Tierheime unterfinanziert

Erstellt: Montag, 04. Dezember 2017

(proh). In seiner letzten Sitzung hat der Landesbeirat für Tierschutz Fragen zur Kostentragung bei in Tierheimen untergebrachten Tieren diskutiert. Der Landesbeirat für Tierschutz hat die Aufgabe, das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Tierschutzfragen zu beraten. Der Beirat soll zu grundsätzlichen Belangen des Tierschutzes sowie zu besonderen Tierschutzproblemen angehört werden. Der Beirat besteht aus dem Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz als Vorsitzendem sowie aus ehrenamtlichen Mitgliedern aus Verbänden und Organisationen.

"Der Tierschutz spielt für mich eine große Rolle. Gerade bei den Tierheimen wird häufig von Ehrenamtlichen Großes geleistet. Das verdient Dank, aber vor allem politische Unterstützung, und dieses soll sich auch finanziell widerspiegeln. Wir werden das Gespräch mit den vor Ort zuständigen Städten, Gemeinden und Landkreisen suchen. Ziel ist es, die finanzielle Lage der Tierheime durch eine ausreichende Kostenübernahme durch die Behörden zu verbessern", sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk.  

"Tierschutz bedeutet, Tiere artgerecht zu halten und zu versorgen sowie vor Missbrauch, Verwahrlosung oder unsachgemäßer Haltung zu schützen. Es heißt aber auch, diejenigen zu unterstützen und mitzunehmen, die Verantwortung für Tiere tragen. Dies gilt für die Förderung von Tierheimen", erklärte Hauk. 

Die Unterstützung der Tierheime ist ein wesentliches Ziel des Koalitionsvertrages. Für den Bau oder zur Sanierung von Tierheimen stehen jährlich 500'000 Euro an Haushaltsmitteln zur Verfügung. Das Förderprogramm schafft Anreize für Landkreise, Gemeinden und Tierschutzvereine und stößt so oft notwendige Investitionen an. Zudem werden durch die Drittelfinanzierung alle Beteiligten gleichermaßen in die Pflicht genommen.

Eine große Herausforderung sind freilebende Katzen, die sich oft unkontrolliert fortpflanzen. Für die Unterbringung einer Katze werden rund zehn Euro am Tag veranschlagt. Das Land unterstützt den Landestierschutzverband Baden-Württemberg e. V. im Rahmen eines Projekts zur Verringerung des Katzenelends in den Jahren 2016 und 2017 mit je 30'000 Euro. Mit diesem Projekt werden Tierschutz- und Katzenhilfevereine unterstützt, die diesem Leid entgegenwirken und möglichst viele freilebende Katzen einfangen, kastrieren und tierärztlich versorgen.

"Bei Hunden belaufen sich die Kosten auf 15 Euro und mehr. Tierarztkosten sind da aber nicht mit eingerechnet", sagte Herbert Lawo vom Landestierschutzverband Baden-Württemberg. Aufwändige Tierschutzfälle mit zahlreichen unterzubringenden Tieren würden eine überregionale Koordination erfordern. Vor allem invasive Tierarten stellen eine Herausforderung dar. 

"Die Tierheime fordern zu Recht tierschutzgerechte Lösungen für abgegebene Tiere invasiver Arten. Die grundsätzlich zur Diskussion stehende Tötung dieser Tiere ist in vielen Fällen keine Option. Wir setzen uns dafür ein, dass die Bundesregierung im Rahmen der Umsetzung der EU-Verordnung geeignete Regelungen trifft, die eine Vermittlung solcher Tiere an geeignete Halter möglich machen. Wenn die weitere Vermehrung ausgeschlossen ist und die Tiere ausbruchsicher gehalten werden, ist dies die beste Lösung im Sinne des Tierschutzes", erklärte der Minister.

Nach einer im Jahr 2015 in Kraft getretenen EU-Verordnung sollen invasive Tier- und Pflanzenarten in Europa zurückgedrängt werden. Tiere solcher Arten dürfen nicht absichtlich in die EU eingeführt oder in der EU gehalten, gezüchtet oder befördert werden. Einzelne dieser Arten, wie zum Beispiel Schmuckschildkröten, werden auch als Heimtiere gehalten.  

In seiner Sitzung am 23. Oktober 2017 hat der Landesbeirat für Tierschutz Fragen zur Kostentragung bei in Tierheimen untergebrachten Tieren diskutiert. Bei Fundtieren sind die Städte- und Gemeinden nach dem Fundrecht verpflichtet, die Kosten zu tragen.

Bei aus Tierschutzgründen behördlich weggenommenen Tieren sind die unteren Verwaltungsbehörden (Stadt- und Landkreise) zuständig. Nach Informationen des Landestierschutzverbands ist die finanzielle Situation der Tierheime seit vielen Jahren sehr angespannt. Die von den Behörden für untergebrachte Tiere erstatteten Beträge seien bei Weitem nicht kostendeckend. Diese haben oftmals Schwierigkeiten, genügend Mittel für die Betreuung der Tiere aufzutreiben. 

Die Heime finanzieren sich aus Beiträgen, Spenden oder kommunalen Zuschüssen oder einer Gebühr, die verlangt wird, wenn ein Tier vermittelt wird. Vor allem die Gewinnung von Spenden sei in den vergangenen Jahren schwieriger geworden. Da gebe es eine Menge Konkurrenz durch andere Hilfsorganisationen.

TIERHEIME IN DER 'Hardt IN - REGION':

76534 Baden-Baden Märzenbachweg 15 0 72 21 - 76 87
76646 Bruchsal Kleines Feld 1 0 72 51- 20 14
77815 Bühl Fridolin-Stiegler-Straße 11 0 72 23 - 2 11 53
76275 Ettlingen Am Baggersee 5 0 72 43 - 9 36 12
76189 Karlsruhe Hermann-Schneider-Allee 20 07 21 - 95 07 80
76437 Rastatt Klärwerkstraße 2 0 72 22 - 2 14 24
76547 Sinzheim Buchtunger Hof 5 0 72 21- 27 62 61 

(Quelle: MLR.bw/HIN)