Baum des Jahres

Erstellt: Dienstag, 02. Januar 2018

(joER). Bereits zum 30. Mal wurde der Baum des Jahres ausgerufen. Für 2018 entschied sich die gleichnamige Stiftung für die Ess-Kastanie, auch Edel-Kastanie genannt. Damit steht ein Baum im Mittelpunkt, der aufgrund seiner Früchte bei der Bevölkerung sehr beliebt  ist, im Wald jedoch eher selten vorkommt - noch. Wer den Baum des Jahres 2018 einmal genauer in Augenschein nehmen will, kann dies besonders gut im Karlsruher Schlossgarten tun. Dort steht direkt am See, leicht zu finden dank ihres mächtigen Stammes, die wohl älteste Ess-Kastanie der Stadt.

Der botanische Blick richtet sich 2018 auf eine in Deutschland eher seltene Baumart: Die Ess-Kastanie. Wo sie wächst überrascht Castanea sativa jedoch mit kulinarischer  wie praktischer Vielseitigkeit – und nicht zuletzt mit ihrer reizvollen Blütenpracht. Schirmherr Minister Peter Hauk (MdL) freut sich auf ein wegweisendes Jahr für die Ess-Kastanie.

Wann die ersten Ess-Kastanien ihre Zweige in den Himmel des heutigen Deutschlands reckten ist nicht sicher überliefert. Die Griechen etablierten den Baum im Mittelmeerraum, bereits in der Bronzezeit fanden sich Anbaugebiete in Südfrankreich. Gut möglich, dass die eine oder andere Ess-Kastanie sich schon damals über Handelsrouten nach Germanien verirrt hat.

Die Römer brachten sie schließlich gezielt vor rund 2000 Jahren über die Alpen, erkannten die günstigen botanischen Voraussetzungen und etablierten die Art besonders entlang des Rheins. Fortan waren Weinbau und Ess-Kastanie nicht mehr voneinander wegzudenken: Aus dem gegen Verrottung erstaunlich resistenten Kastanienholz fertigten Winzer Rebstöcke – meist wuchs der Ess-Kastanienhain direkt oberhalb des Weinbergs. Das Holz erwies sich weiter als brauchbares Material für den Hausbau, Fassdauben, Masten, als Brennholz und Gerberlohe.

Heute sind vor allem südwestdeutsche Regionen ihre Heimat, allen voran die badischen  Weinbauregionen. Und auch in Zukunft will man bei uns auf die Ess-Kastanie setzen: Die mediterrane Baumart ist sowohl wärme- als auch trockenheitsresistent und gilt daher als ein Gewinner im Klimawandel.

Deshalb freut sich Ulrich Kienzler, Leiter des Forstamts Karlsruhe, besonders über diese Entscheidung: "Im Zuge des Klimawandels kann der Ess-Kastanie noch eine wichtige Rolle in  unseren heimischen Wäldern zuteil werden. So ist zum Beispiel im  Karlsruher Hardtwald in jüngster Zeit vermehrt eine natürliche Verjüngung dieser wärmeliebenden Baumart zu beobachten."  

Das Kuratorium Baum des Jahres schlug den Jahresbaum vor

Die Stiftung Baum des Jahres hat entschieden: 2018 soll im Zeichen der Ess-Kastanie stehen. „Die Ess-Kastanie hat eine recht junge Geschichte in unseren Breiten“ erklärt die Deutsche Baumkönigin 2018 „Sie gilt zwar nicht als heimische Baumart, gehört aber – zumindest in Südwestdeutschland – längst in die über Jahrtausende entstandene Kulturlandschaft.“

Obwohl die Ess-Kastanie sich in Deutschland nicht im Wuchsoptimum befindet kommt sie gut mit den klimatischen Bedingungen unserer Breiten zurecht. Eine Baumart die anpassungsfähig und wärmeresistent ist – da horcht heute mancher Forstbotaniker auf. Ist die Ess-Kastanie also ein Retter im Klimawandel? Das lässt sich so einfach nicht beantworten.

Bisher ist Castanea sative eher ein Parkbaum, im Wald findet man sie selten. Doch Forstleute forschen seit einigen Jahren, unter welchen Bedingungen die Ess-Kastanie in unseren Wäldern hochwertiges Holz für langlebige Bau- und Möbelholzprodukte liefern könnte.

Als freistehender Baum bildet die Ess-Kastanie häufig eine mächtige Krone und einen bis zu zwei Meter dicken Stamm aus, der in der Jugend  noch glatt, im Alter dann gräulich tiefe Furchen aufweist. Gut zu erkennen ist sie auch an ihren länglichen, grob gezähnten Blättern oder an ihrer gelben Blütenpracht im Frühsommer.

Aufgrund ihrer Ästhetik ist sie häufig in Parks und Gärten zu finden. Übrigens: Die Ess-Kastanie gehört zu den Buchengewächsen, hat also bis auf den Namen und den stacheligen Schutz der Früchte nichts mit der Rosskastanie gemein.

Bekannt ist die Ess-Kastanie aber vor allem wegen ihrer leckeren Früchte, den Maronen, die heute auf keinem Weihnachtsmarkt fehlen dürfen. Und auch in der Küche hält sie als Beilage, Suppe oder im  Kuchen immer häufiger Einzug. Dabei  hat der Baum mehr als nur seine Früchte zu bieten: Mit seiner besonderen leicht bitteren Note erfreut sich auch der Kastanienhonig großer Beliebtheit.

Sobald im Herbst die stacheligen Kugeln aufspringen, heißt es für Sammlerinnen und Sammler schnell sein. Denn auch viele Waldbewohner wie Wildschweine oder Eichhörnchen freuen sich über diesen nahrhaften Leckerbissen.

"Die Ess-Kastanie  ist eine große Bereicherung für unsere Wälder. Ihre  Blüten und Früchte bieten Nahrung für Tiere und Insekten, ihr Strukturreichtum dient zahlreichen  Bewohnern als Lebensraum und natürlich trägt sie als seltene Baumart zur Artenvielfalt zwischen Hauptbaumarten wie Buche und Eiche bei", fasst Kienzler die Vorzüge zusammen.

Wer den Baum des Jahres 2018 einmal genauer in Augenschein nehmen will, kann dies besonders gut im Schlossgarten tun. Dort steht direkt am See, leicht zu finden dank ihres mächtigen Stammes, die wohl älteste Ess-Kastanie Karlsruhes. 

(Quelle: UM.bw/HIN)