Streuobsttag 2018

Erstellt: Mittwoch, 12. September 2018

Bietigheim (proh). Nahezu alle Obstbäume tragen in diesem Herbst Früchte, aber nicht alle Obstbaumbesitzer kennen ihre Sorten, weil bei der Pflanzung des Baumes die Sorte, sein Standort und das Pflanzjahr nicht dokumentiert wurden. Kreisfachberater Uwe Kimberger weiß, dass viele Baumbesitzer keine Unterlagen zu ihren Obstbäumen haben. Seit den 1980er Jahre bemühen sich Naturschützer, Landwirte, öffentliche Hand und Keltereien vermehrt um Schutz und Förderung der Streuobstbestände. Motivation hierfür sind die Bedeutung des Streuobstbaus für Landschaftspflege und Naturschutz.  

Streuobstbau ist eine Form des Obstbaus, bei dem mit umweltverträglichen Bewirtschaftungsmethoden Obst auf hochstämmigen Baumformen erzeugt wird. Die Bäume stehen im Gegensatz zu niederstämmigen Plantagenobstanlagen häufig "verstreut" in der Landschaft. Auch hochstämmige Obstalleen an Feld- und Fahrwegen (Straßenobst), in Hausgärten oder hochstämmige Einzelbäume in der freien Landschaft gehören zum Streuobstbau.

Streuobstbeständen gemeinsam ist die regelmäßige Nutzung sowohl der Hochstamm-Obstbäume (Obernutzung) als auch der Flächen unter den Bäumen (Unternutzung). Die umweltverträgliche Nutzung eines Streuobstbestandes schließt die Anwendung synthetischer Behandlungsmittel wie Pestizide und Dünger aus.  

Die häufigste Anlageform ist die Streuobstwiese, bei der hochstämmige Obstbäume auf Wiesen, Weiden oder Mähweiden stehen. Nach NABU-Schätzungen existieren bundesweit rund 300'000 Hektar Streuobstbestände, davon über 95 Prozent Streuobstwiesen. Andere Streuobstbestände sind flächenhafte Anpflanzungen von Hochstamm-Obstbäumen auf ackerbaulich oder gärtnerisch genutzten Flächen, sogenannte Streuobstäcker. Diese waren Anfang des 20. Jahrhunderts insbesondere auf ehemaligen Weinbaulagen weit verbreitete und kommen heute nur noch selten vor.

Gefährdet waren Streuobstbestände in den 1950er bis 1970er Jahren durch teils öffentlich geförderte Rodungen, die meist die Umwandlung in niederstämmige Monokulturen zum Ziel hatten. Heutzutage sind Streuobstbestände direkt am stärksten durch Bebauung, in Ballungsräumen durch Intensivierung in Gartengrundstücke mit englischem Rasen, Zäunen, Hütten und Nadelbäumen sowie in ländlichen Räumen durch Nutzungsaufgabe und Verbrachung gefährdet. 

Ursache hierfür ist die häufig mangelnde Rentabilität des Streuobstbaus im Vergleich zu den rationeller zu bewirtschaftenden Niederstamm-Anlagen. Dies gilt insbesondere für den Tafelobstbau. Bei der Direktvermarktung von Saft und der Kleinbrennerei war und ist die Streuobst-Bewirtschaftung dennoch vergleichsweise rentabel. Die getrennte Erfassung und Vermarktung von Streuobstprodukten bringt einen Marktwert von über 15 Millionen Euro mit sich. 

"Die Streuobstwiesenbewirtschafterinnen und -bewirtschafter haben uns deutlich ihr Engagement vor Augen geführt. Das beeindruckt uns und motiviert uns dazu, die Pflege und Nutzung von Streuobstwiesen weiterhin auf verschiedenen Wegen zu unterstützen. Das Ministerium erarbeitet nun Vorschläge zur Weiterführung der Baumschnittförderung und zu weiteren Maßnahmen, mit denen wir in Zukunft den Streuobstbau fördern können", so der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk.

Seit 2016 fördert das Land Baden-Württemberg mit der fünfjährigen Förderung ‚Baumschnitt‘ den fachgerechten Schnitt von Streuobstbäumen. Die Streuobstwiesen sind ein wichtiger Teil der Kulturlandschaft Baden-Württembergs. Nur durch Pflege und Nutzung kann dieser artenreiche Lebensraum bestehen bleiben. Eine Evaluierung der Baumschnittförderung hilft nun bei der Entscheidung, wie es mit der Landesförderung weitergeht.

STREUOBSTTAG IM LANDKREIS

Das letztjährige, ertragslose Obstjahr hat dazu geführt, dass in diesem Frühjahr die Obstbäume auf den Streuobstwiesen und in den Hausgärten mit einer überreichen Blüte reagierten. Ideale Blüh- und Bestäubungsbedingungen sorgten dafür, dass Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäume nun voller Früchte hängen. Die Vorfreude auf eine üppige Ernte wird allerdings dadurch getrübt, dass viele Bäume mittlerweile unter der Fruchtlast leiden.

"Das stetig zunehmende Fruchtgewicht belastet die Tragäste und bringt diese zum Abkippen", erklärt ein Obst- und Gartenbauexperte. "Durch die abgesunkenen Äste wird die Befahrbarkeit der Wiese stark behindert. Nimmt die Fruchtlast weiter zu, können die Äste oder sogar der ganze Baum zusammenbrechen." In den letzten Tagen haben solche Baumschäden in den Obstwiesen der Region deutlich zugenommen.

Mit zunehmender Fruchtreife werden sich diese Schäden noch ausweiten, ist zu befürchten. Besitzer von Streuobstwiesen und Gärten sollten daher nun unbedingt ihre Obstbäume kontrollieren und Äste mit hohem Fruchtbehang abstützen. Besonders belastend sind Früchte am äußeren Teil der Äste. "Hilfreich wäre es, zumindest diese Astbereiche durch Abschütteln der Früchte zu entlasten", rät der Experte zu einer schnell umsetzbaren Notmaßnahme, um dem Ast- oder Baumbruch vorzubeugen. Verstärkt soll in diesem Jahr für Obst-Sammelaktionen geworben werden.

Fallobst von Äpfeln, Birnen oder Mirabellen oder auch Obstreste vom Abpressen für Säfte können nicht auf den Grüngutsammelplätzen angenommen werden. Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises weist darauf hin, dass der richtige Verwertungsweg für Kleinmengen von Fruchtabfällen die Biotonne ist. Größere Mengen können direkt zu den Kompostieranlagen im Landkreis gebracht werden. Dies sind der Kompostierbetrieb Jakob in Iffezheim und die Kompostanlage Vogel in Bühl-Vimbuch. Bei den Kompostierbetrieben wird das Material zügig verarbeitet.

Alljährlich kommen viele Obstbauer zur Beratungsstelle für Obst- und Gartenbau im Landratsamt, um sich bei den Fachberatern über ihre Sorten zu informieren. Auch bei Obstausstellungen in der Region besteht die Möglichkeit, die Sorte ausfindig zu machen. 

Die Sortenbestimmung ist beim diesjährigen Streuobsttag am 16. September im Bürgerzentrum "Alter Tabakschuppen" in Bietigheim möglich. Dort wird in der Zeit von 14 bis 17 Uhr Deutschlands meistgefragter Pomologe Eckhart Fritz kostenlos die Sorten bestimmen. Er ist Mitarbeiter des Kompetenzzentrums Obstbau Bodensee (KOB) in Bavendorf und kennt alle aktuellen und alten Apfelarten [ Programm].

Ein weiterer Weg ist die Einsendung von fünf typischen Früchten mit Baumbeschreibung an das Kompetenzzentrum. Dort bestimmen amtliche Landespomologen die Sorte, falls erforderlich durch ihren genetischen Fingerabdruck. Der Flyer zum Streuobsttag 2018 und die Liste über Obstausstellungen in der Region können bei der Beratungsstelle für Obst- und Gartenbau unter eMail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! angefordert werden.

Weiterhin rät die Beratungsstelle, dass insbesondere Steinobst wie Zwetschgen und Mirabellen von den Bäumen gepflückt werden sollten. Dies sei erforderlich, damit es nicht zu gravierenden und nachhaltigen Astschäden komme. Allerdings darf Fallobst nicht gehäuft an die Stämme der Bäume gelegt werden. Hier droht im Winter ein massiver Befall mit Feldmäusen, da auch diese sich aufgrund des warmen und trockenen Jahres stark vermehrt haben. Das flächige Liegenlassen auf den Wiesen ist laut Beratungsstelle auch keine Lösung, da im Winter Wildschweine auf die Flächen gelockt werden könnten. 

Alternativ besteht die Möglichkeit der Aufschichtung des Fallobstes zu einer Art Kompostmiete, die allerdings mit Erde oder Gesteinsmehl abgedeckt werden sollte. Wer einen Brandweinhersteller (Brenner) kennt, kann zudem anfragen, ob noch Bedarf an Brennmaterial vorhanden ist. Die Saftereien und Keltern haben dieses Jahr bereits früher mit der Verarbeitung begonnen, um die anfallenden großen Obstmengen verarbeiten zu können. Auch die Gemeinden mit Keltern haben diese schon geöffnet und zusätzlich mobile Saftpressen bestellt. 

„Ein Streuobstjahr wie dieses ist für die Obstpressen im Landkreis Rastatt eine Herausforderung“, sagt Kreisfachberater Uwe Kimberger von der Beratungsstelle für Obst- und Gartenbau im Landratsamt. Der Verkaufspreis für Mostobst habe den niedrigsten Stand seit über 20 Jahren erreicht. Rechtzeitig in diesem starken Erntejahr ist laut Kimberger das altbekannte Saftmobil aus Lichtenau wieder im Landkreis Rastatt im Einsatz.

Beim diesjährigen Streuobsttag wird die rollende Saftereil gegenüber dem Bürgerhaus „Alter Tabakschuppen“ beim Sportplatz Bietigheim stehen und Most sowie Apfelsaft pressen. Der Most kann in Kanister und der Apfelsaft in 3- oder 5 Liter- Beutel abgefüllt werden. So ist der Saft von eigenem Obst über zwei Jahre haltbar. Das Saftmobil wird um 10:30 Uhr mit der ersten Saftpressung starten. Mindestmenge sollten 50 kg Obst sein. 

Das Saftmobil kommt übrigens am 14. September ab 10 Uhr auch zum Gelände des Obst- und Gartenbauvereins Haueneberstein. Da können Privatleute ihr Obst genauso anliefern, wie Bürger, die einen städtischen Baum gepachtet haben. Der eigene Saft kann dann in 3- oder 5-Liter-Boxen abgefüllt werden. Es gilt die Preisliste des Saftmobils Malsch.

♦ Informationen rund um Streuobst gibt es auf dem Streuobstportal des Landes unter www.streuobst-bw.info.

siehe auch: Erhalt der Streuobstwiesen

(Quelle: NABU/Lara/HIN)