Helge Schneider geehrt

Erstellt: Freitag, 09. März 2018

Baden-Baden (pierre roh). Der Jazzmusiker, Komiker und Multiinstrumentalist Helge Schneider, Gast von Mr. M’s Jazz Club, wurde mit dem Joachim-Ernst-Berendt-Ehrenpreis der Stadt Baden-Baden ausgezeichnet. Gewürdigt wurde sein besonderes Engagement im Bereich des Jazz. Die Stadt Baden-Baden verleiht den Preis seit 2012 an international erfolgreiche Jazzmusiker. Im Bénazetsaal des Kurhauses wurde Helge Schneider zudem gebeten, sich im Beisein von Oberbürgermeisterin Margret Mergen in das Goldene Buch der Stadt Baden-Baden einzutragen. Er kam der Bitte gerne nach und das nicht, wie vorgesehen auf der Bühne, sondern mitten im Publikum. 

Seit 2012 verleiht die Stadt Baden-Baden im Rahmen des Mr. M´s Jazz Festivals den Joachim-Ernst-Berendt-Ehrenpreis an international erfolgreiche Jazzmusiker. Gestaltet wurde die individuell angefertigte Statue von Markus Lüpertz. Empfänger waren bisher Klaus Doldinger (2012), Paul Kuhn (2013), Till Brönner (2014), Patti Austin (2015), Nils Landgren (2016) und Wolfgang Haffner (2017). Joachim-Ernst Berendt (*20. Juli 1922, Berlin-Weißensee | 4. Februar 2000, Hamburg) war ein deutscher Musikjournalist und -produzent in der Musikgattung Jazz.

Der "Jazzpapst", ein Begriff, den er nicht gerne hörte, "da der Papst nicht swingt",  war über vierzig Jahre lang Redakteur beim damaligen Südwestfunk in Baden-Baden, damit der dienstälteste Jazzredakteur auf dem Planeten und ist mit zwei Jazzpreisen verbunden: Den einen, den SWR Jazzpreis, hat er 1981 als SWF Jazzpreis selbst begründet; dotiert mit 15'000 Euro stellt er eine der renommiertesten deutschen Auszeichnungen dieser Gattung dar. Der andere ist der Joachim-Ernst-Berendt-Ehrenpreis.

Den undotierten Ehrenpreis der Stadt Baden-Baden erhielt dieses Jahr Helge Schneider (* 30. August 1955 in Mülheim an der Ruhr | Ortsteil Styrum) - in der Preisbegründung als "Tausendsassa", "Universalgenie", "Ausnahmekünstler" bezeichnet - vor seinem Auftritt beim Mr. Ms Jazz Club im Kurhaus Baden-Baden. "Ich glaube das ist ein toller Preis, den werde ich mir auch öfter mal angucken", so Schneider. Ausgezeichnet wurde er für sein besonderes Engagement im Bereich Jazz-Musik.

Einen größeren Bekanntheitsgrad erzielte Helge jedoch nicht mit seinen Jazz-Interpretationen, sondern durch Bühnenauftritte, in denen der Unterhaltungskünstler Klamauk und Parodien mit Tonfolgen verbindet und durch Improvisationstalent die Musikgattung Jazz auch einem Publikum näher bringt, das bisher diesem Sound nicht unbedingt positiv gegenüberstand. Musik an! Welt aus! "Sinn im Unsinn" ist sein Credo und er sieht sich je nach Laune als "Komiker, Komponist, Musiker, Entertainer, Buchautor, Drehbuchautor, Schauspieler, Regisseur, Musikclown, Zeichner". 

Helge Schneider zeigte schon in früher Kindheit sein musikalisches Talent, vor allem seine Begabung für das Klavierspiel. Als fünfjähriges Kind begann er Klavier und im Alter von zwölf Jahren Cello zu spielen. 1972 begann er − nach einer Sonderbegabtenprüfung − am Duisburger Konservatorium ein Klavierstudium, das er nach kurzer Zeit ebenfalls abbrach. Sein Interesse galt dem Jazz, der damals in den musikalischen Ausbildungen allenfalls ein Randphänomen darstellte. 

Ab 1977 verdiente er seinen Unterhalt durch Auftritte mit Peter Burschs Bröselmaschine sowie mit verschiedenen eigenen Bandprojekten, etwa Charly Weiss (Schneider/Weiss Duo aka El Snyder & Charly McWhite aka Helge Schneider Trio) und als Studiomusiker (beispielsweise für Albert Mangelsdorff, Eckard Koltermann, Frank Baier), mit Kompositionsaufträgen (für Werner Nekes), wie auch als Stummfilmbegleiter und Schauspieler.

Nach der Geburt seiner ersten Tochter sah er sich 1982 vor die Aufgabe gestellt, eine Familie zu ernähren. Deshalb arbeitete er ab 1983 als Studiomusiker. 1989 veröffentlichte er seinen ersten Tonträger. Mit seiner Band Hardcore und als Trio mit Drummer Pete York & Bassist Jimmy Woode ging er auf Tour. Ab 1989 stieg Schneiders Bekanntheit in Deutschland durch seine Auftritte unter dem selbst zugelegten Beinamen "Die singende Herrentorte".

Auf die Bühne brachte er eine Mischung aus dadaistischen Erzählsträngen, parodistischen Versatzstücken aus der Populärmusik und Jazz - ob Solo oder mit seiner Band 'Hardcore' auf [Buddy Casino - Klavier und Farfisa-Orgel und Peter Thoms - Schlagzeug]. 1992 gelang ihm mit dem Album 'Guten Tach' der kommerzielle Erfolg, der 1994 in einem TV-Auftritt bei 'Wetten, dass..?' gipfelte, worauf sich das Stück 'Katzeklo' in den deutschen Charts platzierte. 

Als der 'Helge Schneider-Kult' absurde Züge annahm - die Besucher kamen zu seinen Konzerten wegen skurriler Geschichten und Schauspieleinlagen, nicht wegen seiner Musik - zog er sich erst einmal von der Bühne zurück. Er begann sich der zunehmenden Vereinnahmung seiner Person durch die Medien zu entziehen und der Stilisierung zu einem Star durch das Marketing entgegenzuwirken. Zudem wollte er künftig in seinen Musik-Programmen wieder verstärkt den Schwerpunkt auf Jazz legen.

Nach einer zweijähriger Bühnenabstinenz gab Schneider 1995 parallel zu dem Album 'Es rappelt im Karton' seine Rückkehr ins Live-Geschehen bekannt. Er ging mit einer Bigband, bestehend aus alten Freunden und Musikerkollegen aus Mülheim, auf Tour und steht seitdem regelmäßig mit wechselnden Besetzungen mit der Rockband Helge & the Firefuckers, mit Hardcore wie auch solo auf der Bühne. 2013 wurde der mit dem Rapper Sido aufgenommene Song "Arbeit" auf Sidos Album 30-11-80 veröffentlicht. 

Helge Schneider wird eine außerordentliche Musikalität bescheinigt sowie die Fähigkeit nachgesagt, praktisch jedes Instrument in kürzester Zeit, wenn auch technisch nicht perfekt, so doch authentisch spielen zu können. 2006 hatte Schneider einen Gastbeitrag auf der Jubiläumsplatte 26½ von Fehlfarben. 2008 machte er im Duett mit Udo Lindenberg auf dessen Album 'Stark wie zwei' auf sich aufmerksam und im gleichen Jahr wurde er vom Bundesverband Klavier als "Klavierspieler des Jahres" ausgezeichnet. 

Die jetzige Preisübergabe war auch Auftakt eines dreitägigen Festivals in Mr. M’s Jazz Club, die dem Festival einen zusätzlichen Glanz und künstlerischen Anspruch verleiht. Der Joachim-Ernst-Berendt-Ehrenpreis wurde zum siebten Male vergeben. Der Musiker und Komiker Helge Schneider hat sich im Beisein von Oberbürgermeisterin Margret Mergen zudem im Goldenen Buch der Stadt Baden-Baden verewigt. Er reihte sich somit im Rahmen von Mr. M’s Jazz Club im Kurhaus Baden-Baden in eine namhafte Liste von Persönlichkeiten ein.

John Coltrane's "My one and only Love" mit Helge am Saxofon war dann der musikalische Auftakt des dreitägigen Festivals "Mr. M′s Jazz Club". "Wir bieten drei unterschiedliche, einmalige Abende mit tollen Musikern in besonderem Ambiente", freute sich Marc Marshall auf die elfte Auflage im Kurhaus Baden-Baden. BBE-Geschäftsführerin Nora Waggersauser: "Das Festival ist definitiv ein Highlight im Veranstaltungskalender der Stadt Baden-Baden. Der Vorverkauf für nächstes Jahr, 14. bis 16. März 2019, läuft schon!"  

(Quelle: StVwBAD/HIN)