Was macht der Wolf?

Erstellt: Donnerstag, 08. Februar 2018

(Hero). Der Wolf kehrt zurück in den Südwesten Deutschlands. Lassen sich die Lebensraumanforderungen dieses streng geschützten Raubtieres mit den Ansprüchen des Menschen in Einklang bringen? Wie ändert sich unsere Umwelt mit dem Wolf? Müssen wir uns Sorgen um unsere Sicherheit machen? Wie stehen Jäger, Tourismusmanager und Schäfer zu dem Neuankömmling? Wie reagieren andere Wildtiere auf die Änderung?

Aktuell sind in Deutschland 60 Wolfsrudel bestätigt. Das geht aus einer neuen Erhebung des Bundesamtes für Naturschutz und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) hervor. Die Zahl der 60 von den Bundesländern bestätigten Rudel des aktuellen Monitoringjahres 2016/2017 in Deutschland ist im Vergleich zum vorherigen um 13 gestiegen. Allerdings ist die Zahl der Wolfspaare im selben Zeitraum von 21 auf 13 und die Zahl der sesshaften Einzelwölfe ist von vier auf drei gesunken.

"Für den Naturschutz sind diese Zahlen zwar erfreulich, jedoch weist die Art noch immer eine insgesamt ungünstige Erhaltungssituation auf", sagt "Bundesamt für Naturschutz"-Präsidentin Prof. Beate Jessel. "Vor allem der Straßenverkehr gefährdet den Wolf in seinem Bestand; daneben stellen illegale Abschüsse ein erhebliches Problem dar." Von den in Deutschland seit dem Jahr 2000 insgesamt 201 tot aufgefundenen Wölfen sind 140 durch den Straßenverkehr ums Leben gekommen und 26 illegal getötet worden. Im Vergleich zum Monitoringjahr 2015/2016 ist die Zahl der illegalen Tötungen von zwei auf fünf angestiegen.

Die Daten, die das Bundesamt für Naturschutz jährlich im Herbst veröffentlicht, werden von den Bundesländern jeweils für ein Monitoringjahr erhoben. Dieses läuft jeweils vom 1. Mai bis zum 30. April des darauffolgenden Jahres und deckt sich zeitlich mit einem biologischen "Wolfsjahr", von der Geburt der Welpen bis zum Ende des ersten Lebensjahres. Die Daten werden anschließend jeweils noch überprüft und durch das BfN und die DBBW bundesweit zusammengeführt. Diese Zusammenführung erfolgt jährlich im Herbst bei einem Treffen der im Monitoring erfahrenen Personen von Bund und Ländern.

"Die Rückkehr des Wolfes stellt uns in unserer heutigen Kulturlandschaft vor eine besondere gesellschaftliche Herausforderung. Die Angst der Menschen vor direkten Begegnungen und die Sorgen der Weidetierhalter müssen wir sehr ernst nehmen. Wir unterstützen mit wissenschaftlich fundierten Beiträgen und Handlungsempfehlungen zum Wolf und informieren so die Bundesländer, bei denen in Sachen Wolf die Vollzugshoheit liegt", so die BfN-Präsidentin. Einen wichtigen Beitrag leistet dabei die DBBW, die der Bund im Jahr 2016 eingerichtet hat, um insbesondere Daten aus den Bundesländern zusammenzutragen und die Fachbehörden zu beraten.

Mittlerweile wurden in 13 Bundesländern Wolfsmanagementpläne sowie entsprechende Leitlinien, Konzepte oder Leitfäden veröffentlicht. Darin ist in der Verantwortung der Länder unter anderem festgelegt, wie für den Schutz von Weidetieren die Prävention und auch Kompensation geregelt sind. "Ein flächendeckender Herdenschutz, der sich an den vom BfN empfohlenen Schutzstandards orientiert, ist essentiell, um in weiteren potenziellen Ausbreitungsgebieten für die Ankunft des Wolfes gewappnet zu sein.

Um Übergriffe auf Weidetiere weitgehend zu reduzieren, müssen Herdenschutzmaßnahmen konsequent umgesetzt und dafür auch ausreichend finanziert werden", sagt Prof. Beate Jessel. Die Ausgaben der Bundesländer mit Wolfsvorkommen betrugen im Jahr 2016 insgesamt 1'100.963 Euro für Herdenschutzmaßnahmen. Im Vergleich dazu lagen die Schadenausgleichszahlungen, bei denen ein Wolf als Verursacher nachgewiesen oder nicht ganz ausgeschlossen werden konnte, bei rund 135'140 Euro.

Herdenschutzhunde wirksam

Nachdem in Widdern (Landkreis Heilbronn) mehrere Schafe durch einen Wolfsangriff getötet wurden, hat sich Umwelt- und Naturschutzminister Franz Untersteller dafür ausgesprochen, umgehend die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Nutztierhalter in Baden-Württemberg ausgebildete Herdenschutzhunde einsetzen können.

"Herdenschutzhunde sind ein wirksamer Schutz gegen Wolfsangriffe. Wir müssen deshalb die Tierschutz-Hundeverordnung so gestalten, dass unsere Schäferinnen und Schäfer sie auch einsetzen dürfen", sagte Untersteller. "Statt leichtfertig darüber zu reden, wie wir den Wolf am besten loswerden, müssen wir doch darüber nachdenken, wie wir unsere Nutztiere optimal schützen und zugleich dem Wolf das Überleben ermöglichen. Das ist unsere Aufgabe und das verstehe ich unter verantwortungsbewusstem Tier- und Artenschutz."

Tierschutzhunde-Verordnung sollte im Sinne des Bundeslandwirtschaftsministeriums ausgelegt werden. Der Minister plädierte deshalb dafür, in einem ersten Schritt die Verordnung des Bundes in Baden-Württemberg künftig - anders als bisher - im Sinne des zuständigen Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) auszulegen.

Das BMEL hatte erst im Sommer mit einem Brief klargestellt, dass es sehr wohl möglich sei, Herdenschutzhunde auf Weiden mit Elektrozäunen einzusetzen - obwohl in der Tierschutz-Hundeverordnung stromführende Vorrichtungen in Hundezwingern verboten würden.  Eine Weide sei jedoch kein Zwinger im Sinne der Verordnung, so das Bundesministerium.

"Ich finde, dass sich Baden-Württemberg dieser Haltung anschließen sollte und werde mich dafür beim zuständigen Landwirtschaftsminister einsetzen", erklärte Untersteller. Bislang vertrete das Ministerium eine andere und sehr strenge Linie in dieser Frage, die dem Herdenschutz entgegenstehe. In einem zweiten Schritt, so Untersteller weiter, sei es dringend geboten, dass Baden-Württemberg sich in Berlin für eine Anpassung der Tierschutzhunde-Verordnung einsetze.

Tierschutz sei natürlich ein hohes Gut, sagte Untersteller, aber wenn die Verordnung beispielsweise verlange, dass für Hunde, die im Freien eingesetzt werden, ein witterungsgeschützter und wärmegedämmter Liegeplatz zur Verfügung stehen muss, dann sei das auch eine Vorschrift zu Lasten der Wanderschäferei in Baden-Württemberg und anderswo.

"Wandern mit einer gedämmten Hundehütte unterm Arm geht einfach nicht", sagte Untersteller. "Die Wanderschäferinnen und -schäfer leisten aber eine unverzichtbare Arbeit zum Erhalt unserer Kulturlandschaften. Wenn wir ihnen helfen wollen, ihre Herden und Existenz mit Schutzhunden zu schützen, müssen wir das Nötige dafür auch tun. Das geht meiner Auffassung nach ohne den Tierschutz zu schleifen."

Eine Expertenrunde aus der Region beantwortet am Donnerstag, 1. März, bei einer städtischen Informationsveranstaltung:

Moderiert wird die Diskussion in Bühl im Friedrichsbau von 19 bis 21 Uhr von Axel Wagner, Biologe und SWR-Wissenschaftsredakteur. Weitere Teilnehmer sind Wolfsexperte Peter Sürth (Tier- & Wildtiermanagement), Kristina Schreier (Infozentrum Kaltenbronn), Dr. Rudi Suchant (Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt), Axel Pfannstiel als Vertreter der örtlichen Jäger, Heidrun Zeus (Rangerin Nationalpark) sowie Schafzüchter Sven Svensson.

Zuvor, ab 18.30 Uhr, gibt Dr. Rudi Suchant von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt aus Freiburg im Rahmen der öffentlichen Sitzung des Waldausschusses erste Einblicke in die "Rotwildschutzkonzeption Nordschwarzwald" – ein neuartiges Management-Konzept, das jagdfreie Bereiche und Beobachtungen von frei lebenden Rothirschen ermöglichen soll.

(Quelle: UM.bw/HIN)