Weltkatzentag

Erstellt: Mittwoch, 08. August 2018

Bildquelle © Hardt IN(proh). Zur Unterstützung der Gemeinden in Baden-Württemberg hat die Stabsstelle der Landesbeauftragten für Tierschutz einen aktualisierten Vorschlag für eine kommunale Katzenschutzverordnung vorgelegt. Während am heutigen Weltkatzentag tausende glückliche Tierhalter Fotos und Videos von ihren Lieblingen in sozialen Netzwerken posten, leiden gleichzeitig viele freilebende Streunerkatzen, die auf sich allein gestellt sind. "Das ursprüngliche Ziel des Weltkatzentages ist auf das Leid der Streunerkatzen aufmerksam zu machen", betont die Landesbeauftragte für Tierschutz, Julia Stubenbord.

Die Hauskatze ist das beliebteste Haustier der Deutschen. Bis zu 14 Millionen Tiere sollen in unseren Haushalten leben. Dagegen sieht die Situation ihrer wilden Brüder und Schwestern deutlich schlechter aus. Wilde Katzen gibt es nicht nur in Afrika oder Asien, sondern auch hierzulande: die Europäische Wildkatze, die stark gefährdet ist. Mit dem Projekt Rettungsnetz Wildkatze engagiert sich der BUND Baden-Württemberg für den Schutz der scheuen Jägerin in unseren Wäldern, die noch vor 100 Jahren als beinahe ausgerottet galt.

Allein in Deutschland leben Schätzungen zufolge etwa zwei Millionen Katzen auf der Straße. Sie sind oft weder geimpft noch kastriert und häufig krank und abgemagert. Verschlimmert wird ihr Leid durch die hohe Fortpflanzungsrate. Als domestizierte Haustiere sind Katzen auf die Versorgung durch den Mensch angewiesen. "Um das Katzenleid zu erkennen, muss man schon genau hinschauen. Freilebende Katzenpopulationen finden sich meist versteckt an Orten wie Campingplätze, Schrebergärten, Bauernhöfe und Firmengelände. Freilebende Streunerkatzen sind zudem meist scheu und nachtaktiv", sagt Stubenbord.

Mit der Novellierung des Tierschutzgesetzes im Jahr 2013 wurde eine Regelung eingeführt, die den Erlass von Verordnungen mit den Kernelementen Kennzeichnung, Registrierung und Kastration von Katzen ermöglicht. Die Landesregierung hat dieses Recht auf die Städte und Gemeinden des Landes übertragen. "Leider hat bis heute keine Gemeinde in Baden-Württemberg eine Katzenschutzverordnung umgesetzt. Zahlreiche Gemeinden, aber auch große Städte haben Katzenschutzverordnungen bereits erlassen", erläutert Stubenbord. 

Bislang haben zwar über 650 deutsche Städte und Gemeinden sogenannte Katzenschutzverordnungen erlassen, die überwiegende Mehrheit hat allerdings bislang noch keine solche Verordnung zur Kennzeichnung eingeführt. Dies fordert aber das vor zwei Jahren gegründete Expertennetzwerk "Kennzeichnung und Registrierung" (K&R), ein Arbeitskreis bestehend aus den Tierschutzbeauftragten der Länder sowie Experten aus den Bereichen der Tiermedizin, der Transpondertechnologie, der Haustierregister und des Tierschutzes. "Gemeinsam mit der Kastration der Katzen, die einen Halter haben und Freigang erhalten, ist dies das erfolgversprechendste Instrument im Kampf gegen das Katzenelend", sagt Dr. Hans-Friedrich Willimzik, Leiter des Netzwerks "K&R".  

Zudem gehen aus Sicht der Tierschützer auch nicht alle Bestimmungen weit genug. Einige Kommunen sehen zwar eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht vor, jedoch nicht die verpflichtende Registrierung der Katzen in einem Haustierregister. Häufig mangelt es auch an Kontrollstrukturen sowie der ausführlichen Information der Bürger über die Verordnung und deren Bedeutung.  

"Was wir dringend brauchen, ist eine bundeseinheitliche Kennzeichnung und Registrierung von Hunden und Katzen. Damit könnten wir Vieles auf einmal erreichen. Entlaufene Tiere könnten wieder an ihre Halter zurückvermittelt werden und das illegale Aussetzen von Heimtieren könnte effektiv eingedämmt werden", so Dr. Hans-Friedrich Willimzik. Weiterhin sind erhebliche Verbesserungen, vor allem in den Bereichen Tiergesundheit, Tierschutz, Rechtssicherheit und Vollzug, Verbraucherschutz, öffentliche Gesundheit und Wirtschaftlichkeit zu erwarten. Insbesondere würden durch die schnelle Rückvermittlung von Fundtieren Tierheime und Kommunen deutlich entlastet werden. Willimzik: "Es ist jetzt an der Bundesregierung, diese langjährige Forderung endlich auf den Weg zu bringen."

Wildkatzenschutz unzureichend?

"Wildkatzen müssen dringend besser geschützt werden", sagt BUND-Wildkatzen-Experte Axel Wieland. Seit über 30 Jahren engagiert sich der BUND in verschiedenen Projekten für die Wildkatze. Der Verband schätzt die Wildkatzen-Population bundesweit auf 7'000 bis 10'000. Im äußersten Norden und gesamten Nordosten der Republik fehlt das "Wildtier des Jahres" noch immer flächendeckend. Im stark zerklüfteten Automobilland Baden-Württemberg ist die Zahl der Wildkatzen in den letzten zehn Jahren von null auf einen niederen dreistelligen Bereich angewachsen.  

Zu diesem Erfolg haben seit 2012 mehr als 400 ehrenamtliche BUND-Aktive beigetragen. Sie haben über 9'000 Büsche und Bäume gepflanzt und 3'000 Lockstöcke kontrolliert. "Die Zerschneidung und Verinselung der Lebensräume durch Straßen, Siedlungen und Agrarflächen ist das größte Problem für die Europäische Wildkatze", so Wieland.  "Die vom BUND gepflanzten Büsche und Bäume bilden nun wie auf einer Perlenkette aneinandergereiht einen grünen schützenden Korridor, der Wälder verbindet und damit Wildkatzen und anderen im Wald lebenden Tieren sichere Wanderwege verschafft."

"Deutschland und Baden-Württemberg haben eine besondere Verantwortung für ihren Erhalt. Das Zentrum des europäischen Verbreitungsgebietes der Wildkatze liegt hier bei uns. Wenn wir ihr keine guten Bedingungen in Baden-Württemberg schaffen, wirkt sich das auch negativ auf die Wildkatzen in unseren Nachbarländern aus", so Wieland. 

Vor 100 Jahren war die Wildkatze in Deutschland beinahe ausgerottet. Heute streift sie wieder auf Samtpfoten durch unsere Wälder. "Der BUND Baden-Württemberg und das Naturparkzentrum Stromberg-Heuchelberg konnten mit der Lockstockmethode nachweisen, dass sich die Wildkatzen inzwischen in den westlichen Tälern des Schwarzwaldes, im Odenwald, im Naturpark Stromberg-Heuchelberg und nördlich des Schwäbisch-Fränkischen Wald ausbreiten."

Bei der Lockstockmethode sammeln BUND-Ehrenamtliche Haarproben der Wildkatzen. Dabei besprühen sie Baldrian als Lockstoff auf Holzstöcke, die sie im Wald aufstellen. Angelockt von Baldrian reiben sich die Wildkatzen an den aufgerauten Stöcken und hinterlassen mit ihren Haaren wertvolles genetisches Material. So kann anschließend im Labor ausgewertet werden, ob es sich um echte Wildkatzen handelt. 

Die Stabsstelle der Landesbeauftragten für Tierschutz hat einen komplett überarbeiteten Entwurf für eine kommunale Katzenschutzverordnung erstellt. Der neue Entwurf soll den Erlass der Verordnung durch die Gemeinden erleichtern. Außerhalb von Baden-Württemberg haben viele Städte und Gemeinden entsprechende Verordnungen erlassen, die in der Praxis seit langem "funktionieren". Zusätzlich zur Vereinfachung wurden daher die Entwicklungen der letzten fünf Jahre berücksichtigt. "Katzenkastration ist Tierschutz mit langfristigem Effekt. Kommunale Katzenschutzverordnungen werden dauerhaft Tierheime und Tierschutzvereine entlasten", so Stubenbord abschließend.

siehe auch: 

Vorbereitung für eine Katzensteuer?

Wildkatzensprung

Luchse kehren zurück

(Quelle: NABU/K&R/MLR.bw/HIN)