Zweiter Wolf im Nordschwarzwald?

Erstellt: Mittwoch, 12. Dezember 2018

(joER). Die Untersuchung einer Kotprobe durch das Senckenberg-Institut hat ergeben, dass sich vor gut zwei Monaten ein zweiter Wolf im Nordschwarzwald aufgehalten hat. Das Geschlecht und die Rudelzugehörigkeit des Wolfes sind noch unklar.  Das Senckenberg-Institut hat das Ergebnis der Untersuchung einer Kotprobe bekannt gegeben, die am 30. September in Forbach gefunden wurde. Demnach hat sich zumindest vor gut zwei Monaten ein zweiter Wolf neben dem schon bekannten Tier mit der offiziellen Bezeichnung GW852m im Nordschwarzwald aufgehalten.

Der nun analysierte Haplotyp (HW01) wurde in Baden-Württemberg bislang noch nicht nachgewiesen. Ob es sich bei dem jetzt nachgewiesenen Wolf um ein durchziehendes Tier handelt oder ob es sich noch in der Region aufhält, ist nicht bekannt. Geschlecht und Rudelzugehörigkeit des Wolfes sind ebenfalls unklar, derzeit versucht das Senckenberg-Institut, diese Punkte noch zu klären.

Um weitere Erkenntnisse zu erhalten, hat die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA) weitere Losungsproben zur Untersuchung an das Senckenberg-Institut eingeschickt. Bis Ergebnisse hierzu vorliegen, können mehrere Wochen vergehen.  Die FVA hat die örtlichen Wildtierbeauftragten über den Sachverhalt informiert und um vermehrte Aufmerksamkeit bezüglich weiterer Beobachtungen gebeten.

Aktuell sind in Deutschland 73 Wolfsrudel bestätigt. Das geht aus neuen Erhebungen der Bundesländer hervor, die durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) zusammengeführt wurden. Damit ist die Zahl der in den Bundesländern bestätigten Rudel des Monitoringjahres 2017/2018 in Deutschland im Vergleich zum 22. November 2017 um 13 gestiegen. Zusätzlich ist die Zahl der Wolfspaare von 21 auf 30 angestiegen. Außerdem wurden drei sesshafte Einzelwölfe bestätigt.

"Die weiterhin positive Entwicklung der Wolfspopulation in Deutschland steht im starken Kontrast zum weltweit dramatischen Verlust der biologischen Vielfalt. Dieser Erfolg zeigt uns, dass Arten von einem strengen Schutz profitieren", sagt BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. Der Wolf ist nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union streng geschützt. "Durch das Monitoring konnte allerdings nicht nur ein Anstieg der Rudel nachgewiesen werden, auch die Zahl der Totfunde hat zugenommen", berichtet sie. "Nach Verkehrsunfällen ist die illegale Tötung die zweithäufigste Todesursache und stellt somit ein ernst zunehmendes Problem dar."

Das Wolfsmonitoring ist für Deutschland einzigartig: Kaum ein anderes wild lebendes Tier wird in seinem Bestand ähnlich präzise erfasst und beobachtet. Dafür werden nur eindeutige Wolfsnachweise als Grundlage genommen, wie etwa durch Lebendfang, einen genetischen Nachweis (auch aus Kotproben), Fotos aus Fotofallen oder von Totfunden. Die Daten, die das Bundesamt für Naturschutz jährlich im Herbst veröffentlicht, werden von den Bundesländern nach einheitlichen Standards jeweils für ein Monitoringjahr erhoben.

Dieses erstreckt sich vom 1. Mai bis zum 30. April des darauffolgenden Jahres und deckt sich zeitlich mit einem biologischen "Wolfsjahr", von der Geburt der Welpen bis zum Ende des ersten Lebensjahres. Die Daten werden anschließend jeweils noch überprüft und durch das BfN und die DBBW bundesweit im Rahmen des Treffens der im Monitoring erfahrenen Personen von Bund und Ländern zusammengeführt. "Die enge Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Institutionen und Behörden ermöglicht uns diese guten Kenntnisse zum aktuellen Vorkommen und zur Verbreitung der Wölfe in Deutschland", so die BfN-Präsidentin.

Das Wolfsmonitoring und -management liegt in der Verantwortung der Bundesländer und das BfN unterstützt diese zusammen mit der DBBW durch wissenschaftlich fundierte Beiträge und Handlungsempfehlungen. So wurde im Juli 2018 ein mit den Ländern abgestimmtes Konzept der DBBW zum Umgang mit Wölfen, die sich Menschen gegenüber auffällig verhalten, veröffentlicht. Die Empfehlungen sollen den für das Wolfsmanagement zuständigen Behörden in den Ländern helfen, das Verhalten der Wölfe besser zu beurteilen.

"Insbesondere die extensive Beweidung leistet einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der unserer Kulturlandschaften und ihrer biologischen Vielfalt. Deshalb müssen Bund und Länder gemeinsam Weidetierhalterinnen und -halter beim konsequenten Schutz ihrer Tiere vor dem Wolf unterstützen und fördern. In Gebieten mit Wolfsvorkommen wie auch in Wolfserwartungsgebieten sind hinreichende Schutzmaßnahmen für Weidetiere unverzichtbar. Die fachliche Grundlage dafür liefern unsere mit der DBBW erstellten Empfehlungen zu Herdenschutzmaßnahmen für Weidetiere", so die BfN-Präsidentin.

Zur Unterstützung der Weidetierhalterinnen und -halter hat die Europäische Kommission zudem am 8. November 2018 entschieden, dass Herdenschutzmaßnahmen zur Vermeidung von Übergriffen durch Wölfe auf Weidetiere zu 100 Prozent durch die Mitgliedstaaten finanziert werden können, ohne dass dies als unzulässige Beihilfe gilt. Bislang konnten nur 80 Prozent der Kosten von Herdenschutzmaßnahmen durch die Bundesländer erstattet werden. Künftig können sowohl Schäden, die infolge eines Wolfsrisses auftreten, erstattet werden, als auch indirekte Schäden, etwa für veterinärmedizinische Behandlungskosten. Auch hier waren zuvor nur 80 Prozent staatliche Erstattung zulässig. Diese Entscheidung der EU-Kommission ist nach intensiven Bemühungen des Bundesumweltministeriums unter Beteiligung der Länder gefallen. Beide Maßnahmen sind wertvolle Hilfen bei der Verbesserung der Situation der Nutztierhalter.

NACHTRAG | 21.12.2018 ♣

Im Nordschwarzwald gibt es wohl doch keinen zweiten Wolf. Wie das Umweltministerium am 21.12.2018 mitteilte, hat darüber nun das Senckenberg-Institut informiert. Demnach haben die Experten dem Ministerium am 10. Dezember ein falsches Ergebnis der genetischen Untersuchung einer Kotprobe vom 30. September aus Forbach mitgeteilt. Tatsächlich stammt die Losung von dem schon länger bekannten im Nordschwarzwald sesshaften Wolf mit dem Kürzel GW852m.

Grund für den Irrtum ist laut Ministerium eine falsche Eingabe in eine Datenbank. Das Senckenberg-Institut habe den Fehler bemerkt, nachdem es die am 30. September in Forbach gefundene Losungsprobe weitergehend untersucht habe. Zudem habe sich bei der Analyse weiterer, von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA) an das Institut eingeschickter Proben gezeigt, dass diese alle dem im Nordschwarzwald sesshaften Wolf GW852m zuzuordnen waren. Es gab somit keine Hinweise auf ein zweites Tier.

Die DBBW wird von einem Konsortium aus mehreren wissenschaftlichen Institutionen getragen: Unter der Führung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) arbeiten darin das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz (SMNG), das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland, das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin (IZW) und das Senckenberg Forschungsinstitut, Standort Gelnhausen. Das Bundesamt für Naturschutz betreut die DBBW fachlich und finanziert deren Arbeit mit Mitteln des Bundesumweltministeriums.

siehe auch: Nachweise von Wölfen

(Quelle: DBBW/HIN)