hektar Wald unter Schutz gestellt worden, das ist fast die doppelte Fläche von Deutschland. Außerdem helfen wir unseren Partnerländern mit erneuerbaren Energien, klima-intelligenter Landwirtschaft und umweltfreundlicher Mobilität.

Bis 2020 bringen wir 400 Mio. weiteren Menschen Schutz vor Klimarisiken durch Klimarisikoversicherungen. Auch jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten, zum Beispiel durch den Kauf von fair gehandelten Produkten, die sozialen und ökologischen Nachhaltigkeitsstandards entsprechen. Welchen Einfluss das eigene Verhalten auf den Fußabdruck der Menschheit hat, kann mithilfe des Footprint-Rechners geschätzt werden.

Dieses Jahr fällt der Welterschöpfungstag auf den ersten August. An diesem Tag hat die Menschheit 2018 bereits jene Menge an natürlichen Ressourcen verbraucht, welche die Erde in einem Jahr reproduzieren kann. Bruno Rossmann, Klubobmann und Wirtschaftssprecher der Liste Pilz, fasst es in einfache Worte: "Die Menschheit lebt über ihre Verhältnisse." Weiters warnt er davor, es sich beim Urteil zu einfach zu machen: "Was hier für die Menschheit als Ganzes gilt, gilt nicht für jeden Menschen gleichermaßen."  

Rossmann fordert nicht nur eine Differenzierung zwischen Ländern, sondern auch innerhalb der Länder: "Würde der Rest der Welt so viele Ressourcen verbrauchen wie der österreichische Durchschnitt, kämen wir auch mit 3 Erden nicht aus. So sehr unser Land daher in der Verantwortung steht, muss die Last dieser Verantwortung auch fair verteilt werden. Da nicht alle im selben Ausmaß an dem Ressourcenverbrauch entgegenstehenden Wohlstand teilhaben, stößt eine undifferenzierte Moralpredigt der Politik teilweise zurecht auf Unverständnis."

Für Rossmann führt daher auch beim Kampf gegen Ressourcenverschwendung und Klimawandel kein Weg vorbei an der Verteilungsfrage: "Wenn wir ein gesamtgesellschaftliches Umdenken fordern, müssen wir auch alles daransetzen, ein nachhaltiges Leben für alle leistbar zu machen. In diesem Bemühen werden wir um einen ‚New Deal‘ für eine gerechtere und umweltfreundlichere Verteilung von Arbeit und Wohlstand nicht herumkommen."

Maßnahmen wie die seit Jahren geforderte ökosoziale Steuerreform und das Streichen von umweltschädlichen Förderungen sieht Rossmann dabei nur als einen Anfang: "Der Welterschöpfungstag verschiebt sich unverändert Jahr für Jahr nach vorne. Um einen radikalen Kurswechsel herbei zu führen, werden wir tiefergreifende Reformen wagen müssen."

Ebendies traut Rossmann dieser Regierung nicht zu. "Die türkis-blaue Politik geht den umgekehrten Weg: Anstatt das Wirtschaftssystem auf nachhaltige Beine zu stellen, will sie es weiter entfesseln. So wie sie die völlige Erschöpfung von Beschäftigten hinnimmt, wenn Gewinne und Wachstum es erfordern, wird sie auch der Erschöpfung unserer Welt keinen Einhalt gebieten."

Strom in Deutschland unverhältnismäßig teuer

Die Deutschen zahlen im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern zu viel für ihren Strom. Wirklich ändern könnte das nur der Staat. Er ist für die Steuern und Abgaben verantwortlich, die den Strom unnötig teuer machen. In der EU zahlen die Privatkunden nur in Dänemark mehr für Strom als in Deutschland. Vor allem Steuern und Abgaben sorgen dafür, dass der Strompreis hierzulande so hoch ist. Deutschland gehört zu den Ländern, in denen Strom weltweit am teuersten ist. Fast 30 Cent zahlen die Deutschen für eine Kilowattstunde. Der EU-Durchschnitt ist rund zehn Cent günstiger.

„Die zunehmende Digitalisierung weiter Teile von Wirtschaft und Gesellschaft erzeugt höhere Kosten für Energie, vor allem bei den privaten Haushalten. Aufgrund der Vielzahl und der Höhe von Abgaben und Steuern wäre es an der Zeit, die Stromkunden zu entlasten und die Kosten für die Verbraucher zu begrenzen“, erklärt Tillmann Raith, Geschäftsführer des mittelständischen Energieversorgers Deutsche Energie GmbH aus Erlenbach bei Heilbronn in Baden-Württemberg.

„Der Staat ist für einen großen Anteil des Strompreises verantwortlich. Daher sollte er für eine entsprechende Entlastung der Stromkunden in Deutschland sorgen. Ein erster Schritt wäre, endlich die Stromsteuer wieder abzuschaffen, wie es von Experten seit Jahren empfohlen wird“, fordert Raith. Rund ein Drittel des Strompreises fließt in Abgaben und Umlagen. Die mit Abstand größte Umlage ist die sogenannte Ökostrom- oder EEG-Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Rund 23 Prozent des Strompreises fließen in den Ausbau der erneuerbaren Energien.

Die Höhe der Umlage wird von den Übertragungsnetzbetreibern durch die Differenz von Ausgaben und Einnahmen durch Strom aus regenerativer Produktion bestimmt. Im Gegensatz zu privaten Verbrauchern können energieintensive Betriebe auf steuerliche Vorteile hoffen, da sie durch den allgemeinen hohen Strompreis in Deutschland keine Nachteile im internationalen Wettbewerb haben sollen.

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Nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar) wurden in Deutschland im ersten Halbjahr 2018 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 1'340 Megawattpeak neu installiert – fast 50 Prozent mehr neue Solarstromleistung als im Vorjahreszeitraum (901 MWp). Dies sei primär auf gesunkene Preise, aber auch auf den aktuellen Rekordsommer zurückzuführen.

Der Branchenverband fordert die Bundesregierung auf, die hohe Investitionsbereitschaft bei Bürgern und Unternehmen künftig noch stärker zu nutzen, um wachsende Klimaschäden mit Hilfe der Solarenergie zu vermeiden. Verbliebende Marktbarrieren und Ausbaudeckel für die Solarenergie sollten nunmehr schnell beseitigt werden.

Die in Deutschland bereits installierten rd. 1,6 Millionen Solarstromanlagen haben von Januar bis Juni 2018 rund 23,6 Milliarden Kilowattstunden Solarstrom erzeugt, rund acht Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2017. An einem Sommertag kann eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 5 Kilowatt auf dem Dach eines typischen Eigenheims etwa 30 Kilowattstunden Solarstrom produzieren. Das reicht nach BSW-Angaben zum Beispiel für eine 200-Kilometer-Tour mit dem Elektroauto.

 Immer mehr Verbraucher legen sich neben einer Photovoltaikanlage auch einem Solarstromspeicher zu. So können sie den günstigen und klimafreundlichen Strom aus eigener Erzeugung auch nach Sonnenuntergang nutzen. Für den Strom, den sie nicht selbst verbrauchen, erhalten sie eine für zwanzig Jahre garantierte Einspeisevergütung bzw. Marktprämie nach dem Erneuerbaren-Energien Gesetz (EEG). Infolge des relativ starken Marktwachstums sinkt diese für Neuanlagen in den nächsten drei Monaten um jeweils 1 Prozent.

Die Bundesnetzagentur hat am 31. Juli die aktuellen Photovoltaik-Meldedaten veröffentlicht. Die jüngsten Daten bekräftigen vorsichtige BSW-Erwartungen aus dem Frühjahr, 2018 erstmals seit einigen Jahren wieder das jährliche Photovoltaik-Ausbauziel der Bundesregierung zu erreichen. Mit 2.500 Megawatt im Jahr liegt dies allerdings weit unter den von Energieexperten für einen wirksamen Klimaschutz für notwendig erachteten Zubauzahlen. 

(Quelle: EOD/HIN)