Störenfriede im Wald?

Erstellt: Dienstag, 07. November 2017

Rastatt (proh). Zusammenstöße mit Wildschweinen sind in Rastatt und der Region schon längst keine Seltenheit mehr. Besucherinnen und Besucher des Rastatter Stadtwalds werden die Spuren der Wildschweine bei ihren Spaziergängen auch schon bemerkt haben: umgegrabene Bankette, aufgewühlte Böden und Pfützen, die zu regelrechten Suhlen geworden sind. Die Gründe für die ungebremste Vermehrung der Schwarzkittel sind laut Martin Koch, Kundenbereich Forst der Stadt Rastatt, vielfältig.

Die Klimaveränderungen mit milden Wintern, das Fehlen natürlicher Feinde, beste Deckung in den Wäldern und reichlich Nahrung sorgen bei den Wildschweinen für extrem gute Lebensbedingungen – auch sehr zum Leidwesen der Landwirte.  

Appell an Waldbesucher: Nicht abseits der Wege gehen und Hunde an die Leine Was tun? Mehrere Faktoren spielen eine Rolle, aber laut Martin Koch können auch Waldbesucher einen Beitrag leisten. So sei es problematisch, wenn Läufer bei Dunkelheit mit Stirnlampen im Wald unterwegs sind, insbesondere abseits der Wege.

Auch ein Problem seien frei laufende oder streunende Hunde. Denn „nachtaktive“ Menschen oder Hunde scheuchen Wildtiere, die gerade im Winter viel Ruhe brauchen, immer wieder auf. Die Tiere verbrauchen dadurch enorm viel Energie, die sie in Form von Nahrung nachführen müssen. Das wiederum führt in der Regel zu massiven Schäden in der Landwirtschaft, aber auch im Wald. Koch appelliert daher an die Besucher: „Bitte nutzen Sie im Wald die befestigten Wege zum Wandern und Radfahren und nehmen Sie Ihre Hunde an die Leine!“

Für die Massenvermehrung der Wildschweine mitverantwortlich sei aber auch der Strukturwandel in der Landwirtschaft. Aus einer kleinparzellierten Landschaft mit vielfältigen landwirtschaftlichen Nutzungen seien im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte zunehmend große Ackerflächen mit Mais oder Getreideanbau geworden. „Wenn diese dann noch unmittelbar an den Waldbestand grenzen, sind das wahrlich paradiesische Zustände für die Wildschweinpopulation“, erklärt Koch. „Werden dann noch im Herbst die Äpfel und Birnen nicht von den Streuobstwiesen aufgelesen, ist der Tisch für Bache, Keiler und Frischling reichlich gedeckt.“

Neben dem pflanzlichen Eiweiß aus Eicheln, Waldfrüchten und Maiskörnern benötigt das Schwarzwild auch tierisches Eiweiß in Form von Würmern und Schnecken. „Diese Delikatesse finden ganze Rotten regelmäßig unter nicht abgeernteten Obstbäumen“, so Koch. So werde die Jagd alleine die Massenvermehrung nicht in den Griff bekommen, ist sich Förster Koch sicher. Vielmehr werde die Landwirtschaft in enger Zusammenarbeit mit Jagdpächtern und den Grundeigentümern Konzepte für eine noch effektivere Bejagung erarbeiten müssen.

Ein nützlicher und gleichsam gesunder Tipp vom Förster Koch an alle Fleischliebhaber: Mehr Wildbret essen. „Wildbret zählt nach wie vor zu den gesündesten Fleischarten“, weiß er. Wer also auf eine eiweißreiche Ernährung Wert lege und hierbei gutes Fleisch bevorzugt, sollte sich bei seinem örtlichen Metzger oder direkt beim Jagdpächter nach Wildbret aus dem heimischen Wald informieren.

Auch der städtische Kundenbereich Forst verkauft regelmäßig Wildbret – solange der Vorrat reicht. Interessierte können sich wenden an den Kundenbereich Forst, während der Geschäftszeiten persönlich oder telefonisch unter Telefon 07222 972-6001 sowie per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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(Quelle: StVwRA/HIN)