Weihnachtszirkus ohne Wildtiere

Erstellt: Montag, 18. Dezember 2017

Karlsruhe (proh). Die Karlsruher GRÜNEN bedauern, dass der Karlsruher Weihnachtszirkus dieses Jahr wieder verstärkt auf Wildtiernummern in seinem Programm setzt. Für die Attraktivität des Zirkus mit seinen hochkarätigen artistischen Darbietungen, Musik und Tanz seien Dressurnummern mit Elefanten, Giraffen und weiteren Wildtieren absolut nicht notwendig. "Für den diesjährigen Weihnachtszirkus wird sogar noch offensiver mit einem 'exotischen Karussel' geworben, bei dem gleichzeitig 32 Wildtiere in der Manege auftreten müssen", so Zoe Mayer, tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen Gemeinderatsfraktion.

"In Anbetracht der unzureichenden Haltungsbedingungen im Zirkusbetrieb kritisieren wir dieses Programm aufs Schärfste. Wildtiere haben sehr hohe Ansprüche an ihr Lebensumfeld. Ihre artspezifische Bedürfnisse können in einem wandernden Zirkusbetrieb grundsätzlich nicht erfüllt werden", erklärt Zoe Mayer. So wirbt die Bundestierärztekammer schon seit Jahren für ein bundesweites Verbot von Wildtieren in mobilen Zirkuseinrichtungen.

Tiere im Zirkus zur Schau zu stellen, ist eigentlich schon längst überholt. Das Betreiben von Wanderzirkussen gilt vielerorts als völlig brotlose Kunst. Dies kommt nicht von ungefähr: In Deutschland gibt es etwas 350 Zirkusse, die größtenteils unter chronischer Geldnot leiden. Viele von ihnen müssen Betteln gehen, um sich über Wasser zu halten. Die Versorgung mit Futtermitteln und ausreichend frischem Trinkwasser ist oft eingeschränkt und geht zu Lasten der Tiere.

Eine Untersuchung von 25 Zirkussen in Deutschland zeigt, dass nur ein geringer Anteil von Zirkustieren freien Zugang zu Trinkwasser hat. Auch kommt es vor, dass das Pflegen der Tiere und das Reinigen der Käfige als Sparmaßnahme gänzlich unterlassen wird, was das Leiden der Wildtiere stark erhöht – dabei gehört die eigene Körperpflege ja zum arttypischen Verhalten der Tiere.

Wildtiere leiden massiv darunter,

  1. dass sie Kunststücke vorführen müssen, für die sie oft mit Gewalt dressiert werden,
  2. dass sie im Schnitt 50-mal im Jahr den Auftritts-Ort wechseln müssen,
  3. dass sie die überwiegende Zeit in kleinen Käfigen, unzureichenden Gehegen oder im Transportwagen verbringen,
  4. dass wesentliche artspezifische Verhaltensweisen wie Sozialkontakte oder Bewegung erheblich eingeschränkt oder völlig unmöglich gemacht werden,
  5. dass sie kaum Abwechslung oder Beschäftigung haben,
  6. dass sie oft nicht artgerecht gefüttert und gepflegt werden,
  7. dass eine tierärztliche Kontrolle oder Versorgung oft mangelhaft ist, da es bundesweit nur wenig spezialisierte Tierärzte für Wildtiere gibt oder sich der Zirkus die Behandlung finanziell nicht leisten kann bzw. will,
  8. dass den Zirkusbetreibern in vielen Fällen die notwendige Sachkunde fehlt,
  9. dass in der spielfreien Zeit nur etwa jedes zehnte Unternehmen ein Winterquartier vorweisen kann.

Mayer weist darauf hin, dass aufgrund heutiger wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Bedürfnisse von Wildtieren ihr Mitführen und Auftreten im Zirkus aus Sicht des Tierschutzes nicht mehr vertretbar sei. Um auf die Belange des Tierschutzes aufmerksam zu machen, werden auch in diesem Jahr am 22. Dezember ab 17.30 Uhr und am 03. Januar ab 14.00 Uhr auf dem Zirkusvorplatz friedliche Demonstrationen stattfinden, die von den GRÜNEN unterstützt werden.

Anwesend sind auch die Stadträt*innen Zoe Mayer und Michael Borner.  Die GRÜNEN in Karlsruhe setzen sich seit langem gegen die Zurschaustellung von Wildtieren in Zirkusbetrieben ein. Ein Antrag im Karlsruher Gemeinderat für ein Verpachtungsverbot von städtischen Flächen für Zirkusbetriebe mit Wildtieren scheiterte im letzten Jahr.

"Es ist jetzt an der Zeit, dass Karlsruhe dem Beispiel von Stuttgart und Heidelberg folgt und endlich für Verpachtungen von städtischen Flächen ein Wildtierverbot für Zirkusse festlegt", so Michael Borner, ebenfalls zuständig für Tierschutz in der GRÜNEN Fraktion. "Nur wenn die Kommunen als direkt Betroffene vor Ort mutig vorangehen, wird die Bundesregierung das vom Bundesrat schon zum dritten Mal geforderte Wildtierverbot in Zirkussen endlich ins Tierschutzgesetz aufnehmen."

Bereits 2003 hat der Bundesrat mit großer Mehrheit für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus gestimmt. Das zuständige Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) blockiert aber diese Initiative bis heute und setzt den Beschluss nicht um. Darüber hinaus hat eine Änderung des Tierschutzgesetzes 2013 eher eine Verschlechterung bewirkt.

Wildtierhaltung im Zirkus wird zwar eingeschränkt, ein Eingriff soll aber nur erfolgen, wenn Haltung und Transport zu erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden der Tiere führen. "Wer Respekt gegenüber Tieren vermitteln möchte, sollte auf Wildtiernummern im Zirkus besser verzichten", sind sich die beiden tierschutzpolitischen SprecherInnen Mayer und Borner einig. Ihr Plädoyer: "Ein fortschrittlicher Zirkus braucht keine Wildtiernummern, um zu begeistern."

(Quelle: B90/vebu/HIN)