Treibhausgas-Emissionen reduzieren

Erstellt: Freitag, 13. April 2018

(joER). Die Treibhausgas-Emissionen in Baden-Württemberg sind laut einer ersten Schätzung des Statistischen Landesamts 2016 das zweite Jahr in Folge gestiegen.Langfristig betrachtet haben die Treibhausgasemissionen (Kohlendioxid, Methan und Lachgas) abgenommen, gegenüber dem Referenzjahr 1990 um 12 % (10,7 Mill. Tonnen CO2-Äquivalente). Um die Treibhausgas (THG)-Minderungsziele der Landesregierung bis 2020 zu erreichen (‑25 % gegenüber 1990), müssten noch weitere 11,6 Mill. Tonnen CO2-Äquivalente gegenüber 2016 reduziert werden.  

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: "Die Klimabilanz 2017 zeigt ein gemischtes Bild. Beim Ausbau der erneuerbaren Energien haben wir bereits viel erreicht. Hier werden wir mit neuen Sonderausschreibungen weitere große Schritte machen. Im Verkehrsbereich geht die Entwicklung leider immer noch in die falsche Richtung. Für Klimaschutz und saubere Luft brauchen wir eine grundlegende Verkehrswende. Das muss ein Schwerpunkt in dieser Legislaturperiode werden. Wir werden in diesem Jahr erstmals ein Klimaschutzgesetz vorbereiten und 2019 verabschieden. Damit werden wir sicherstellen, dass wir das 2030-Ziel zuverlässig und verbindlich erreichen." 

"Der Klimawandel ist die größte Herausforderung der nächsten Jahrzehnte und wird uns, wenn wir jetzt nicht energisch gegensteuern, in sehr vielen Bereichen empfindlich treffen - von steigenden Versicherungsprämien über überhitzte Städte und massive Ernteausfälle bis hin zu Migrationsbewegungen", so Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, "doch bisher geht es in Baden-Württemberg nur auf dem Papier voran".

Es sei an der Zeit, dass die Landesregierung den Klimaschutz stärker vorantreibe. Dazu gehöre ein Fahrplan für Kohleausstieg, Wärmepläne in allen Kommunen, Photovoltaik auf allen Landesimmobilien, fährt Pilarsky-Grosch fort, und "wenn dies irgendwie möglich ist, CO2-neutrale Neubauten ab 2020, CO2-freie Mobilität und ein wirkungsvoller CO2-Preis. Für die letzten beiden Punkte muss sich die Landesregierung im Bundesrat starkmachen".

Franz Untersteller, Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg: "Die Energiewende ist mehr als der Ausbau der Erneuerbaren. Auch Energieeffizienz, Energie sparen und die Optimierung des Energieverbrauchs spielen eine bedeutende Rolle auf dem Weg in die neue Energiewelt. Controlling, Betriebsoptimierung und verbessertes Nutzerverhalten sind dabei die entscheidenden Stellschrauben, die die kommunalen Energiemanager in ihrer täglichen Arbeit maßgeblich beeinflussen."

Energiemanagement sei eine Daueraufgabe, die ohne den engagierten Einsatz der kommunalen Akteure nicht gestemmt werden könne. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Landesamtes wurden in Baden-Württemberg im Jahr 2016 insgesamt 78,4 Millionen (Mill.) Tonnen CO2-Äquivalente emittiert und damit 2,4 % mehr als 2015. Dies ist der zweite Anstieg in Folge.

Verkehr: Präsidentin DES Umweltbundesamtes (UBA), Maria Krautzberger: "Es ist falsch, dass wir nur mit dem Diesel unsere Klimaziele erreichen können. Wir brauchen generell weniger und viel sparsamere Fahrzeuge, egal mit was diese angetrieben werden. Die derzeit von der EU-Kommission vorgeschlagenen CO2-Flottenzielwerte für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge für 2025 und 2030 sind nicht ausreichend. Hier müssen wir schnell nachsteuern, sonst werden wir die für 2030 gesteckten Klimaziele im Verkehr nicht erreichen." 

Mit rund 30 % machen die verkehrsbedingten Emissionen auch im Jahr 2016 den Großteil der Treibhausgasemissionen aus. Gegenüber dem Vorjahr sind die Emissionen des Verkehrs erneut gestiegen (+1,3 %). Der Anteil der CO2-Emissionen an den gesamten verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen liegt bei 99 %. Durch den Straßenverkehr werden wiederum 94 % der CO2-Emissionen des Verkehrssektors verursacht.

Bei den PKW konnten die spezifischen CO2-Emissionen dagegen um 27,3 % reduziert werden. Diese Senkung reicht jedoch nicht aus, um die jährlich steigenden Fahrleistungen und den dadurch bedingten absoluten Emissionsanstieg zu kompensieren. 2016 erreichten die Fahrleistungen des Straßenverkehrs rund 100 Milliarden Kilometer (+32,5 % gegenüber 1990).  

Während die Emissionen des PKW-Verkehrs nahezu unverändert blieben, hat der Güterverkehr 4 % mehr CO2-Emissionen gegenüber dem Vorjahr emittiert. In den Jahren zwischen 1990 und 2016 haben die Emissionen im Güterverkehr sogar um 58,6 % zugenommen. Demgegenüber sanken die Emissionen des Personenverkehrs (PKW, Busse, Krafträder) um 3 %. Seit 1990 sind die spezifischen CO2-Emissionen (Menge an CO2 pro gefahrenen Kilometer) des Güterverkehrs um 9,6 % gestiegen.

Kraftwerke: Der Ausstoß der Kraftwerke für die allgemeine Versorgung mit Strom und Wärme trug mit einem Anteil von 23,7 % (18,6 Mill. Tonnen CO2-Äquivalente) ebenfalls wesentlich zu den Gesamtemissionen bei. Gegenüber 2015 stiegen die Emissionen aus Kraftwerken der allgemeinen Versorgung um ca. 1 %.

Industrie/Feuerungen: Emissionen der Industrie entstehen bei chemischen Reaktionen bestimmter Produktionsprozesse (z.B. Herstellung von Hüttenaluminium, Zementklinker und Glas) und durch die Umwandlung fossiler Energieträger in Strom und Prozesswärme. Die energiebedingten Emissionen der Industrie sind im Vergleich zum Vorjahr um 10,2 % auf 10,2 Mill. Tonnen CO2-Äquivalente gestiegen. Diese Erhöhung ist vor allem auf die Sektoren Industriekraftwerke und Mineralölverarbeitung zurückzuführen. Eine gute Auftragslage in anderen Industriezweigen trug zur Erhöhung der prozessbedingten Emissionen (+2,4 %) bei.

Haushalte/GHD: Der Sektor Haushalte und Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und übrige Verbraucher (GHD) verursachte 2016 21,5 % der THG-Emissionen in Baden-Württemberg. Das entspricht witterungsbedingt einem Anstieg von 2 %.  Die landwirtschaftlichen Emissionen, die 5,9 % der THG-Emissionen des Jahres 2016 ausmachen, sind gegenüber 2015 nahezu konstant geblieben.  

Abfallwirtschaft und Abwasserbehandlung: Ein starker Rückgang der Treibhausgasemissionen (‑5,8 % gegenüber 2016 und ‑74,8 % gegenüber 1990) ist im Sektor Abfallwirtschaft und Abwasserbehandlung zu verzeichnen. Dieser hat mit 1,4 % den geringsten Anteil an den Treibhausgasemissionen.

Maßnahmen wie z.B. die Reduzierung und schließlich das vollständige Verbot der Ablagerung organischer Abfälle und die Effizienzsteigerung bei der Methanerfassung aus Deponien haben einen erheblichen Rückgang (-78 % gegenüber 1990) der Methanemissionen 2016 bewirkt, die 81,7 % der Emissionen dieses Sektors ausmachen.

Genauigkeit der Daten: Die Ergebnisse sind erste Detailschätzungen, also eine Prognose und keine finalen Zahlen. Sie leiten sich aus einem System von Modellrechnungen und Trendfortschreibungen der im Januar 2017 veröffentlichten detaillierten Treibhausgasemissionsberechnungen des Jahres 2016 ab. Zudem wurden erste für das Jahr 2017 veröffentlichte Überblicksangaben der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, amtliche Monatsstatistiken zum Energieverbrauch, Produktionsdaten von Industrieverbänden sowie zusätzliche Informationen (zum Beispiel Gradtagzahlen) verwendet.

Durch diesen Berechnungsansatz ist die Genauigkeit der Schätzung generell geringer als die der Detailberechnungen.  Für das Jahr 2017 ist die Schätzung mit höheren Unsicherheiten versehen als in den Vorjahren. Die im Jahr 2016 erfolgten Kraftwerksummeldungen zwischen dem Energie- und Industriebereich konnten in der aktuellen Berichterstattung aufgrund der vorläufigen Daten noch nicht adäquat berücksichtigt werden.

Deshalb wurde die Emission für die Industriefeuerungen im Jahr 2017 etwas höher angesetzt. Infolge der Witterung ist eigentlich von einer leichten Emissionsminderung bei den Haushalten auszugehen. Aufgrund der dort mitberücksichtigten statistischen Differenzen beim Erdgas ist diese Entwicklung jedoch nicht sichtbar.  Erste verifizierte Emissionsdaten für die emissionshandelspflichtigen Anlagen der Energiewirtschaft und Industrie werden wie immer jährlich am 1. April bekanntgegeben.

Im Jahr 2016 waren fast 51 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland dem Emissionshandelssektor zuzurechnen. Die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHst) im UBA veröffentlicht jährlich im Mai einen detaillierten Bericht zu diesen Daten. Die vollständigen offiziellen Inventardaten zu den Treibhausgasemissionen in Deutschland für das Jahr 2017 veröffentlicht das Umweltbundesamt zum 15. Januar 2019 mit der Übermittlung an die Europäische Kommission.

siehe auch: Klimaschutz ist wichtig

(Quelle: BUND.de/Estatis.bw/HIN)