Tag des Bodens

Erstellt: Dienstag, 05. Dezember 2017

(Hero). In Baden-Württemberg nimmt die Bautätigkeit, insbesondere für Siedlungs- und Verkehrsmaßnahmen, aktuell Tag für Tag noch rund 3,5 Hektar natürliche Böden in Anspruch und zerstört diese damit weitgehend. Deswegen braucht es dringend einen sparsameren Umgang mit der endlichen Ressource Boden.  "Zum Schutz der lebensnotwendigen Ressource Boden muss der Grundsatz der Innenentwicklung konsequent umgesetzt werden", sagte Umweltminister Franz Untersteller anlässlich des "Internationalen Tag des Bodens" am 5. Dezember.

Landgrabbing ("Grabschen nach Land") behindert die Entwicklung des ökologischen Landbaus in Deutschland und vernichtet bäuerliche Existenzen in allen Regionen der Welt. In unserer Vorstellung wird der Boden immer da sein und uns mit seiner Fruchtbarkeit nähren. Durch diese Sorglosigkeit wird all zu oft eine überragende Bedeutung für unser Leben vergessen: Denn nur zwölf Prozent der Erdoberfläche besitzen einen Boden, mit dem die Menschheit ernährt werden kann. Und dieser Anteil wird ständig kleiner.  

Durch den scheinbar unaufhaltsamen Anstieg der Weltbevölkerung und die fortschreitende wirtschaftliche Entwicklung in fast allen Regionen der Erde ist die "Ressource Boden" zu einer globalen Ware geworden, die um des schnellen Gewinnes wegen ausgebeutet und langfristig geschädigt wird. Und immer öfter wird er sogar ganz vernichtet. Um der Weltöffentlichkeit den Wert und die Bedeutung der Böden unserer Erde vor Augen zu halten, wurde 2002 der Weltbodentag (World Soil Day) von der Internationalen Bodenkundlichen Union (IUSS) ins Leben gerufen. Seitdem wird er jährlich am 5. Dezember international begangen. Ziel ist es, ein ständiges Zeichen für die Bedeutung der natürlichen Ressource Boden zu setzen und für den Bodenschutz zu werben.

Auch in Baden-Württemberg nimmt die Bautätigkeit, insbesondere für Siedlungs- und Verkehrsmaßnahmen, aktuell Tag für Tag noch rund 35'000 Quadratmeter (3,5 Hektar) natürliche Böden in Anspruch und zerstört diese damit weitgehend. "Um das von der Landesregierung gesteckte Ziel der Netto-Null beim Flächenverbrauch zu erreichen, brauchen wir dringend einen sparsameren Umgang mit der endlichen Ressource Boden", so Umweltminister Franz Untersteller. Wir müssen daher konsequent alle Möglichkeiten zum Flächensparen nutzen und insbesondere den Grundsatz der Innenentwicklung ernst nehmen."  

Intakte Böden nutzten der Gesellschaft in vielerlei Hinsicht, sagte der Minister weiter: "Der Boden ist nach den Meeren der zweitgrößte Speicher für das Treibhausgas Kohlendioxid. Außerdem spielen intakte Böden eine zentrale Rolle im Natur- und Wasserhaushalt, zum Beispiel beim Schutz vor Hochwasser oder bei der Neubildung von sauberem Grund- und Trinkwasser."

Auch für eine sichere Produktion gesunder Nahrungsmittel sei ein guter Boden unerlässlich. Der Flächenverbrauch und die Zerschneidung der Landschaft vernichteten zudem Lebensräume für Tiere und Arten. "Diese vielfältigen Funktionen der Böden gehen unwiederbringlich verloren, wenn sie abgegraben, überbaut und versiegelt werden", betonte der Umweltminister.

"Schließlich dauert es mehr als 200 Jahre, bis sich 1 Zentimeter Boden neu bildet."  Um die Inanspruchnahme unbebauter Flächen im Außenbereich zu begrenzen, unterstützt das Umweltministerium das "Flächenrecycling" von Städten und Gemeinden. "Damit ermöglichen wir es den Kommunen, ihre mit Altlasten kontaminierten Flächen im Innenbereich wieder sinnvoll nutzen zu können", betonte Franz Untersteller. "Dieses Jahr haben wir Städten und Gemeinden hierfür Fördermittel in Höhe von fast acht Millionen Euro zur Verfügung gestellt." 

Den Weltbodentag kommentiert der Vorsitzende des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein:

"Unser Boden ist der hauchdünne Mantel unseres Planeten und die Grundlage für unser Leben. Erosion und Versalzung machen Böden weltweit unfruchtbar. Auch chemisch-synthetische Stoffe in Pestiziden und Düngemitteln sowie zu hohe Gewichte landwirtschaftlicher Maschinen beeinträchtigen den belebten Boden und damit die Basis für unsere Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion.

Mit regenerativer Landwirtschaft kann Humus im Boden aufgebaut und damit überschüssiger Kohlenstoff aus der Luft gespeichert werden. Die Agrarpolitik muss endlich etwas dafür tun, dass eine solche Landwirtschaft zum Standard wird. Bio-Bauern verwenden keine chemisch-synthetische Pestizide und sie gestalten reichhaltige Fruchtfolgen. Mit dieser ökologischen Bewirtschaftung schaffen Bio-Bauern, dass mehr Humus aufgebaut wird. So wird der Boden fruchtbarer und speichert mehr klimaschädliches CO2, weil das der Grundbaustein für Humus ist.

Das bedeutet effektiven Klimaschutz sowie stabilere Erträge für die Bauern.  Trotzdem können viele Bio-Betriebe ebenso wie konventionelle Bauern noch deutlich mehr tun, um zu Klimarettern zu werden. Die EU ebenso wie Bund und Länder müssen deshalb humus-aufbauende ‚Regenerative Landwirtschaft‘ zu einem Schwerpunkt von Agrar- und Klimapolitik machen." 

Derzeit besteht in der EU kein gesetzliches Regelwerk für eine verbindliche und einheitliche Bodenschutzstrategie. Der Gesetzesvorschlag einer Bodenrahmenrichtlinie ist im Jahr 2014 zurückgezogen worden, aufgrund einer sogenannten Sperrminorität verschiedener EU-Mitgliedsstaaten – darunter auch Deutschland. Bestehende EU-Regelungen in anderen Bereichen des Bodenschutzes reichen nicht aus, um ein angemessenes Schutzniveau für alle Böden in Europa zu gewährleisten.

Der BÖLW setzt sich für die Einführung spezifischer Rechtsvorschriften zum Schutz der Böden in Europa ein. Der Ökologische Landbau wurde vor fast 100 Jahren begründet, um die Fruchtbarkeit der land-wirtschaftlichen Böden zu erhalten. Bio-Bauern schützen Böden besonders gut mit vielfältigen Fruchtfolgen. Im Ökolandbau werden keine chemisch-synthetischen Substanzen in Spritz- und Düngemitteln eingesetzt, die das Bodenleben negativ beeinträchtigen.

(Quelle: UM.bw/HIN)