Wunderwelt der Pilze

Erstellt: Donnerstag, 19. Oktober 2017

Gaggenau (joER). Mit dem Pilzsachverständigen Reinhold Schneider versammelten sich mit Körbchen, Messer und Hut am Waldseebad jüngst über 30 Kinder, um in die Wunderwelt der Pilze einzutauchen. "Auf dem Tisch liegen nicht wie vermutet Pilze, sondern nur deren Früchte, dies ist vergleichbar mit den Äpfeln eines Apfelbaums", erklärte Schneider gleich zu Beginn den Kindern, als diese den reich gedeckten Tisch bestaunten. Der Fruchtkörper eines Pilzes besteht aus einem Hut mit der darunterliegenden Fruchtschicht mit Sporen und meist mit einem Stiel. Der Pilz selbst ist ein weitverzweigtes Fadengeflecht (fachlich das Myzel), das sich unter der Erde oder im Holz befindet.

Interessierte Kinder zwischen sechs und zehn Jahren konnten an der Aktion "Umwelt-Champions" mitmachen, die auch dieses Jahr von der Stadt Gaggenau angeboten wurde. Das vielseitige Programm mit dem Ziel, Kinder für die Natur zu begeistern, umfasste viele interessante Erlebnisse und spannenden Aktionen mit Künstlern und Mitarbeitern der Stadtverwaltung Gaggenau und verschiedenen Naturexperten, die die Erkundung der Lebenswelten von Insekten, Lurchen, Fledermäusen und Pilzen fachkundig begleiteten. Bei tollen Spielen zum Thema Pilze hatten die Jungen und Mädchen sichtlich Spaß und erfuhren Wissenswertes rund um den Pilz, etwa dass sie für den Wald unverzichtbar sind.

Pilze sind neben Pflanzen und Tieren ein ganz eigenes Reich. Man geht davon aus, dass es in einem Lebensraum ca. sechsmal so viele Pilz- wie Pflanzenarten gibt – und Pilze sind in unserem täglichen Leben häufiger als vermutet. Dabei ist der Artenreichtum der Pilze wesentlich größer – aber da wir nur kurze Zeit ihre Fruchtkörper sehen, nehmen wir ihr verborgenes Wirken kaum wahr.

Als „Müllabfuhr“ des Waldes sorgen sie dafür, dass jedes verrottende Blatt und Holz wieder in den Kreislauf zurückgebracht wird. Einige Tiere wie Asseln, Regenwürmer, Borkenkäfer etc. helfen ihnen dabei. Die schwer verdaulichen Holzbestandteile können sie allerdings auch nur verdauen, weil ihnen Pilze im Darm dies ermöglichen.

Einige Pilzarten versorgen die Bäume mit Wasser und Mineralien. Im Gegenzug geben die Bäume den Pilzen einen Teil ihres Zuckers ab. Andere Pilzarten haben sich wiederum auf den Abbau von Laub und Todholz spezialisiert. Doch auch in der Pilzwelt gibt es "Schmarotzer", wie etwa den Hallimasch, der unter die Rinde eindringt und dort dem Baum die Nährstoffe entzieht. Für den befallenen Baum bedeutet dies in den meisten Fällen den sicheren Tod.  

Das Reich der Pilze ist ebenso alt wie das der Landpflanzen. Ohne diese gemeinsame Entwicklung in der Evolution wäre es dem einen vermutlich ohne den anderen nicht möglich gewesen, sich weiter zu entwickeln und gemeinsam solch ein komplexes Ökosystem von Auf- und Abbau aufrecht zu erhalten. Bereits vor 5000 Jahren hatte der Steinzeitmensch Ötzi auf seiner Flucht über die Alpen einen Zunderschwamm und einen Birkenporling im Gepäck. Letzteren verwendete er als Medizin gegen seine Magenbeschwerden.

Nicht nur die Steinzeitmenschen kannten die Vorzüge der Pilze, auch heute werden viele Pilze industriell genutzt, wie beispielsweise zur Herstellung der Zitronensäure für Zitronenlimonade oder Enzyme für Waschmittel.

siehe auch:

Artikel: Heimische Pilze – einfach lecker - aber auch nicht ungefährlich!

Termin: Der unmögliche Lebenswandel der Schleimpilze 

(Quelle: StVwGAG/HIN)