Tierschutzpreis ausgeschrieben

Erstellt: Freitag, 15. Februar 2019

(Hero). Mit dem diesjährigen Tierschutzpreis des Landes sollen wieder herausragende und nachhaltige Leistungen im Bereich des Tierschutzes gewürdigt werden. Gleichzeitig soll der Preis andere motivieren, sich auf diesem Gebiet einzubringen. In Baden-Württemberg gibt es zahlreiche engagierte Menschen und Organisationen, die sich vorbildlich für das Wohl der Tiere einsetzen und unseren Dank und unsere Anerkennung verdienen. Bewerbungen sind bis zum 17. Mai 2019 möglich.

"Wir wollen besonders herausragende und nachhaltige Leistungen auf diesem Gebiet würdigen und schreiben 2019 erneut den Tierschutzpreis des Landes aus", sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, anlässlich der Ausschreibung des Tierschutzpreises 2019. Bewerbungen können bis zum 17. Mai 2019 beim Ministerium eingereicht werden.

Die öffentliche Würdigung engagierter Tierschützerinnen und Tierschützer solle auch Motivation und Anreiz für andere sein, sich auf diesem Gebiet einzubringen. "Mein Ziel ist es, den Tierschutz in Baden-Württemberg nachhaltig voranzubringen", erklärte Hauk. Tierschutz sei zudem ein wichtiges Thema für die positive Weiterentwicklung der heimischen Landwirtschaft. "Der aktive Tierschutz ist nicht nur eine Aufgabe der Landesregierung, sondern jedes Einzelnen. Wir alle tragen Verantwortung für den Schutz des Lebens und Wohlbefindens unserer Mitgeschöpfe und können dies durch unser Handeln gegenüber Tieren zum Ausdruck bringen", so der Minister. 

Das klingt bei günstigster Betrachtungsweise wie Hohn, wenn man bedenkt, dass Baden-Württemberg das führende Bundesland in rückschrittlicher Forschung ist: Im Bundesländervergleich ist Baden-Württemberg seit Jahren Spitzenreiter in der Negativ-Rangliste zu Tierversuchen. Das geht aus der aktuellen Auswertung der "Ärzte gegen Tierversuche e.V." hervor, die der Verein basierend auf Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums seit Jahren führt. In seiner Deutschlandübersicht zeigt er, welcher Anteil der Tierversuche auf das Konto der jeweiligen Bundesländer geht.

Baden-Württemberg führt die Negativ-Rangliste zu Tierversuchen an

In Deutschland können Tierversuche mit schwerstem Leid standardmäßig durchgeführt werden, obwohl die EU ein grundsätzliches Verbot solcher Versuche vorsieht, das nur in absoluten Ausnahmefällen durchbrochen werden darf. Die bundesweiten Vereine Ärzte gegen Tierversuche, Bund gegen Missbrauch der Tiere und TASSO haben die EU-Kommission aufgefordert, diesen schwerwiegenden Verstoß in Deutschland nicht zuzulassen und stützen sich auf juristische Expertengutachten.

"Es ist ein Armutszeugnis, dass in einem Land, in dem der Tierschutz im Grundgesetz verankert ist, der Tierversuchslobby in die Hand gespielt wird und es nicht einmal eine Obergrenze für das Leid gibt, das Tieren im Versuch zugefügt werden darf", so Dipl.-Biol. Torsten Schmidt, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bund gegen Missbrauch der Tiere. 

"Die EU-Tierversuchsrichtlinie verbietet grundsätzlich Tierversuche mit voraussichtlich langanhaltenden schweren Leiden, Schmerzen oder Ängsten, die nicht gelindert werden können und will damit eine Schmerz-Leidens-Obergrenze festlegen. Wenn überhaupt, dürfen solche Versuche nur unter Vorbehalt und unter ganz strengen Auflagen genehmigt werden", erläutert Dipl.-Biol. Silke Strittmatter, Sprecherin der Ärzte gegen Tierversuche. In Deutschland jedoch seien solch schwerstbelastende Tierversuche standardmäßig zugelassen. "Sie müssen lediglich wissenschaftlich begründet werden, was sowieso für jeden Tierversuch gilt."

Im Jahr 2017 mussten mehr als 2,8 Millionen Tiere in deutschen Laboren leiden und sterben. Den mit 484.086 Tieren bzw. 17,24 Prozent größten Anteil der in Deutschland verforschten Tiere hat das Land Baden-Württemberg zu verantworten. Damit nimmt das Land seit Jahren die führende Rolle in rückschrittlicher Forschung ein. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Tiere um rund 3.000 Tiere gestiegen. Unter anderem finden in Tübingen an mehreren Instituten Hirnversuche an Affen statt.

2017 stellte das Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik (MPI) als Folge jahrelanger Proteste die Affenhirnversuche ein. Die Staatsanwaltschaft hatte aufgrund der dokumentierten Tierquälerei Klage erhoben, die jedoch kurz vor Prozessbeginn aufgrund eines "Gefälligkeitsgutachtens" im Dezember vom Tisch gefegt wurde. Derzeit ist am MPI mit dem Neubau einer großen Nagetiereinrichtung die Ausweitung der tierexperimentellen Forschung geplant. In Freiburg entsteht mit dem IMITATE (Institut für Krankheitsmodelle und gezielte Therapie) an der Universität Freiburg bis 2021 eine weitere Tierversuchseinrichtung mit Käfigen für 10.000 Mäuse.  

Tierschutzpreis Baden-Württemberg

Der Tierschutzpreis Baden-Württemberg wird alle zwei Jahre ausgeschrieben und ist mit 7.500 Euro dotiert. Der Preis ist teilbar. Es werden herausragende, nachhaltige Leistungen von Bürgerinnen und Bürgern und beispielhafte, innovative Projekte auf folgenden Gebieten gewürdigt:      

Besonders tiergerechte Haltung von Tieren

Ehrenamtliches Engagement beim Schutz von Tieren

Öffentlichkeitsarbeit im Tierschutz

Tierschutzgerechte Ausbildung oder Beschäftigung von Tieren

Besonderes tierschützerisches Engagement im pädagogischen Bereich  

Vorschläge und Bewerbungen mit Begründung, warum dieser Vorschlag den Tierschutzpreis Baden-Württemberg verdient hat und preiswürdig ist, können mit der Postanschrift der vorgeschlagenen Person/en oder Organisation/en bis zum 17. Mai 2019 beim Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Postfach 10 34 44, 70029 Stuttgart oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! eingereicht werden.  

Vorgeschlagen werden können nur Personen und Organisationen, die ihre Tätigkeit innerhalb von Baden-Württemberg ausüben. Eine Arbeitsgruppe des Landesbeirates für Tierschutz prüft und bewertet die Vorschläge und Bewerbungen und schlägt dem Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz mögliche Preisträgerinnen und Preisträger vor. Die Preisverleihung wird voraussichtlich im Herbst dieses Jahres stattfinden.

(Quelle: TASSO/MLR.bw/Ärzte gegen Tierversuche/HIN)