PEFC -Erholungswald

Erstellt: Montag, 11. September 2017

Rastatt (proh). Im vergangenen Jahr erhielt der Rastatter Stadtwald von der Organisation PEFC das Zertifikat "Erholungswald" – dank eines vorbildlich erarbeiteten Konzepts des städtischen Kundenbereichs Forst. Nun soll dieses Erholungswaldkonzept von den Rastatter Waldbesucherinnen und -besuchern auf Herz und Nieren geprüft werden: Was halten sie von "ihrem" Erholungswald? Gibt es mögliche Schwachstellen im Konzept? Gibt es Ideen und Wünsche zur Verbesserung? Um das herauszufinden, veranstaltet der Kundenbereich Forst in Kooperation mit der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg einen Waldtag.

Spazieren gehen, Joggen, Radfahren, den Alltag in der Stille der Bäume vergessen – es sind viele Anlässe, die einen großen Teil der deutschen Bevölkerung seit jeher in die Wälder kommen lassen. Der Wald in Deutschland ist in einem guten Zustand, wie aus dem als Unterrichtung der Bundesregierung vorliegenden Waldbericht 2017 hervor. Die Waldfläche betrage insgesamt mehr als elf Millionen Hektar und damit 32 Prozent der Landesfläche hervorgeht. Die Flächenveränderungen zwischen den Jahren 2002 und 2012 fallen laut Bericht gering aus.

Einem Waldverlust von 58.000 Hektar stünden 108.000 Hektar neuer Wald gegenüber. Der Wald werde von vier Baumarten geprägt. Die Fichte stelle mit rund 2,8 Millionen Hektar und 25 Prozent der Waldfläche die häufigste Baumart. Der Fichtenanteil sei mit minus acht Prozent allerdings rückläufig. Die Kiefer folge mit 2,4 Millionen Hektar und 22 Prozent der Waldfläche und verzeichne ein Rückgang von drei Prozent.

Dritthäufigste Baumart sei die Buche mit rund 1,7 Millionen Hektar und 15 Prozent Waldflächenanteil. Die Buchenfläche habe zudem um sechs Prozent zugenommen. An vierter Stelle stehe die Eiche mit 1,1 Millionen Hektar und zehn Prozent der Waldfläche bei einem Flächenzugewinn von sieben Prozent. Das Durchschnittsalter der Bäume sei im Vergleich zum Jahr 2002 um viereinhalb Jahre auf 77 Jahre gestiegen.

Für die Holzwirtschaft bilde derzeit die Fichte die wichtigste Grundlage für die Wertschöpfung. Bei einem Anteil von nur 25 Prozent der Waldfläche und 33 Prozent des Vorrats hätten Fichten in der letzten Dekade mit 52 Prozent überproportional zum Holzaufkommen beigetragen. Die Wertschöpfung der Holzwirtschaft basiere zum überwiegenden Teil auf Nadelholz mit 77 Prozent der inländischen Rohholzverwendung.

Heimische Laubbaumarten seien in ihren technologischen Eigenschaften nicht mit Nadelholz vergleichbar und Massenprodukte aus Laubholz im Baubereich zudem kaum konkurrenzfähig und verfügbar. Derzeit werde das Laubholz überwiegend energetisch genutzt. Die Entwicklung von markttauglichen Laubholzprodukten sei deshalb eine der wichtigsten und anspruchsvollsten Aufgaben von Forschung und Entwicklung in der Forst- und Holzwirtschaft.

PEFC trägt dieser Entwicklung mit dem seit 2015 eingeführten Erholungswaldzertifikat Rechnung, denn PEFC-zertifizierte Waldbesitzer können über die nachhaltige Bewirtschaftung ihrer Wälder hinaus ihr besonderes Engagement für Erholungsuchende belegen. Neue Trendsportarten wie Geocaching, Mountainbiken oder Slacklining haben zusätzlich dazu beigetragen, dass die Ansprüche an den Erholungswald gestiegen sind – und damit auch die Ansprüche an die Arbeit der Forstleute vor Ort. 

Es musste gegenüber einem unabhängigen Zertifizierer nachgewiesen werden, dass ein Erholungskonzept für das entsprechende Waldgebiet vorliegt und umgesetzt wird. Das Konzept musste die Planung und Anlage bestimmter Infrastruktureinrichtungen (beispielsweise Bänke, etc.), die Informationsbereitstellung für die erholungsuchende Bevölkerung (Auszeichnung der Wegeführung, Informationsveranstaltungen, etc.) oder waldpädagogische Angebote umfassen. Die Umsetzung des Konzepts wird regelmäßig überwacht und zur weiteren Verbesserung angepasst.

Besuchern zeigt die Auszeichnung eines Waldgebietes als PEFC-zertifizierter Erholungswald, dass sich Waldbesitzer in besonderem Maße um die Belange der Erholungsuchenden kümmern und bestehende Erholungsmöglichkeiten kontinuierlich pflegen und erweitern, damit auch nachfolgende Generationen beste Freizeitbedingungen im Wald vorfinden. In Deutschland sind bereits 2/3 der gesamten Waldfläche PEFC-zertifiziert. Warum? Die wichtigsten Gründe sind:

Unterstützung des Kleinprivatwaldes

PEFC ist ideal an die Strukturen der mitteleuropäischen Forstwirtschaft angepasst. Durch den regionalen Ansatz kann auch der typische Familienforstbetrieb an der Zertifizierung nach PEFC teilnehmen.

Faire Kostenstruktur

PEFC ist aufgrund des Regionalberichts und der Stichprobenkontrollen kostengünstig und effizient. Die Gebührensätze sind exakt definiert und somit für jeden Waldbesitzer kalkulierbar.

Umfassender Nachhaltigkeitsansatz

PEFC geht aus dem politischen Prozess der Rio-Nachfolgekonferenzen in Helsinki und Lissabon hervor. PEFC legitimiert sich somit nicht durch eine einseitige Interpretation des Nachhaltigkeitsgedankens durch einzelne Interessengruppen. Zudem berücksichtigt PEFC alle drei Säulen des Nachhaltigkeitsgedankens gleichermaßen: Ökonomie, Ökologie, Soziales.

Integrativer Naturschutz statt Flächenstilllegung

Eine Stilllegung von Flächen ist gerade vor dem Hintergrund der Energiewende ein falscher Weg und bedeutet für Waldbesitzer den Verlust von Vermögenswerten.

Am Samstag, 16. September, können sich Interessierte bei einem etwa 3,5 Kilometer langen Spaziergang durch den Ötigheimer Wald zwischen 11 und 16 Uhr konkret und aktiv in den Prozess der Gestaltung des Erholungswaldes einbringen. An vier verschiedenen Stationen entlang des ausgeschilderten Rundwegs warten Studenten der Hochschule mit Fragen zur zukünftigen Gestaltung des Erholungswaldes. Start und Ziel des Rundwegs ist der Parkplatz bei der Fohlenweide. 

Die Stadt Rastatt als Waldbesitzer und die Studenten der Hochschule Rottenburg freuen sich auf möglichst viele Waldbesucherinnen und Waldbesucher. Denn: Die Wünsche und Meinungen der Waldbesucher sind der Stadt Rastatt als Auftraggeber dieser Erhebung besonders wichtig. Ziel der Umfrage ist es, das Erholungswaldkonzept auf seine Tauglichkeit hin zu prüfen und mögliche Schwachstellen gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern entdecken und korrigieren zu können.

Um einen möglichst großen Personenkreis in die künftigen Entscheidungen einzubeziehen, sind die Studenten auf eine rege Teilnahme der Waldbesucher angewiesen. Übrigens: Die dabei anonymisiert gewonnenen Daten kommen nicht nur der Verbesserung des städtischen Erholungswaldkonzepts zugute. Sie bilden außerdem die Grundlage für zwei Abschlussarbeiten künftiger Forstschulabsolventen. 

⇒ PEFC-Standards für Erholungswald

(Quelle: Lara/HIN)