Dauerregen und Hochwasser

Erstellt: Montag, 22. Januar 2018

(joER). Friederike, der schwere Orkan vom vergangenen Donnerstag, hatte Rastatt zwar glücklicherweise verschont. Dennoch führt der Dauerregen der vergangenen Tage in der Barockstadt zu kritischen Situationen und ab heute Abend, Montag, den 22.01.2018, werden die ökologische Flutungen im Polder Söllingen/Greffern (PSG) intensiviert. Der PSG wird vom Regierungspräsidium Karlsruhe betrieben. Die hohen Pegelstände des Rheins in Kehl-Kronenhof, mit für die nächsten Tage prognostizierten Abflüssen von über 2'200 Kubikmetern pro Sekunde, ermöglichen diese größeren Flutungen.

Der PSG wurde im Rahmen des Integrierten Rheinprogrammes (IRP) erstellt und im November 2005 seiner Bestimmung übergeben. Ein mehrstufiger Probebetrieb wurde 2007 und 2010 vorgenommen. Seither finden immer wieder ökologische Flutungen statt. Große Ökologische Flutungen wurden zuletzt in der Vegetationszeit im Juni 2016 durchgeführt.

Der Einsatz des Hochwasserrückhalteraumes zum Schutz der Unterlieger wird statistisch nur rund alle 30 Jahre oder seltener erforderlich. Finden in den Jahren dazwischen keine Flutungen statt, kann sich die für Auen und deren Lebensgemeinschaften charakteristische dynamische Stabilität nicht einstellen. Dies wird erst durch die regelmäßig in Abhängigkeit vom natürlichen Abflussgeschehen im Rhein durchzuführenden Ökologischen Flutungen gewährleistet.

Für größere Rheinwasserentnahmen sind die Polderbereiche abzusperren.  Die Bevölkerung wird gebeten, die nötigen Absperrungen auch zur eigenen Sicherheit zu respektieren und von Besuchen am Rhein abzusehen.

Größeren Flutungen sind notwendig, um die ökologischen Funktionen des Polders zu gewährleisten. Während der Flutungen müssen einige Straßen im Bereich von Lichtenau und Rheinmünster voraussichtlich bis Ende dieser Woche gesperrt werden. 

Betroffen von den Sperrungen sind die Kreisstraße K 3744 von Lichtenau-Grauelsbaum bis zur Landesstraße L 85, die Kreisstraße K 3758 von der Russenstraße bis Rheinmünster-Greffern, die Tullastraße in Rheinmünster und die Rheinseitenstraße in Lichtenau. Zudem werden die Wildrückzugsgebiete abgesperrt.

Der Schifferweg und die Kreisstraße K 3733 werden zu „Sackgassen“. Gegebenenfalls muss auch noch die K 3758 von der Staustufe Iffezheim bis zur Russenstraße gesperrt werden. Die Landesstraße L 85 zur Fähre Greffern bleibt zunächst befahrbar.

Die Schutzmaßnahmen des PSG sind bereits seit Tagen mit drei Schöpfwerken und der Anlage zur Grundwasserhaltung in Betrieb. Im abgesperrten Bereich rechnet das Regierungspräsidium Karlsruhe mit „Ausuferungen“ von Gewässern und flächigeren Überflutungen. Einige Hochlagen können jedoch wasserfrei bleiben. 

Dennoch führt der Dauerregen der vergangenen Tage auch in der Barockstadt zu kritischen Situationen. So gefährden aufgeweichte Böden im Wald und auf den Grünflächen die Standfestigkeit der Bäume. Spaziergänger sollten daher in den nächsten Tagen nur bei Windstille und unter größter Vorsicht im Wald und in den städtischen Grünanlagen unterwegs sein. 

Wegen Hochwassergefahr gar nicht betreten sollten Spaziergänger zurzeit die Dämme am Rhein. Der Fährverkehr von und nach Frankreich ist längst eingestellt und die Fährstraße gesperrt. Für Dienstagabend, 23. Januar, ist bei Plittersdorf ein Pegel-Höchststand des Rheins von 7,50 bis 7,60 Meter vorhergesagt; das wären gut 20 Zentimeter mehr als beim Hochwasser Anfang Januar.

Da diese Erhöhung jedoch nur kurzzeitig Bestand haben und der Rhein ab Mittwoch laut Vorhersage wieder deutlich abfallen soll, besteht nach Einschätzung des städtischen Bereitschaftsdienstes kein Anlass zur Sorge. Der Bereitschaftsdienst hat alle Vorkehrungen zur Hochwasser-Abwehr getroffen und nimmt am Montagabend, 22. Januar, seinen Dienst auf.

Regelmäßig kontrolliert werden die Rheindämme von Mitarbeitern der Feuerwehren Plittersdorf und Wintersdorf - die Situation an der Murg ist deutlich entspannter. Für Montagabend, 22. Januar, ist ein Pegel-Höchststand von 2,80 Meter vorhergesagt, Anfang Januar waren hier noch 4,30 Meter anzutreffen. Trotzdem bittet die Stadt Rastatt um Vorsicht beim Begehen der Murgdämme und des Murgvorlandes.

 

Das Umweltministerium stellte den Städten und Gemeinden im Land mit dem Förderprogramm „Wasserwirtschaft und Altlasten“ dieses Jahr rund 121 Millionen Euro aus Mitteln des Kommunalen Investitionsfonds bereit. „Der finanzielle Zuschuss ermöglicht es den Kommunen, ihre Wasserversorgung zu modernisieren, den Schutz der Bürgerinnen und Bürger vor einem Hochwasser weiter zu erhöhen sowie die Qualität der Flüsse, Seen und des Bodens in Baden-Württemberg dauerhaft zu verbessern“, erklärte Umweltminister Franz Untersteller.

Fast 50 Millionen Euro stehen bereit, damit Kommunen ihr Abwasser künftig moderner und umweltschonender beseitigen können. „Rund 5,4 Millionen Euro hiervon haben wir für die Gemeinde Braunsbach im Landkreis Schwäbisch Hall eingeplant, damit sie die Schäden beseitigen kann, die das verheerende Unwetter im Frühsommer 2016 der Kanalisation des Ortes zugefügt hat“, sagte der Umweltminister.

der Kommunen im Bereich Wasserbau und Gewässerökologie unterstützt das Land mit 40 Millionen Euro.

Für die Sanierung kommunaler Altlasten sind Fördermittel in Höhe von fast acht Millionen Euro eingeplant. Welche größeren Maßnahmen gefördert werden sollen, wird von einem Verteilungsausschuss Mitte des Jahres bewertet und entschieden. Bei den genannten Maßnahmen des Förderprogramms „Wasserwirtschaft und Altlasten 2017“ handelt es sich um von den Kommunen beabsichtigte, aber noch nicht bewilligte Maßnahmen. Die endgültige Förderung der einzelnen Maßnahmen erfolgt durch separate Bewilligungsbescheide.

siehe auchÜberschwemmungen

(Quelle: RPK/StVwRA/HIN)