Zehnter Singalong

Erstellt: Mittwoch, 06. Dezember 2017

Karlsruhe (pierre roh). Üben, singen, hören, staunen: Nach der Premiere im Jahr 2008 startet das „Karlsruher Singalong“ am kommenden Wochenende in die inzwischen zehnte Auflage. Bei dem Mitmach-Konzert mit professionellem Orchester wird der Chor ausschließlich von den Besuchern der Veranstaltung gestellt „und jeder, der dazu Lust hat, kann mitmachen“, sagt Johann Christoph Haake von der Bezirkskantorei Durlach. Am Samstag, 9. Dezember, in der evangelischen Stadtkirche Durlach werden die Kantaten 1 bis 3 aus Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“ zum Mitsingen angeboten.

Die Idee der Singalongs ist in manchen europäischen Ländern lange etabliert. In England etwa gab es Singalongs schon in der Londoner Royal Albert Hall, in den Niederlanden füllen sie die großen Kirchen von Amsterdam und Den Haag. In Deutschland gab es schon größere Aufführungen in Hamburg-Altona, Hannover oder Frankfurt am Main.

Singalongs in Baden gab es in den vergangenen neun Jahren auch außerhalb von Karlsruhe-Durlach, etwa in Heidelberg oder Pforzheim. „In Pforzheim wurde damals sogar das ganze Weihnachtsoratorium von Bach aufgeführt, allerdings verteilt auf zwei Termine“, weiß Haake. „In diesem Jahr sind wir innerhalb der Landeskirche die einzigen, die Kirchenmusik in Karlsruhe war aber auch der erste Veranstalter dieses Formats im Badischen“, sagt Haake. Vom kommenden Jahr an wolle man die Veranstaltung in einem Zwei-Jahres-Turnus anbieten.  

„Das Besondere beim Singalong ist, dass das Mitsingen nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht ist“, sagt Haake. Zwischen 300 und 350 Sänger werden zu der Mitsing-Veranstaltung erwartet, die im Mittelschiff der Kirche sitzen und singen. Dazu weitere rund 150 Zuhörer, die ihren Platz oben auf der Empore einnehmen, so Haake. Sowohl Sänger wie Zuhörer zahlen Eintritt, die Mitsingenden erhalten Karten zu 12 Euro (ermäßigt sechs Euro), die Zuhörenden zahlen 15, beziehungsweise ermäßigt acht Euro.

Viele teilnehmende Sängerinnen und Sänger kämen aus der Umgegend, weiß Haake aus den vergangenen Jahren. Doch auch Interessierte aus Frankreich, Österreich und der Schweiz sangen schon bei den Singalongs mit, „selbst ein brasilianischer Urlauber hat mal daran teilgenommen“, freut sich Haake.  Seit wann es genau diese Art des Mitmach-Singens gibt, ist unklar.

Der Hannoveraner Kirchenmusikdirektor und Kantor Lothar Mohn erinnert sich, dass er selbst schon im Jahr 1986 an einer solchen Veranstaltung in Osnabrück teilgenommen hatte und begeistert war. „Das ging damals aber noch von einem Theater aus und ein englischer Theaterregisseur führte damals `Messias´ von Händel auf“, erzählt Mohn.

Die Idee zum Karlsruher Singalong stammt von Bezirkskantor Johannes Blomenkamp, der vor seinem Engagement in Hannover tätig und in Kontakt mit Mohn war. Inzwischen nehmen mehrere Städte dieses Angebot vor allem in die Adventszeit auf. Voraussetzung fürs Mitsingen ist eigentlich nur, „dass man Lust und Zeit hat und sich vorab eine Klavierpartitur selbst besorgt“, erzählt Haake.

„Jeder kann mitsingen und nur im Ernstfall, wenn jemand durch seinen Gesang das Konzert stören sollte, wird er dezent darauf hingewiesen, eher zu den Besuchern zu gehen“, schmunzelt Haake – das allerdings hat es in neun Jahren noch nicht gegeben, freut sich der Mitorganisator.  Zum „Warmup“ trifft man sich eine Stunde vor der Aufführung um 18 Uhr und setzt sich auf die nach Stimmlage gekennzeichneten Plätze. Es folgt eine etwa halbstündige Probe, bei der Kantor Blomenkamp die besonderen Details der Aufführung erklärt.

„Es darf beispielsweise nicht nur bei den Chorstücken, sondern auch bei den Arien mitgesungen werden“, erklärt Haake.  Die Camerata 2000, das musikalisch begleitende Orchester, ist bei dieser Probe beteiligt. Anschließend gibt es eine Pause, in der alle Mitwirkenden die Gelegenheit haben, sich bei Kaffee und Hefezopf zu stärken und ins Gespräch zu kommen. Um 19 Uhr beginnt die Aufführung. Dann werden Hunderte Sängerinnen und Sänger im Mittelschiff der Stadtkirche Durlach ihre Stimmen zum „Jauchzet frohlocket“ erheben.

Für Haake und Blomenkamp ist das Besondere an den Singalongs, dass der Gesang als Gemeinschaft stiftendes Ereignis Barrieren überwindet, auch solche, die durch körperliche Einschränkungen und viele Behinderungen entstehen. „Um zu singen, bedarf es keiner Fingerfertigkeit. Der mitzubringende Klavierauszug muss nicht auf Papier stehen, viele Sängerinnen und Sänger tragen das Weihnachtsoratorium durch alljährliche Wiederholung im Gedächtnis“, sagt Haake.

In diesem Jahr ist in Karlsruhe auch die „Aktion Mensch“ Partnerin des Singalong, die Schirmherrschaft übernimmt Cornelia Füllkrug-Weitzel, Chefin des evangelischen Hilfswerks Brot für die Welt. Sie predigt darüber hinaus am Sonntag, 10. Dezember, um 10 Uhr in der Durlacher Stadtkirche.

(Quelle: ekiba/HIN)