Projekt "Fellwechsel" genehmigt

Erstellt: Dienstag, 21. November 2017

Rastatt (joER). Ab Mitte Januar sollen in Rastatt tausende Wildtierfelle aus heimischer Jagd verarbeitet werden. Dafür entsteht derzeit eine neue Sammelstellen für erlegte Tiere. In ganz Deutschland gibt es inzwischen mehr als 50 Sammelstellen, bei denen Jäger erlegte Füchse, Marder sowie Bisam, Waschbären oder Nutrias abgeben und in Tiefkühltruhen einlagern könnten. Bei dem Vorreiterprojekt "Fellwechsel" geht es darum, das Fell der erlegten Tiere nachhaltig zu nutzen, weiterzuverarbeiten und zu verkaufen. Das Projekt stösst bei Jägern auf ungeteiltes Interesse.

Zum angeblichen Schutz des Niederwildes und zur vorgeblichen Unterstützung von Artenschutzprojekten fallen Raubsäuger zum Opfer - allein in Baden-Württemberg bis zu 80'000 Rotfüchse jährlich - deutschlandweit bis zu 500'000. Eine Fuchsjagd ist aus Regulierungsgründen jedoch nicht flächendeckend notwendig, ausser: schöne Pelze, wie ein heimischer Kürschner schwärmt und sanft seine Hand über den toten Pelz gleiten lässt. Dahinter stecken marktorientierte Interessen.

Allerdings wird derzeit nur ein Teil dieser Felle verwertet, obwohl viele Kürschner zunehmend Pelze aus der heimischen Jagd verarbeiten. Entsprechend groß ist der Bedarf nach qualitativ hochwertiger Ware aus nachhaltiger Jagd. Daher hat das DJV-Präsidium, Vertretung aller 15 Landesjagdverbände, entschieden, die Nutzung von Bälgen aus der Jagd aktiv zu fördern.

Der Deutsche Jagdverband und der Landesjagdverband Baden-Württemberg haben gemeinsam die Fellwechsel GmbH gegründet, die am 14.11.2016 im Handelsregister in Berlin eingetragen wurde. Damit war der Grundstein für ein Pilotprojekt gelegt: Die Fellwechsel GmbH ist die Betreibergesellschaft einer Abbalgstation, die zum Jahresbeginn 2017 in Rastatt in Baden-Württemberg errichtet wird. Dort werden Füchse, Marderhunde, Waschbären, Stein- und Baummarder, Iltis, Mink, Nutria und Bisam im Kern angenommen, gestreift und entweder gegerbt, getrocknet oder als weiter verarbeitetes Produkt auf den Markt gebracht

Nach Worten von Hauptgeschäftsführer des Landesjagdverbands Baden-Württemberg, Erhard Jauch, fallen für die Containeranlage in Rastatt mit Büro, Gefrierraum und Abbalgstation schätzungsweise rund 250'000 Euro an, plus Betriebs- und Personalkosten - neben Frederic Daniels, dem verantwortlichen Projektmitarbeiter der Fellwechsel GmbH, sollen weitere zwei Vollzeitkräfte eingestellt werden. Die Investitionssumme wird zunächst vom Deutschen Jagdverband (DJV) aufgebracht. "Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren." Ein Grundstück wurde bereits gepachtet, auch die benötigten Großcontainer stünden schon auf Abruf.

Die Jäger wurden gebeten, die erlegten Tiere erst einmal kostenlos an die "Abbalgstation" zu liefern. Später sollen sie aber pro Balg eine kleine Entschädigung bekommen. Ob sich das Projekt trägt, bleibt abzuwarten. "Natürlich wollen wir schwarze Zahlen schreiben - und das Interesse der Jäger ist enorm", gibt Daniels bekannt. Bislang landeten die Pelze erlegter Tiere meist im Müll.

"Fellwechsel" wirbt damit, die Herkunft der Felle eindeutig dokumentieren zu können. Die Initiatoren wollen außerdem ein Zeichen für Nachhaltigkeit setzen und eine Alternative bieten zu Pelz, der von Tieren aus oft qualvollen Zuchtbedingungen im Ausland kommt. "Unser Ziel ist es, hochwertige Wildpelze zu gewinnen und den Jägerinnen und Jägern für die Zulieferung entsprechend der Tierart und der Balgqualität eine Vergütung zu zahlen", fährt Daniels fort. "Jedes angelieferte Tier mit verwertbarem Fell wird individuell markiert und diese ID-Nummer verbleibt am gegerbten bzw. getrockneten Fell. Diese Markierung ermöglicht es auch weiterverarbeitenden Betrieben wie z.B. Kürschnern, die Herkunft der Felle aus der nachhaltigen, heimischen Jagd zu dokumentieren." 

Der Landesjagdverband rechnet damit, die Abbalgstation in Rastatt im Januar in Betrieb nehmen zu können. "Sämtliche behördlichen Genehmigungen liegen nun vor", sagte Jauch.  Damit sich das Projekt lohnt, müsste jährlich 7'000 bis 10'000 Tieren in Rastatt das Fell abgezogen werden. Von dort kommen die Bälge dann in ausschließlich deutsche Gerbereien und danach wieder zurück nach Rastatt zur Weiterverarbeitung oder zum Weiterverkauf an die Textilindustrie. Geplant ist, daraus etwa Outdoorkleidung oder andere Produkte wie Taschen oder Kissen zu fertigen. 

Die Nachfrage nach Fellen in Deutschland steige - ebenso wie das Bedürfnis der Verbraucher, keine Felle aus qualvoller Zucht osteuropäischer oder asiatischer Pelzfarmen zu kaufen, so der DJV-Sprecher. Die "Fellwechsel"-Felle könnten dank Kennzeichnung bis zum Jäger zurückverfolgt werden. "Der Verbraucher muss wissen: Wenn er Felle aus heimischer Jagd kauft, hat er was für die Region und den Artenschutz getan."

Das vom Zentralverband des Kürschnerhandwerks vergebene Logo "WePrefur" an lizensierte Betriebe basiert auf der Verarbeitung von Fellen aus der heimischen Jagd. "Die Gesellschaft möchte keine Pelze", behauptet hingegen der Vorsitzende des Naturschutzbundes Baden-Württemberg, André Baumann, der aber einschränkt: "Wenn der Jäger den Fuchspelz für den Eigenbedarf nutzt. Dann ist Jagd nicht verwerflich."

Zwar sei es eigentlich sinnvoll, die Felle der ohnehin erlegten Tiere weiterzuverwenden, "andererseits wird dadurch das Tragen von Pelz in der Öffentlichkeit wieder salonfähig gemacht", gibt hingegen der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes, Johannes Enssle, zu bedenken. Betrachtet man die Zahlen, müsste man zudem die Abschussquote erhöhen, um ein rentables Business für alle Nutzniesser daraus zu machen. 

Das Stuttgarter Landwirtschaftsministerium begrüßt hingegen die Initiative. Die Jäger leisteten mit der Jagd auf die Raubsäuger einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Dass aber durch die Jagd ein Anstieg der Geburtenrate zu erwarten ist, wird hierbei nicht erwähnt: Wildtierpopulationen regulieren sich ohne menschliches Zutun aufgrund von Sozialgefügen sowie Umwelteinflüssen wie Nahrungsangebot und Krankheiten von selbst. Durch die Jagd werden zwangsläufig stabile Sozialstrukturen und funktionierende Ökosysteme zerstört. Von einem objektiv entscheidenden Landwirtschaftsministerium sollte man diese Kenntnis erwarten.

Vor der Kamera des RTL-Senders freute sich erst kürzlich eine süffisant lächelnde Jägerin: "Wir versuchen, so viele wie möglich zu erlegen." Wissentlich unterschlagen wird die komplexen Beziehung von Beute und Beutegreifer zueinander. Füchse sichern ihren Beutearten das Überleben, indem sie schwache und kranke Tiere erbeuten und somit Krankheitsherde eliminieren.

"Mit dem Projekt 'Fellwechsel' soll eine nützliche Verwertung der bei der Jagd erzeugten Felle sichergestellt werden", sagte Minister Peter Hauk (CDU) - und macht somit deutlich, um was es eigentlich geht. Und Daniels ist voller Zuversicht, dass sich die Zahl der Abbalgstationen bis Jahresende bundesweit noch verdoppeln könnte: "Jeden Tag kommen neue hinzu." 

(Quelle: DJV/HIN)