Elvis was in Town

Erstellt: Sonntag, 24. Dezember 2017

Rastatt (proh). Es gibt weltweit wahrscheinlich keinen anderen Künstler, der so oft gedoubelt wird wie Elvis. "Das sagt viel über seinen Einfluss als Künstler aus", gibt der Elvis-Interpret Nils Strassburg zu bedenken. Wer ihn mit den "Roll Agents" gehört und gesehen hat, zeigt sich begeistert davon, dass hier die Atmosphäre eines Elvis-Auftritts in das neue Jahrtausend transponiert wurde, ohne an Authentizität zu verlieren. Davon konnten sich die Besucher der Weihnachtsshow "Christmas in Vegas" in der BadnerHalle überzeugen. 

"Der König ist tot. Lang lebe der König." Elvis Presley, von seinen Fans kurz "King" genannt, mutierte zu einer unsterblichen Ikone des Showbiz. Einen nicht unerheblichen Aneil daran haben die unzähligen Elvis-Darsteller auf der ganzen Welt, die dem King fortwährend neues Leben einhauchen. Einer von ihnen ist der 1975 in Burlington im US-Bundesstaat Vermont geborene Nils Strassburg, der mit den Roll Agents "The Elvis Xperience" zelebriert.

"Im Januar 2013 startete ich in Stuttgart mit meiner zehnköpfigen Band, die wir ursprünglich 'Roll Agents for the Name of Elvis' nannten, die erste große Tournee", erinnert sich Nils, und scheint selbst überrascht, dass mittlerweile jährlich bis zu 40 Konzerte in ganz Deutschland auf dem Programm stehen.

"In der Elvis-Szene ist in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung zu beobachten und es entstand eine unglaubliche Vielfalt", stellt Nils begeistert fest, denn das sei ja auch gerade das Schöne: "Es gibt Fans aller Couleur und die soll es auch geben - ganz im Sinne des King: 'Das Show-Business ist so groß, da ist Platz für jedermann'."

Das aktuelle Programm der Roll Agents ist so schillernd bunt und abwechslungsreich, wie das Leben des King selbst. Ausdruck findet dies in der eindrucksvollen Vielfalt der Musikstile während des Bühnenauftritts: Die Sozialkritik des Countrysongs "In the Ghetto", der wunderbar triefende Schmalz von ⇒ "Love me Tender", die mitreißende Power von "Blue Suede Shoes" und natürlich "Suspicious Minds" - Nils transportierte all dies, eindringlich untermauert mit seiner unwiderlegbaren Bühnenpräsenz, nach Rastatt in die BadnerHalle und eroberte stimmgewaltig das Publikum. 

Während seiner Show "Christmas in Vegas" am 23. Dezember brachte er eine mitreißenden Mischung aus Gospel, Rock’n’Roll, Country&Western und Rhythm'n'Blues - Bläser, Chorgesang, Bass, Schlagzeug und mittendrin Elvis pur - live, direkt, unverblümt. "Die Roll Agents sind mein persönlicher Glücksfall", sagt Nils. "Ich möchte auf jeden Fall mit der Band alles probieren um das Erbe von Elvis weiterzutragen. Wir verstehen uns blind und so können wir das Potenzial der Elvis-Songs wahrscheinlich noch die nächsten zehn Jahre nutzen. Solange ich körperlich in der Lage bin, die Show glaubhaft darstellen zu können, werden wir sie spielen." 

Es handelt sich bereits um die zweite "Christmas-Tour", doch "im Gegensatz zu unserer ersten, sehr besinnlichen, die fast ausschließlich in Kirchen stattfand und überwiegend von Gospel-Songs geprägt war, kommt die aktuelle Show beschwingter und farbenfroher daher. Natürlich werde ich mehrfach meine typisch glitzernden Elvis-Outfits wechseln", verrät Nils im Vorfeld. "Es wird eine sehr lebendige Show, in der jeder tanzen, lachen und auch weinen kann, aber am Ende hoffentlich fröhlich nach Hause geht."  

CHRISTMAS IN VEGAS

Die Songs von "Christmas in Vegas" stammten im Eröffnungsset vorrangig von der Weihnachts-LP "Elvis' Christmas Album" vom 15. Oktober 1957. Die Show begann fulminant mit dem Gospelklassiker "O Come All Ye Faithful". Bereits hier wurde deutlich, dass er das bestätigen konnte, was über ihn hinter vorgehaltener Hand gemunkelt wird: "DER BESTE ELVIS SEIT ELVIS" - zumindest in Deutschland. 

Darauf gaben das Medienunternehmen Time Warner und die Elvis-Presley-Gesellschaft Brief und Siegel, als sie ihn 2012 zum "Besten Elvis-Interpreten Deutschlands" kürten. Damit verbunden war eine zweiwöchige Musikreise durch die USA, natürlich mit einem Besuch auf dem vormals von Elvis Presley bewohnten Anwesen "Graceland" in Memphis, Tennessee.

Trotz allem erscheint er nie als Kopie auf der Bühne, worauf Nils gesteigerten Wert legt: "Ich bin kein Imitator, sondern ein Interpret. Bei uns klingt alles ein bisschen anders - und doch ganz nach Elvis - auf jeden Fall 100prozentig nach mir. Ich möchte, dass die Zuschauer mit dem Gefühl nach Hause gehen, etwas ganz Besonderes, Einzigartiges gesehen zu haben, kein Abziehbild. Ich bin Nils und bleibe natürlich Nils!" Diesen Individualismus will er rüberbringen, dafür lebt er. 

Das Erfolgsgeheimnis der Roll Agents liegt eindeutig in der Betonung auf Interpretation. "Wir haben lange daran gefeilt, um einen ganz eigenen Weg zu finden um so dem Phänomen Elvis gerecht werden zu können. Für uns steht seine Musik im Zusammenspiel mit seiner Band, die aus den besten Musikern der damaligen Zeit bestand, im Mittelpunkt. Diesen Spirit, diese Energie wollen wir als Band auf die Bühne bringen."

Bereits in der ersten Hälfte der "Elvis-Show" waren die Fans restlos begeistert. Die Alt-Rocker ebenso, wie die Neufans. Von 20 bis 80+ bestätigte die Alterstruktur der Show-Besucher die Zeitlosigkeit der Musikerlegende Elvis: Präsenz auf der Bühne, ungeheure Ausstrahlung, unerschöpfliches Talent. "Er hatte das, was Menschen fesselt, etwas Einzigartige", ist sich Nils sicher und er schafft es, daraus bei jedem Auftritt etwas Neues entstehen zu lassen. Nils nennt es "Spirit".

Bestätigt wurde das augenfällig, als das Lied "Love me Tender" erklang und sich Nils nahezu todesmutig mit Schals gewappnet unter die Menge mischte. Spätestens da hatte er das Publikum voll im Griff und riss es buchstäblich vom Hocker. Besonders die älteren "Mädels" sprachen von einer "Elvis-Erfahrung", obwohl ihnen durchaus bewusst war, dass jedes Echo aus der Vergangenheit nur eine Reflexion der eigenen Erinnerungen darstellen kann. Die Illusion wurde durch die klassischen Elvis-Kostüme unterstrichen und in jedem machte er eine gute Figur.

Zur Regeneration ging es nach langanhaltendem Applaus wohlgemut in eine 20-minütige Erholungsphase. In den Pausengesprächen kristallsierte sich eine Erkenntnis heraus: "Er ist der Beste, auch weil es ihm gelingt, den alten Evis-Songs einen aktuellen Anstrich zu geben und somit einen modernen Ausdruck zu verleihen." Aber auch: 'The King is alive".

Den Elvis-Interpret freut das besonders, denn "es soll beim Publikum das spezielle 'Las Vegas-Feeling' entstehen". So wie damals - das ist der Anspruch der Roll Agents. "Teil dieser Band zu sein, mit diesen Musikern zusammenspielen zu dürfen, die sich der Sache mit so viel Liebe zum Detail verschreiben, die sich also mit dem King genauso sehr beschäftigt haben wie ich, ist einfach nur toll", plaudert Nils gut gelaunt aus. 

"Ich achte penibel darauf, dass die Show ein authentisches 'Tribut an Elvis' ist, ganz ohne Klischees. Ich würde die Show nie ins Lächerliche ziehen, dafür bin ich ein viel zu großer Fan." Ed Bonja, Elvis' langjähriger "Hoffotograf", hat über die Roll Agents gesagt, dass es nicht besser gehe und dass "damit die Erinnerung an Elvis auf immer gewahrt bleibt", erzählt Nils nicht ohne Stolz. Ganz der Authentizität verpflichtet spricht Nils übrigens während der gesamten Show ausschließlich amerikanisches Englisch.

"Wenn ich auf der Bühne stehe, bin ich nicht mehr der Nils, ich bin aber auch nicht Elvis. Ich bin sozusagen der 'Bühnen-Nils'. Ich möchte einfach nur die Erinnerung an Elvis wachhalten; und wenn ich Leute mit Musik berühre und die mir sagen, sie hätten sich wieder jung gefühlt, weiß ich, es kann nicht so falsch sein, was wir machen. Das ist auch der Grund, warum ich Musik mache: um bei den Menschen Emotionen auszulösen."

THE ELVIS XPERIENCE 

Nach der 20-minütigen Pause offenbarte sich "The Elvis Xperience". Es wurde deutlich, weshalb sich die Roll Agents durch hohe musikalische Qualität und eine in Deutschland einzigartige Elvis-Show zu einem gefragten Live Act wurde. Dass sie keine Möchtegernrocker oder ideenlose Kopierer sind hatte sich bereits im ersten Teil herausgestellt. Nun stürzte sich die Gruppe rückhaltlos in den säkularisierten Musikkatalog von Presley.

Mit starken Rock'n'Roll-Vocals, treibender Rhythmusgruppe und dynamischen Bläsersätzen ging es mit ⇒ "Blue Suede Shoes" schwungvoll in die zweite Runde. Hier brillierte Nils als gestandener Rocker. Aber auch bei den ruhigeren Nummern wie etwa "Don't cry Daddy" und einem grandios interpretierten "In the Ghetto" offenbaren sich seine Stärken als charismatischer Sänger.

Als einen der Höhepunkte erwies sich seine Version von "Suspicious Minds". Die Interpretation lehnte sich stark an das 1969er Arrangement aus dem Las Vegas International Hotel an und begeisterte damit das Publikum. Die weiblichen Fans drängten an den Bühnenrand, um einen dieser Fanschals zu ergattern, die mit Schweiss und einem Küsschen stilecht überreicht wurden - sie konnten nicht genug bekommen. An die acht Minuten zelebrierte er das Stück in bester Las Vegas-Manier.

Die anfängliche Skepsis, die jüngere Showbesucher, die eher gezwungenermaßen mit ihren älteren Verwandten anwesend schienen, war wie weggeflogen. Ein übriges trug auch "Sweet Caroline", "Can't help Falling in Love", "Always on my mind" und neben all den anderen Elvis-Klassikern das zeitlose "My Way" bei. Vielen erschloss sich durch diese grandiosen Darbietungen erst die Einzigartigkeit des King. 

Fazit: Die Roll Agents nahmen die nahezu 500 Zuschauer mit auf eine über zweistündige Zeitreise. Durch Originalarrangements, denen sie einen zeitgemäßen Touch verliehen, schenkten sie einem begeisterten Publikum durch die überwältigende Energie, die Elvis Presley einst von den Bühnen in die Konzertsäle brachte, einen unvergesslichen Abend. Wäre Priscilla Presley anwesend gewesen hätte sie sicherlich wieder einmal ausgerufen: "Elvis sieht uns heute von irgendwo zu." 

Ein verzaubertes Publikum blickte am Ende der Show verträumt lächelnd dem Weihnachtsfest entgegen. In diesem Sinne "Frohe Weihnacht" - oder wie Nils sagen würde: "Merry Christmas and a Happy New Year!" 

(Text | Foto | Video-Clip: pierre roh)