Vogelschutzgebiet Aarbruch

Erstellt: Montag, 15. Oktober 2018

Bühl (proh). Zum Schutz seltener Vogelarten werden in den nächsten Tagen im Auftrag des Regierungspräsidiums Karlsruhe (RPK) Landschaftspflegearbeiten im Vogelschutzgebiet Aarbruch bei Bühl durchgeführt. Im Aarbruch brüteten einst in hoher Zahl Wiesenbrüter, wie der Kiebitz oder der Große Brachvogel. Das sind Vogelarten, die in weiten, offenen Wiesengebieten auf dem Boden ihre Nester anlegen. Zu ihrem Schutz wurde das Vogelschutzgebiet Acher-Niederung ausgewiesen.

Im südlichen Landkreis Rastatt brüten aktuell noch vier bis fünf Paare des Großen Brachvogels. Alle Brutplätze sind als Vogelschutzgebiet geschützt und gehören zum europäischen Naturschutznetz Natura 2000. Es sind die einzig verbliebenen Brachvogel-Brutplätze im Regierungsbezirk Karlsruhe, den der Brachvogel ehemals von der Nord- bis zur Südgrenze besiedelt hat.

Der Aarbruch ist einer der wenigen verbliebenen Rückzugs- und Lebensräume für Brachvogel und weitere Wiesenbrüter, wie beispielsweise den Kiebitz. Auch diese Art musste in den letzten Jahren dramatische Bestandseinbußen hinnehmen und kommt heute ebenfalls nur noch in wenigen Gebieten im Landkreis Rastatt vor.

Um den Aarbruch für Wiesenbrüter wieder attraktiver zu gestalten, hat das RPK  bereits letztes Jahr erste Maßnahmen umgesetzt. Nach Abstimmung mit der Stadt Bühl und der Gemeinde Rheinmünster hat das RPK Maßnahmen geplant: ein ortsansässiger Landschaftspflegebetrieb führt in den kommenden Tagen eine Heckenpflege entlang des Baches durch und legt eine sogenannte Flutmulde an.

Mulden, in denen nach größeren Regenperioden im Frühjahr längere Zeit das Wasser steht, erleichtern Wiesenbrütern die Nahrungssuche und bieten auch vielen Zugvögeln einen wichtigen Rast- und Nahrungsraum. Die Maßnahmen werden im RPK von Lena Zech, Referat Naturschutz und Landschaftspflege, koordiniert. Dr. Martin Boschert, Büro Bioplan Bühl und die Pflegemanagerin Cornelia Kropp begleiten die Arbeiten vor Ort, die Ausführung der Arbeiten übernimmt ein ortsansässiger Landschaftspflegebetrieb.

Sowohl Großer Brachvogel als auch Kiebitz benötigen einen offenen Lebensraum ohne Sichthindernisse. Flächen mit Gebüschen und Gehölzreihen meiden sie. Flache, vernässte Mulden sind für diese Vogelarten wichtig zur Nahrungssuche. Geeignete Maßnahmen zum Schutz der Wiesenbrüter wurden vom Regierungspräsidium Karlsruhe in einem Managementplan für das Natura 2000-Gebiet "Acher-Niederung" ausgearbeitet.

Im Zuge zunehmender Intensivierung der Landwirtschaft gingen immer mehr der feuchten Wiesenflächen, die der WeissStorch als Nahrungsgrundlage benötigt, verloren, und der Storch verschwand aus unserer Region. Als die Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege im Jahre 1990 Flächen für die Wiederansiedlung des Weißstorches suchte, bot sich eine Fläche in Bühl besonders an: der Aarbruch in Bühl-Moos.  

Das noch nahezu unversehrt vorhandene Bewässerungssystem der ehemaligen Wässerwiesen, einige noch vorhandene Feuchtwiesen und das Entwicklungspotenzial um den Aarbruch herum gaben den Ausschlag, die Wiederansiedlung in Moos zu versuchen. Für die Fremden ist es immer noch etwas Besonderes, wenn sie das Storchenpaar und den Nachwuchs auf den Feldern um Moos herumstolzieren sehen, für die Mooser sind es schlicht "unsere Störche", die zum Dorfleben einfach dazugehören.  

Doch auch rund zwanzig Jahre nach seiner Auswilderung ist die Nahrungsgrundlage des Storches noch verbesserungswürdig. Jahr für Jahr arbeiten wir darauf hin, durch Kauf und Extensivierung landwirtschaftlicher Nutzflächen die Wiesenflächen zu erreichen, die eine Storchenfamilie dauerhaft als Nahrungsfläche benötigt. Bei Fragen können Sie sich an Susanne Panther, Telefon 07223/935-326 wenden.

Biotopschutz und Landschaftspflege

Biotopschutz- und spezielle Artenschutzmaßnahmen werden auf ökologisch besonders wertvolle Bereiche und förderungsbedürftige Tier- und Pflanzenarten durch das "Förderprogramm Biotopschutz und Landschaftspflege der Stadt Bühl" konzentriert. Gleichzeitig wird der Landschaftspflege (Offenhaltung) in der Vorbergzone durch Förderung der Weidehaltung ein besonderes Augenmerk geschenkt.  

Folgende Maßnahmen können gefördert werden:

extensive Wiesennutzung | Ansprechpartner: Werner Jansen, Telefon 935-321

Rückführung von Ackerland in Grünland | Ansprechpartner: Werner Jansen, Telefon 935-321

Ackerrandstreifen | Ansprechpartner: Werner Jansen, Telefon 935-321

Streuobstbäume im Steinkauzgebiet | Ansprechpartner: Joachim Doll, Telefon 935-324

Weidehaltung in der Vorbergzone | Ansprechpartner: Beate Link, Telefon 935-322  

Gravierend für die Natur ist, dass immer mehr landwirtschaftlich unrentable Flächen aufgegeben werden.  Diese Flächen – es handelt sich dabei vor allem um feuchte Flächen in der Ebene und Kleinstgrundstücke an den Hängen in der Vorbergzone – verlieren durch eine komplette Nutzungsaufgabe und damit langfristige Verbuschung ihren heute sehr hohen Wert für die Natur. Durch den Abschluss von Pflegeverträgen mit Landwirten, die Pflege von Flächen und Trockenmauern mit Vereinen und die Unterstützung von Beweidungsprojekten versuchen wir, dazu beizutragen, den ökologischen Wert dieser Flächen zu erhalten.

(Quelle: RPK/HIN)