Borkenkäfer setzen Fichten zu

Erstellt: Montag, 10. September 2018

(proh). In den vergangenen Wochen haben die Waldbrände in Kiefernforsten für bundesweite Aufmerksamkeit gesorgt. In Fichtenforsten ist derzeit eine Vermehrung von Borkenkäfern zu beobachten, die zum Absterben von Fichten führt. Im Rahmen von sogenannten Waldschutzmaßnahmen werden auch Pestizide zum Schutz des Holzes und der angrenzenden Forste eingesetzt. Besonders betroffen von Borkenkäfermassenvermehrungen dürften Bundesländer mit einem hohen Fichtenanteil sein. Dazu zählt auch Baden-Württemberg.

„Die Fichtenforste machen seit vielen Jahren sehr deutlich, wie anfällig sie gegenüber extremen Wetterereignissen sind. Dürre und Hitze haben in diesem Jahr auch den Borkenkäfer-Befall begünstigt, das Insekt hatte bereits mit einem warmen April optimale Bedingungen. Auch haben durch Stürme vorgeschädigte Wälder dem Borkenkäfer weniger entgegenzusetzen“, sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. 

„Ein umsichtiges Handeln der Förster und Waldbesitzer ist der beste Schutz vor unerwünschten Waldschäden durch den Borkenkäfer. Die Forstexperten der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt stellen derzeit eine verstärkte Aktivität der gefährlichen Rindenbrüter fest. Jetzt ist wieder die Zeit für eine Kontrolle gefährdeter Waldbestände“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk.

Trockene Witterung und die derzeit erhöhten Temperaturen würden einerseits die Abwehrkraft der Bäume schwächen und andererseits die Entwicklung der Käfer begünstigen. Die Fangzahlen in den Käfer-Überwachungsfallen hätten rasant zugenommen, die Wahrscheinlichkeit für einen Befall stehender Bäume sei demnach derzeit recht hoch. Der Witterungsverlauf der nächsten acht Wochen sei für die weitere Entwicklung des Käfergeschehens entscheidend. Werde es heiß und trocken, drohe Gefahr.

„Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass unsere Strategie zur Bekämpfung der Borkenkäfer aufgeht. Eine saubere Waldwirtschaft ist die Grundlage für gesunde und leistungsfähige Nadelholzbestände“, erklärte der Minister. Obwohl es in den vergangenen Jahren immer wieder „käferfreundliche“ Witterungsverläufe gegeben habe, seien größere flächendeckende Schäden im Land verhindert worden. Außergewöhnliche Sturm- oder Schneebruchschäden, die oft Massenvermehrungen des Borkenkäfers nach sich zögen, hätte es in den letzten Jahren in Baden-Württemberg praktisch nicht gegeben.

„Unser Vorgehen zielt darauf ab, dem Käfer bruttaugliches Material zu entziehen und befallene Bäume rechtzeitig vor Ausflug der Käfer unschädlich zu machen. Aufgearbeitete Stämme werden in Absprache mit der Holzindustrie rasch aus dem Wald abgefahren oder vor Ort entrindet. Ein besonderes Augenmerk richten die Förster auf die Kontrolle von liegendem Holz und stehenden Bäumen“, sagte der Minister. Dabei lasse sich ein Käferbefall bereits im Anfangsstadium durch Bohrmehl oder Harztropfen recht gut erkennen.

„Aus den Fehlern der vergangenen Jahrzehnte müssen wir schneller lernen. Gerade im öffentlichen Wald dürfen wirtschaftliche Interessen beim Waldbau nicht das Maß der Dinge sein. Es zeigt sich immer wieder  – je naturnäher der Wald, desto weniger anfällig ist er gegen extreme Wetterereignisse, die durch den Klimawandel immer häufiger auftreten“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Miller.

Die Fichte (Picea abies) gehört zum natürlichen Baumartenspektrum in Deutschland. Allerdings käme sie von Natur aus in Deutschland nur in den höheren Lagen der Mittelgebirge und in den Alpen vor. Auf Grund der Nutzungsgeschichte der Wälder und den ökonomischen Interessen der Forst- und Holzindustrie hat die Fichte heute immer noch einen Anteil von 25 Prozent, mit abnehmender Tendenz.

Durch die Bildung von Harz können sich die Fichten gegen Borkenkäfer wehren. Zur Harzbildung wird Wasser benötigt, welches momentan den Bäumen aufgrund der anhaltenden Trockenheit nicht zu Verfügung steht. Gleichzeitig profitieren die Borkenkäfer von den hohen Temperaturen und können sich gut vermehren. Zur Bekämpfung der Borkenkäfer werden auch Pestizide im Rahmen der sogenannten Polterspritzung, wobei im Wald lagerndes, geerntetes Holz mit einem Insektizid behandelt wird,  eingesetzt.

„Wir können aber nicht über Jahre mit Gift gegen die Klimaveränderung ankämpfen. Kurzfristige Lösungen sind nicht vorhanden. Mittel- bis langfristig hilft nur der Waldumbau hin zu naturnahen Laub- und Mischwäldern. Der Trend der Forstwirtschaft, Fichten durch Douglasien und andere schnellwachsende Nadelbaumarten zu ersetzten, verhindert die Entwicklung naturnaher Waldstrukturen und muss beendet werden“, fordert der NABU-Waldexperte Stefan Adler.

Kennzeichen eines Käferbefalls sind:

  1. braunes Bohrmehl auf der Rinde, unter Rindenschuppen, auf Spinnweben, am Stammfuß und auf der Bodenvegetation,
  2. Harztröpfchen und Harzfluss am Stamm, vor allem am Kronenansatz,
  3. helle Flecken, sogenannte „Spiegel“, auf der Rinde durch die Tätigkeit der Spechte, wodurch größere Rindenstücke abfallen und das helle Splintholz sichtbar wird,
  4. charakteristische Fraßbilder unter der Rinde,
  5. Rötung,
  6. Abfall grüner oder roter Nadeln.

Kontrollieren Sie Ihre Wälder! Zu kontrollieren sind:

  1. alle stehenden Fichtenbestände,
  2. nach Schadereignissen, Hiebsmaßnahmen und Pflegeeingriffen liegengebliebenes, bruttaugliches Material,
  3. aufgearbeitetes, in der Nähe gefährdeter Bestände lagerndes Nadelholz.

Wann und wie häufig kontrollieren?

  1. Ab jetzt bis September.
  2. Je nach Gefahrenlage im ein- bis zweiwöchigen Turnus.
  3. Kontrollen aussetzen bei starkem Wind oder Regen, da Bohrmehl weggeweht beziehungsweise abgewaschen werden kann.

Wo soll kontrolliert werden?

  1. Kontrollen gezielt im Bereich vorjähriger Befallsorte.
  2. In südexponierten Lagen und an aufgerissenen Bestandesrändern.
  3. An Rändern von Windwurf- und Schneebruchnestern.
  4. In allen Fichtenbeständen bei entsprechender Gefahrenlage.
  5. An Jungwüchsen bei der Gefährdung durch Kupferstecher.

Wie kann kontrolliert werden?

  1. In älteren Beständen einzeln, das heißt Baum für Baum.
  2. Befallene Bäume für den Einschlag auffällig markieren.

Kann das Holz nicht rechtzeitig aus dem Wald gebracht werden, sind folgende Verfahren zu überlegen:

  1. Hacken, oder Stämme entrinden, sofern die Käfer noch nicht entwickelt sind.
  2. Zur Reduktion des Befallsrisikos ist es erforderlich, vorhandenes bruttaugliches Material (frische Fichtenkronen, Resthölzer und Reisigmatten) unverzüglich aufzuarbeiten (Hacken, Mulchen, Abfahren). Frischer Stehendbefall durch den Kupferstecher ist nicht erkennbar. Daher ist es umso notwendiger, liegendes bruttaugliches Material auf Kupferstecherbefall hin zu kontrollieren und bei Befall unverzüglich aufzuarbeiten.

 

Aktuelle Waldschutz-Info der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (PDF)

Borkenkäfer-Flyer (PDF)

siehe auch:

Deutsche Waldtage

Hitze | Trockenheit | Dürre

Jetzt laufen sie wieder

Drohnen im Wald 

(Quelle: NABU/UM.bw/HIN)