Gesang stärkt Zusammenhalt

Erstellt: Dienstag, 03. Juli 2018

(joER). In rund zehn Prozent aller Familien in Deutschland mit Kindern im Grundschulalter wird täglich musiziert oder gesungen, bei einem knappen Drittel finden zumindest einmal wöchentlich gemeinsame musikalische Aktivitäten statt. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Prof. Dr. Gunter Kreutz vom Institut für Musik und Prof. Dr. Michael Feldhaus vom Institut für Sozialwissenschaften der Universität Oldenburg, die kürzlich in der Fachzeitschrift Musicae Scientiae erschien. Den Ergebnissen der beiden Oldenburger Wissenschaftler zufolge verbessert Musik die Familienbeziehungen langfristig.

"Das gemeinsame Singen und Musizieren wirkt sehr positiv in Familien hinein", betont Kreutz. Zusammen mit Feldhaus wertete er Daten zum Freizeitverhalten von 839 Familien mit Kindern im Alter zwischen sieben und 14 Jahren aus, die insgesamt vier Mal im Abstand von zwei Jahren befragt wurden. "Musik bewegt die Menschen seit Jahrtausenden. Und sie verbindet uns: Durch das gemeinsame Erleben von Musik und noch viel mehr durch das gemeinsame Musizieren von Musik im Chor", sagte Kunststaatssekretärin Petra Olschowski. 

Die Forscher betrachteten die Freizeitaktivitäten "Singen und Muszieren", "Bücherlesen und Geschichtenerzählen" sowie "Einkaufen". Gleichzeitig werteten sie Fragen zur Sicht der Eltern auf die Persönlichkeit ihrer Kinder aus. "Es ging zum Beispiel darum, ob die Eltern ein vertrauensvolles Verhältnis mit den Kindern haben, wie offen sie miteinander reden, wie sehr sie ihre Kinder wertschätzen und das auch im Alltag zum Ausdruck bringen", erläutert Kreutz.

Die Oldenburger Wissenschaftler nutzten Daten der so genannten pairfam-Studie (Panel Analysis of Intimite Relationships and Family Dynamics), einer 2008 gestarteten soziologischen Längsschnittstudie, die Partnerschaften und Familien in Deutschland erforscht. Sie fanden heraus, dass in Familien mit jüngeren Kindern mehr gelesen und gesungen wird als in Familien mit Teenagern, während die Rolle des Einkaufens in etwa gleich bleibt.

"Das entspricht der normalen Entwicklung, weil die Kinder mit den Jahren immer selbständiger werden", so Feldhaus. Ein weiteres Ergebnis: Der Umfang der musikalischen Aktivitäten in einer Familie hängt nicht mit dem Haushaltseinkommen zusammen, wohl aber mit dem Bildungsgrad der Eltern. "Es gibt keine ökonomische Barriere, die Eltern davon abhält, ihre Kinder regelmäßig an musikalischen Aktivitäten teilnehmen zu lassen", betonen die Autoren. Sie vermuten, dass Familien die Begeisterung für Musik von Generation zu Generation weitergeben.

Die Auswertung der Daten zeigt außerdem, dass in Familien, die viel miteinander musizieren, eine größere Vertrautheit herrscht als in jenen, in denen Musik keine wichtige Rolle spielt. Darüber hinaus beurteilten die Eltern in diesen Familien das Sozialverhalten ihrer Kinder positiver als andere Eltern. Diese Ergebnisse bestätigten Theorien, denen zufolge Musik empathische und soziale Fähigkeiten bei Kindern verbessert, so die Forscher.

Die Daten deuten außerdem darauf hin, dass Musik die nonverbale Kommunikation innerhalb einer Familie erleichtert. Die Forscher führen das darauf zurück, dass Sinneswahrnehmungen und Aufmerksamkeit beim Musizieren eine große Rolle spielen. Gemeinsame musikalische Aktivitäten bieten den Autoren zufolge überdies eine Möglichkeit, die Beiträge der Kinder zum Familienleben und ihre Fähigkeiten anzuerkennen und wertzuschätzen.

"Ich würde mir wünschen, dass mehr Eltern regelmäßig mit ihren Kindern musizieren", ist Kreutz‘ Fazit. Dass Singen und Musizieren Spaß machen, sei eine wichtige Erfahrung, auf die Menschen im Laufe ihres Lebens immer wieder zurückkommen könnten. Er plädiert daher dafür, bereits im Kindergarten mehr Wert auf musikalische Bildung zu legen. [Gunter Kreutz, Michael Feldhaus: "Does music help children grow up? Parental views from a longitudinal panel study”. Musicae Scientiae]

Tag des Gesangs in der Rastatter Innenstadt 

Am Samstag, 14. Juli, wird die gesamte Rastatter Innenstadt erklingen. Denn am "Tag des Gesangs" präsentieren zahlreiche Rastatter Chöre die Kraft und Schönheit menschlicher Stimmen. Von 10 bis circa 14 Uhr bieten die Teilnehmer/innen ein abwechslungsreiches Musikprogramm 

auf dem Marktplatz vor der Stadtkirche St. Alexander mit dem Schubert-Chor Rastatt e.V., Schulchor Johann-Peter-Hebel-Schule, Gesangverein Sängerrunde Rauental 1911 e.V., Sängerbund Niederbühl 1865 e.V., Schulchor des Tulla-Gymnasiums, Gesangverein Liederkranz Apollonia 1844 e.V., Gesangverein "Freundschaft" Ottersdorf e.V., Ensemble "Singen" der Städtischen Musikschule Rastatt undKinderchor der Städtischen Musikschule; 

bis hin zur oberen Poststraße am Museumstor mit dem Schulchor des Tulla-Gymnasiums, Gesangverein "Freundschaft" Ottersdorf e.V., Singgemeinschaft Schubert-Chor gemeinsam mit dem Bäckergesangverein Rastatt e.V., Schulchor der Johann-Peter-Hebel-Schule, Gesangverein Sängerrunde Rauental 1911 e.V., Kinderchor der Städtischen Musikschule, Sängerbund Niederbühl 1865 e.V., Gesangverein Liederkranz Apollonia 1844 e.V. 

Zum Abschluss des Tages stimmen alle Sänger/innen und Chöre vor der Stadtkirche St. Alexander um 13.30 Uhr ein gemeinsames Lied an.  

In diesem Jahr gehört der Tag des Gesangs zur neuen Reihe "KulturSOMMER" der städtischen Kulturförderung. Ins Leben gerufen wurde er bereits 2012, seither findet er alle zwei Jahre statt. Er soll zum einen den Rastatter Chören eine Plattform bieten, neue Mitglieder zu gewinnen und zum anderen den Gesang als Kulturgut fördern. Bei Regen entfällt die Veranstaltung.

Karlsruher Nacht der Chöre

Das gemeinsame Singen wird auch in der Region Karlsruhe auf mannigfaltige Weise gepflegt. Davon zeugt eine äußerst rege Chorszene, die organisatorisch in Bezug auf das Repertoire ganz unterschiedlich aufgestellt ist. Einmal jährlich treffen einige der Karlsruher Chöre zusammen und präsentieren während der Nacht der Chöre Vokalmusik vom Feinsten. Die zwölfte Ausgabe dieser Reihe beginnt in diesem Jahr in St. Stephan am Freitag, 13. Juli ab 19 Uhr.      

19:00 Uhr: Vokalensemble des St. Dominikus-Gymnasium | Judith Mammel    

19:30 Uhr: Bachchor Karlsruhe | Christian-Markus Raiser    

20:00 Uhr: Durlacher Kantorei | Johannes Blomenkamp    

20:30 Uhr: KIT Konzertchor | Nikolaus Indlekofer  

21:30 Uhr: Stephanschor Karlsruhe | Patrick Fritz-Benzing    

22:00 Uhr: Lutherkantorei | Dorothea Lehmann-Horsch    

22:30 Uhr: Cantus Solis | Anja Daecke-Mumm 

Im Stadtkirchenbezirk Karlsruhe singen in 30 Chören für Erwachsene derzeit mehr als 1'000 Sängerinnen und Sänger. Mehr als 500 Kinder sind in 20 Kinderchören aktiv. Mit vier A-Kantoraten, zwei weiteren B-Kantoraten und dem Verein "Cantus Juvenum" sei die Kirchenmusik in Karlsruhe derzeit "bestens aufgestellt", bemerkt der "Beirat für Kirchenmusik" der badischen Landeskirche. Die Etablierung der Karlsruher Gospelkirche und der 2018 zum zweiten Mal in Karlsruhe stattfindende Gospelkirchentag zeigt eine starke Resonanz "auch auf qualitativ hochwertige Popularmusik". Jährlich erreicht die evangelische Kirchenmusik in Karlsruhe in rund 120 Konzerten durchschnittlich 30'000 Besucherinnen und Besucher.

(Quelle: IfM.ob/StVwRA/HIN)