Lebensmittelabfälle ohne Kunststoff

Erstellt: Mittwoch, 27. Juni 2018

(Hero). Ein neues Forschungsverbundprojekt unter Leitung der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung will herausfinden, über welche Wege Mikroplastik in Gewässer gelangt. Ziel ist es, die Verfahren für die Entnahme repräsentativer Proben aus Wasser und Abwasser zu optimieren. Nur durch eine repräsentative Probenentnahme können die Quellen von Mikroplastik genauer erfasst und daraus Vermeidungsstrategien abgeleitet werden.  Dass Plastikpartikel in die Umwelt gelangen, wird bereits seit über 40 Jahren beobachtet.

In den letzten Jahren hat sich die Aufmerksamkeit auf die winzigen Zersetzungsprodukte von Plastik, dem Mikroplastik, verlagert. Bislang fehlen verlässliche Daten über Quellen, Vorkommen und Auswirkungen von Mikroplastik auf Menschen und Ökosysteme. Fest steht nur, dass Mikroplastik in der Umwelt fast überall zu finden ist.  Hier setzt das Projekt "Repräsentative Untersuchungsstrategien für ein integratives Systemverständnis von spezifischen Einträgen von Kunststoffen in die Umwelt (RUSEKU)" an.

Bis Anfang 2021 will das Verbundprojekt Untersuchungsverfahren entwickeln, die den Mikroplastikgehalt über die verschiedenen Bereiche des Wasserkreislaufs besser und schneller messen können. Im Fokus stehen dabei Probeentnahmeverfahren.  "Die aktuellen Probenentnahmeverfahren sind nicht auf Kunststoffe abgestimmt und liefern daher oft fehlerhafte Ergebnisse bei der Bestimmung des Mikroplastikgehalts", so Dr. Ulrike Braun, Leiterin des RUSEKU-Projekts und Wissenschaftlerin an der BAM.

"Wir wollen ein verlässliches, praxisnahes Verfahren für die Wasserbeprobung entwickeln, welches gleichzeitig auf unsere bewährte Mikroplastik-Analytik abgestimmt ist. Nur so können wir Daten sammeln, um künftige Einträge von Mikroplastik in Gewässer zu verhindern."  Braun und ihre Kooperationspartner wollen Mikroplastikpartikel verschiedener Größen und Formen im Labor und in Simulationsanlagen hinsichtlich ihrer Wiederfindung testen und bewerten.

Zusätzlich will das Team numerische Berechnungen entwickeln, die die Dynamik und vertikale Verteilung von Mikroplastikpartikeln in turbulenten Fließgewässern voraussagen. Die neuen Verfahren werden auch in realen Abwassersystemen in Kaiserslautern geprüft.  An dem Forschungsprojekt sind neben der BAM sieben wissenschaftliche Institutionen und drei mittelständische Unternehmen beteiligt. Gefördert wird RUSEKU vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Forschungsschwerpunkts "Plastik in der Umwelt". 

Plastik gehört weder in Düngemittel noch in Kompost

Mit einer Bundesratsinitiative möchte Baden-Württemberg die Bundesregierung auffordern, in Abstimmung mit den Ländern ein bundesweit einheitliches Konzept zur schadlosen und ordnungsgemäßen Verwertung von verpackten Lebensmittelabfällen zu erarbeiten. Gemeinsam mit Schleswig-Holstein will die baden-württembergische Landesregierung in der kommenden Bundesratssitzung einen Entschließungsantrag einbringen.

Das hat das Kabinett heute beschlossen. In dem Antrag geht es um die "Vermeidung von Kunststoffverunreinigungen in der Umwelt bei der Entsorgung verpackter Lebensmittel".  In der Entschließung wird die Bundesregierung aufgefordert, in Abstimmung mit den Ländern einen Vorschlag für ein bundesweit einheitliches Konzept zur schadlosen und ordnungsgemäßen Verwertung von verpackten Lebensmittelabfällen zu erarbeiten.

Als geeignetes Instrument sollen unter anderem die in der Düngemittelverordnung und der Bioabfallverordnung festgeschriebenen Regelungen zu Fremdstoffen in Düngemitteln, Kultursubstraten, Pflanzenhilfsmitteln und Bioabfällen angepasst werden. Außerdem müssten die Anforderungen an Produktverantwortung und Produktdesign bei verpackten Lebensmitteln weiterentwickelt werden.

"Wir müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen und den Vollzug so gestalten, dass nur fremdstofffreie Lebensmittelabfälle in die stoffliche Verwertung kommen", sagte Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller. Das betreffe besonders die Entsorgung von Lebensmitteln aus dem Handel und der Produktion, aber auch die Biotonne in Privathaushalten.

"Plastik gehört weder in Düngemittel noch in Kompost. Dass keines hineinkommt, müssen wir so gut wie möglich regeln." Aktuell seien etwa 37 Prozent der in der EU verkauften Lebensmittel in Kunststoff verpackt, erläuterte Untersteller. Müssten Lebensmittel entsorgt werden, geschehe dies dann meist mit den Kunststoffverpackungen. Über ausgebrachte Gärreste kämen die Abfälle dann in die Umwelt.

"Was wir dringend sicherstellen müssen, ist, dass die Lebensmittel vor der Entsorgung entpackt und die Verpackungsreste abgetrennt werden. Technisch ist dies bereits heute möglich," so Untersteller. Wichtig sei außerdem, die Menge an Lebensmittelabfällen insgesamt zu verringern. "Ich hoffe sehr, dass der Bundesrat uns in unserem Anliegen unterstützt, die zunehmenden Einträge von Plastik und Mikroplastik in unsere Böden und unsere Gewässer einzudämmen."

BDE setzt sich für Verbesserung der Sammelqualität von Bioabfällen ein  

Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V. (BDE) hat sich mit einem Schreiben an das Bundesumweltministerium gewandt und darin bekräftigt, dass Bioabfall-Verwerter organische Dünger in bester Qualität erzeugen möchten. Grundvoraussetzung dafür sei, dass bereits bei der Erfassung eine hohe Sortenreinheit gewährleistet werde.

BDE-Präsident Peter Kurth: "Überlassungspflichtige Bioabfälle müssen möglichst sortenrein erfasst werden, denn nur so ist es möglich, qualitativ hochwertige Komposte und Gärprodukte zu erzeugen." Je größer die Verunreinigung, desto höher sei auch der energetische, technische und finanzielle Aufwand zur Fremdstoff-Abtrennung. Fremdstoffe müssten daher vermieden werden und gar nicht erst in die Biotonne gelangen.

Der BDE hält es für sinnvoll, ein belastbares Kriterium zu erarbeiten, ab dem Maßnahmen zur Verbesserung der Sammelqualität auf Seiten des Bürgers ergriffen werden müssen. Der Verband regt an, dazu ein Forum einzurichten. Kurth: "Unsere Betreiber benötigen gutes Ausgangsmaterial zur Erzeugung hochwertiger organischer Dünger und sie benötigen Rechtssicherheit, wie sie mit stark verunreinigten Chargen umgehen können. Wir regen daher an, ein Forum mit den betroffenen Akteuren einzurichten, das sich über Handlungs- und Regelungsmöglichkeiten austauscht und entsprechende Vorschläge erarbeitet."  

Im Januar 2017 hatte der Abfalltechnikausschuss der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall einen Beschluss gefasst. Danach soll von allen beteiligten Akteuren darauf hingewirkt werden, den Fremdstoffeintrag (Fehlwürfe) bei der getrennten Bioabfallsammlung auf eine Zielgröße von maximal 1 Gewichtsprozent zu minimieren. Dies ist vom Grundsatz her positiv, eine rechtliche Bindung hat dieser Beschluss jedoch nicht.  

Der BDE hatte sich bezüglich der Fremdstoffgehalte in der Biotonne bereits im Jahr 2016 positioniert und einen Formulierungsvorschlag für Verträge zur sortenreinen Erfassung und hochwertigen Verwertung von Bio- und Grüngut erarbeitet. Kurth: "Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion halten wir es für dringend geboten, die zur Verbesserung der Sammelqualität notwendigen Maßnahmen zwischen den Akteuren abzustimmen."

(Quelle: UM.bw/BAM/HIN)