Engagement für Artenschutz

Erstellt: Dienstag, 30. Januar 2018

Karlsruhe (proh). Die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe hat neue Kooperationspartner gewonnen und könnte damit dem eigenen Ecuador-Projekt einen deutlichen Schub ermöglichen.  Zukünftig sollen junge Menschen aus Deutschland im Rahmen eines Internationalen Freiwilligendienstes für die Artenschutzstiftung in dem südamerikanischen Land eingesetzt werden. Möglich machen soll das eine Partnerschaft zwischen der Artenschutzstiftung und dem Internationalen Bund (IB) sowie der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK).

Die Artenschutzstiftung hat im vergangenen Juli ein 24 Hektar großes Gelände in Ecuador erworben. Es besteht aus unberührtem Nebelwald, teilweise aber auch aus Weideflächen, die unter der Regie der KEK wieder aufgeforstet werden. Mit diesem Projekt möchte die Stiftung zum Erhalt der Biodiversität in dem südamerikanischen Land beitragen.

"Bei der Suche nach weiteren Partnern, die uns unterstützen könnten, sind wir auf die Carlo Schmid Schulen gestoßen", erläutert Dr. Clemens Becker, Vorstand der Stiftung und Kurator für Artenschutz beim Zoo Karlsruhe: "Wir wollen mit Schülern pädagogische Projekte verwirklichen und gemeinsame Aktivitäten angehen."  Träger der Carlo Schmid Schulen ist der IB, der bereits vier FÖJ-Stellen (Freiwilliges Ökologisches Jahr) im Zoo Karlsruhe in den Bereichen Zoopädagogik, Verwaltung und in der Tierpflege anbietet.

"Daraus entstand der Gedanke, diese Kooperation nicht nur auf die Schule zu beschränken, sondern den IB direkt mit ins Boot zu holen", berichtet Becker. Die IB-Verantwortlichen zeigten sich begeistert von der Idee. Der erste Schritt war die Spende von jeweils 100 Bäumen durch den IB Baden und den IB Südwest sowie von 22 Bäumen von den Schülern der Carlo Schmid Schule Karlsruhe zur Wiederaufforstung.

"Der Internationale Bund will sich verstärkt 'grünen Themen' widmen. Wir haben dieser Idee auch einen Namen gegeben und nennen es 'Green IB'", sagt Harald Denecken, Präsidiumsmitglied des Internationalen Bunds und früherer Erster Bürgermeister Karlsruhes. "Es genügt aber nicht, einfach nur darüber zu reden, wir müssen auch etwas tun. Und das Ecuador-Projekt der Artenschutzstiftung ist für unser Engagement ideal."

Bereits 2019 könnten erstmals junge Menschen im Rahmen eines Internationalen Freiwilligendienstes über den IB Baden in Ecuador eingesetzt werden. Angedacht ist, dass dies geschieht, ohne Kosten für die Stiftung zu erzeugen. Derzeit werde ausgelotet, mithilfe welcher Programme die Kosten finanzierbar seien, so Becker. Die Freiwilligen könnten dann Bäume pflanzen, beim Wegebau in dem Gelände helfen und Biologen bei Forschungsaufenthalten unterstützen.

"Der Nebelwald in Südamerika ist eines der Ökosysteme, das nachdrücklich das Weltklima beeinflusst. Auch als studierte Geographin hat mich das Projekt der Artenschutzstiftung und der KEK sofort begeistert", erzählt Doris Lauer, Geschäftsführerin des IB Baden. "Uns hat diese Idee auch sofort gefallen. Wir freuen uns, diese Partnerschaft mit Leben zu füllen", ergänzt Jürgen Feucht, Geschäftsführer des IB Südwest, zuständig für die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland.

Die KEK ist ebenfalls glücklich über die geplante Zusammenarbeit. Geschäftsführer Dirk Vogeley ist begeistert, dem Projekt in Ecuador so noch mehr Triebkraft verleihen zu können: "Zusammen mit dem Internationalen Bund und unseren Partnern vor Ort streben wir eine Ausweitung der Austauschmöglichkeiten für junge Menschen an. Mit diesem Programm gehen Klima- und Artenschutz Hand in Hand."

"Das FÖJ-Programm ist für uns im Zoo ein voller Erfolg", betont Becker. "Neben ihren anderen Aufgaben machen sich die FÖJler bereits jetzt für unsere Artenschutzstiftung stark und erklären zum Beispiel an Ständen den Zoobesuchern unsere Artenschutzprojekte. Deswegen ist es für uns eine sehr gute Weiterentwicklung, in Zukunft über den IB auch direkt in Ecuador Freiwilligendienst-Plätze anbieten zu können."

Das von der Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe erworbene Grundstück liegt in Ecuador am Westhang der Anden im Nebelwaldgebiet und grenzt an eine Straße, die von Los Bancos zur Hauptstadt Quito führt. Von dort zieht sich das Gelände in das Waldgebiet hinein. "Ecuador ist eines der artenreichsten Länder der Erde. Jedoch ist die Natur sehr stark vom Raubbau durch den Menschen betroffen.Viele Wälder werden einfach abgeholzt, um Weideland zu gewinnen", erklärt Becker.

Das Gelände liegt auf etwa 1'600 Höhenmetern, eine Quelle und zwei Bäche sind auf dem Grundstück zu finden. Die Topographie ist wellig, es gibt sowohl flache Bereiche als auch kleinere Steilhänge. Auf alten Baumriesen wachsen zahlreiche Bromelien, Tilandsien und Orchideen. Bei ersten Beobachtungen und Erkundungen konnten bereits mehr als 70 Vogelarten festgestellt werden, darunter Kolibris, Papageien und Tukane.

Zudem wurden von Biologen 18 Amphibien- und Reptilienarten nachgewiesen. Auch die Insekten- und Spinnenvielfalt ist groß, außerdem sind Tamanduas (Ameisenbären), Zwergeichhörnchen und eine heimische Wildschweinart anzutreffen. Faultiere, Schlankbären, Gürteltiere, weitere Vögel, Reptilien und Amphibien sind aus dem direkten Umland bekannt.

Artenschutz-Euro für Artenschutzprojekte des Zoos?

Der Masterplan "Entwicklungskonzept Zoologischer Stadtgarten" enthält als verbindliche Ziele Tierschutz, Naturschutz und Artenschutz sowie die Orientierung an der Weltnaturschutzstrategie. Die Grünen unterstützen diese Ziele und wollen erreichen, dass sie konsequent umgesetzt werden, damit der Karlsruher Zoo eine Vorbildfunktion für einen modernen zukunftsfähigen Zoo übernehmen kann.

"Wir setzen uns dafür ein, dass die Besucher*innen unseres Zoos für einen freiwilligen Artenschutz-Euro gewonnen werden, um diese Ziele zu unterstützen", erläutert Renate Rastätter, Sprecherin der Fraktion für Naturschutz. "Dabei geht es darum, Natur- und Artenschutzprojekte in den originären Lebensräumen der Zootierarten einzurichten, um damit einen Beitrag zum Erhalt der Lebensräume und ihrer Artenvielfalt zu leisten."

Die Grünen wollen damit Zoodirektor Matthias Reinschmidt unterstützen, der sich für die Entwicklung des Zoos zu einem Natur- und Artenschutzzentrum in besonderer Weise engagiert und dafür hohe Anerkennung in der Stadtgesellschaft findet. "Wir freuen uns, dass mit der Einrichtung der Artenschutzstiftung erste Artenschutzprojekte in Ecuador und Sri Lanka unterstützt werden, darunter ein Zentrum für verwaiste Elefantenbabies, deren Mütter Wilderern zum Opfer fielen", so Zoe Mayer, tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen. "Allerdings sind wesentlich mehr Mittel erforderlich, um bedeutsame Projekte einzurichten."  

Die Grünen setzen nun darauf, dass mit Hilfe eines freiwilligen Artenschutz-Euro eine verlässliche und dauerhafte Finanzierung von herausragenden Artenschutz-Projekten erreicht werden kann.  "Wir plädieren dafür, dass sich die Stadt Karlsruhe bei der Ausgestaltung eines freiwilligen Artenschutz-Euros am Beispiel des Zoos Basel orientiert", so Rastätter und Mayer. Nach ihrer Kenntnis sei der Basler Zoo bislang Vorreiter unter den Zoos beim Natur-und Artenschutz.

Die vielfältigen beeindruckenden Projekte für den Erhalt bedrohter Tiere verdanke er maßgeblich der Einführung eines Naturschutz-Franken. Er sei im Eintrittsgeld inbegriffen. "Die Besucher*innen haben allerdings die Möglichkeit, ihn an der Kasse abziehen zu lassen, wenn sie ihn nicht bezahlen wollen", erklären die beiden Stadträtinnen. "Durch eine gute und erfolgreiche Kommunikationsstrategie über die Ausgestaltung und Erfolge der Natur- und Artenschutzprojekte wird er aber von 90 % der Besucher*innen mitbezahlt."

Die Stadtverwaltung hatte bereits im Frühjahr 2015 auf eine entsprechende Anfrage der Grünen positiv reagiert: "Da die Besucherzahlen aufgrund der gesteigerten Attraktivität des Zoos sowie des besseren Marketings eher zunehmen und die emotionale Begeisterung wachsen werden, sind die Chancen zur Spendeneinnahme über einen freiwilligen Euro sicher sehr hoch einzuschätzen."

Für die Grünen wäre ein Votum des Gemeinderats für einen Naturschutz-Euro ein wichtiges Signal für die Entwicklung des Zoos zu einem Natur- und Artenschutzzentrum. Die Stadtverwaltung soll dazu die Details erarbeiten unter Berücksichtigung einer sozialen Komponente. 

siehe auch:

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(Quelle: ZOO.ka/HIN)