Kraniche ändern Kurs

Erstellt: Freitag, 10. November 2017

(proh). Wer den Himmel über dem Nordschwarzwald beobachtet, kann in diesen Tagen eine Beobachtung machen, die ungewöhnlich für diese Region ist: viele ziehende Kraniche. "Im Moment ist die Hochzeit des Kranichzugs. Normalerweise ziehen die meisten Vögel allerdings in einem Streifen von Münster bis Frankfurt nach Südwesten", sagt Marc Förschler, Leiter des Fachbereichs Ökologisches Monitoring, Forschung und Artenschutz im Nationalpark Schwarzwald. In diesem Jahr sind außergewöhnlich viele Vögel gesichtet worden.

Die meisten Kraniche starten in Skandinavien, Polen oder im Baltikum und steuern von dort große Rastplätze, zum Beispiel in Norddeutschland am Darß, in der Diepholzer Moorniederung oder im Brandenburgischen Linum, im ungarischen Nationalpark Hortobágy oder dem französischen Lac du Der in der Champagne an, wo sie sich zu Tausenden sammeln. Von dort aus geht es weiter in ihre Winterquartiere an die Laguna de Gallocanta nach Nordspanien und später in die Extremadura nach Südspanien. Dort finden Sie auch während der Wintermonate ausreichend Nahrung in Form von Eicheln, Oliven oder sonstigen Pflanzenteilen.

In diesem Jahr machen auf ihrem Flug außergewöhnlich viele Vögel in unserer Gegend Rast oder überfliegen sie. "Vor allem aus den Orten Baiersbronn, Freudenstadt und Loßburg wurden zahlreiche ziehende und teilweise auch kurz rastende Vögel gemeldet", berichtet Förschler. Diese fliegen dann über die Pässe am Seibelseckle, Ruhestein, Schliffkopf oder den Kniebis weiter zu ihren Winterquartieren im Mittelmeerraum, vor allem in Frankreich und Spanien.

"Der seit Tagen andauernde Nebel in den Hochlagen zwingt sie zur Rast oder sogar Umkehr", erklärt Förschler. "Teilweise irren die Vögel bei solchen Wetterlagen stundenlang herum und versuchen an verschiedenen Stellen, die Mittelgebirgskette zu überqueren." Gut zu erkennen sind die meist keilförmig fliegenden Kraniche an ihren langgestreckten Hälsen und Beinen, die im Flug deutlich über die Schwanzfedern hinausragen.

Ihre lauten, tiefen Rufe dienen der Verständigung, damit der Schwarm zusammenbleibt. "Jedes Jahr überqueren einzelne Trupps den Nordschwarzwald. Dieses Jahr sind es aber besonders viele, wahrscheinlich weil die Nordwest-Strömung der letzten Tage und das schlechte Wetter die Kraniche auf eine südlichere Route gedrückt hat", erklärt Förschler die Kursänderung der Kraniche.

"Um den genauen Zugweg zu erlernen, fliegen die Jungvögel mit den Altvögeln mit. Erkennbar sind sie an der fehlenden Gesichtszeichnung und eher pfeifenden Rufen", ergänzt der Ornithologe. "Da die Bestände des Kranichs seit einigen Jahren wieder zunehmen, kann in Zukunft auch im Nordschwarzwald mit noch mehr durchziehenden Vögeln gerechnet werden."

  • Wer die Vögel auch gesehen hat oder noch sieht, kann seine Beobachtung gerne dem Forscherteam im Nationalpark schicken, an folgende Mailadresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.  

(Quelle: NLP/HIN)