Digitale Wege ins Museum

Erstellt: Donnerstag, 20. Dezember 2018

(proh). Baden-Württemberg setzt das deutschlandweit einzigartige Programm "Digitale Wege ins Museum" fort. Im Bereich Vermittlung und Strategieentwicklung erhalten die Landesmuseen und das Zentrum für Kunst und Medien in der zweiten Förderrunde insgesamt 3,1 Millionen Euro. Das Projekt ist ein wichtiger Baustein der landesweiten Digitalisierungsstrategie. Die jetzt ausgewählten Projekte zur digitalen Vermittlung zeigen, dass unsere Landesmuseen in Punkto Digitalisierung gegenwärtig riesige Fortschritte machen.

Mit "Digitale Wege ins Museum" hat Baden-Württemberg im vergangenen Jahr ein deutschlandweit einzigartiges Programm auf den Weg gebracht, um seine Museen und Kultureinrichtungen aktiv bei der Gestaltung der digitalen Zukunft zu begleiten. Dieses erfolgreiche Förderprogramm setzt das Kunstministerium im Rahmen der Digitalisierungsstrategie des Landesdigital@bw nun in erweiterter Form fort: Zur Umsetzung ihrer ausgewählten Projekte im Bereich Vermittlung und Strategieentwicklung erhalten die Landesmuseen und das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) insgesamt 3,1 Millionen Euro. Die Häuser sollen beispielhaft neuartige Anwendungen entwickeln und erproben.

"Die jetzt ausgewählten Projekte zur digitalen Vermittlung zeigen, dass unsere Landesmuseen in Punkto Digitalisierung gegenwärtig riesige Fortschritte machen. Alle Museen konnten bei der Präsentation ihrer Anträge die Expertenjury aus renommierten Fachleuten der deutschen Museumsszene überzeugen. Ich freue mich sehr, dass wir mit ‚Digitale Wege II‘ einen entscheidenden Impuls in unsere Museen bringen können, der für die kulturelle Bildung von großer Bedeutung ist", sagte Staatssekretärin Petra Olschowski. Die digitalen Vermittlungsprojekte sollen den Zugang zu Kunst und Kultur erleichtern, das Publikum aktiver einbeziehen und so auch neue Besuchergruppen ansprechen.

Chatbots oder Gamifikation: Unterstützt durch das erste Förderprogramm "Digitale Wege ins Museum" werden digitale Vermittlungsprojekte derzeit bereits in den staatlichen Museen des Landes umgesetzt. "Wir möchten Kunst und Kultur im Land für alle erlebbar machen, auf digitalem Wege Bildungsinhalte vermitteln und neue Partizipations- und Erlebnismöglichkeiten eröffnen. Dabei nehmen wir besonders die sogenannten ´Digital Natives` in den Blick - Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die mit digitalen Technologien vertraut sind und sich über das Netz informieren und austauschen. Sollen Kunst und Kultur in deren Welt eine Rolle spielen, müssen auch Museen ihre Kommunikationspraktiken ändern und entsprechende Erlebnisräume schaffen", betonte Olschowski. Die geförderten Projekte werden bis 2020 in den Museen umgesetzt.

Das Land fördere darüber hinaus auch Bildungs- und Vermittlungsprojekte in anderen Kunstsparten sowie die Ausbildung und Forschung zum Lernen und Produzieren mit digitalen Medien, so die Staatssekretärin abschließend.

In der ersten Förderrunde standen 800.000 Euro zur Verfügung, in der zweiten fließen 3,1 Mio. Euro in die Museen. Für eine Förderung im Rahmen von "Digitale Wege ins Museum II" konnten sich die elf Landesmuseen und das ZKM mit Projekten bewerben, die der (Weiter-)Entwicklung einer digitalen Strategie des jeweiligen Museums dienen und zugleich ein konkretes, für das Museum relevantes Anwendungsprojekt enthalten. Beraten wurde das MWK von einem Gremium aus bundesweiten Fachexperten:

  • Dr. Chantal Eschenfelder (Städel Museum, Frankfurt),
  • Prof. Dr. Monika Hagedorn-Saupe (Institut für Museumsforschung, Berlin),
  • Anja Müller (digiS, Berlin),
  • Dr. Christian Gries (Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern)

Das Förderprogramm wird von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg, dem digitalen Kompetenzzentrum in Baden-Württemberg, inhaltlich begleitet. Das Land hat bei seiner Digitalisierungsstrategie auch die nichtstaatlichen Museen im Blick. Für sie wurde im Rahmen des Innovationsfonds eine eigenständige Förderlinie entwickelt.

Digitalisierungsstrategie digital@bw

Die Digitalisierung ist ein zentraler Arbeitsschwerpunkt der Landesregierung. Dazu hat sie eine Investitionsoffensive gestartet: Rund eine Milliarde Euro werden in dieser Legislatur in die Digitalisierung investiert, rund die Hälfte davon fließt in den Ausbau der digitalen Infrastruktur. Mit "digital@bw" wurde im Sommer 2017 die erste, landesweite und ressortübergreifende Digitalisierungsstrategie vorgestellt, die in Teamarbeit von allen Ministerien erstellt wurde. In den kommenden zwei Jahren werden dazu über 70 ganz konkrete Projekte mit einem Volumen von über 300 Millionen Euro umgesetzt, um Baden-Württemberg als Leitregion des Digitalen Wandels in Europa zu verankern. Die Vorhaben werden unter dem Dach des Digitalisierungsministeriums koordiniert und gebündelt.

Hier die geförderten Einrichtungen in der HardtIN-Region:

Badisches Landesmuseum: Creative Collections 2.0

Das Projekt "Creative Collections 2.0" ist ein zentraler Bestandteil der Neuausrichtung der  Sammlungsausstellungen des Badischen Landesmuseums. Auf der Grundlage der digitalen Erschließung der Sammlungsbestände werden neue digitale Formen der Auseinandersetzung mit den einzigartigen Objekten des Museums, etwa in Form von virtuellen Ausstellungen, Spielen, Lernprogrammen oder Blogs, möglich. So werden erstmalig kuratierte  digitale Angebote für das Bildungsangebot des Badischen Landesmuseums umgesetzt und erprobt. Ziel ist es, diese Angebote und die damit erworbenen Kompetenzen im Umgang mit digitalen Anwendungen zu verstetigen. Herzstück des Projekt es ist die Einrichtung einer  LabLounge  in einer Außenstelle des Museums im Stadtzentrum von Karlsruhe  als Recherche und Arbeitsplatz. Die LabLounge bietet den Besucherinnen und Besuchern  vier barriere- und kostenfreie Computerarbeitsplätze und eine Lounge zur freien Nutzung. Dieses "Museumslabor" dient zusammen mit dem Pilotprojekt "Archäologie in Baden" als  Testfläche, auf der die Umsetzung neuer digitaler Konzeptideen mit Interessierten entwickelt und evaluiert werden kann.

Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe - Online Wissensportal:  

Vielfältig. Vernetzt. Mit seiner digitalen Strategie zielt das Naturkundemuseum Karlsruhe darauf ab, das Interesse von Jugendlichen und jungen Erwachsenen für naturkundliche Phänomene zu wecken. Deshalb möchte das Museum gezielt diese Gruppe mit einem neuen, attraktiv gestalteten, digitalen Wissensportal über assoziative und spielerische Zugänge ansprechen. Zentrales Element des Portals ist eine Online Sammlung mit Objekten aus den Sammlungen und Ausstellungen, die visuell und narrativ ansprechend präsentiert werden. Querverbindungen zwischen den Objekten sowie überraschende Bezüge zu nicht naturwissenschaftlichen Inhalten laden zu individuellen Erkundungsgängen ein. Daneben bündelt das  Wissensportal die vielfältigen  digitalen Angebote des Museums und führt alle Nutzer  - vom interessierten Laien bis zum Experten  - zum passenden Angebot.

ZKM | Zentrum für Kunst und Medien - As We May Speak.

Kulturelle Wissensvermittlung durch Chatbots Mit dem Projekt "As We May Speak" e ntwickelt das ZKM das Potential von Chatbots  - einem textbasierten Dialogsystem, welches das Chatten mit einem technischen System erlaubt  - für die kulturelle Wissensvermittlung weiter. Der Austausch mit der Öffentlichkeit  wird dialogischer, individueller und einfacher. Das ZKM reagiert damit auf einen technischen Paradigmenwechsel: Die Verbreitung von Conversational User Interfaces (CUI)  - Plattformen, die ein Gespräch mit einem echten Menschen nachahmen und es dem Benutzer ermöglichen, mit dem Computer in seiner natürlichen Sprache zu kommunizieren.  Indem der Chatbot auf Messaging Plattformen (Messenger, Telegram etc.) installiert wird,  macht das ZKM ein Angebot in einem technischen Umfeld, in dem die Öffentlichkeit bereits täglich kommuniziert. Darüber hi naus wird der Chatbot auf der Website und auf Stelen im ZKM verfügbar sein. Der Chatbot beantwortet Service Fragen, begleitet durch die  Website und führt durch die Sammlung des ZKM. Durch Technologien des Machine Learning und der Spracherkennung sollen neue Maßstäbe im kulturellen Kontext gesetzt werden. Das Projekt erlaubt es zudem  - durch die Optimierung aller Daten für die Maschinenlesbarkeit  - die Grundlagen für künftige digitale Projekte zu schaffen.

Staatliche Kunsthalle Karlsruhe - Deine Kunsthalle 24/7

In diesem Projekt ist eine "fully responsive" Website vorgesehen, die auf unterschiedlichen  Geräten vom Computer bis zum Handy funktioniert und so dem Grundsatz "mobile first"  gerecht wird. Für die "Digital Natives" wird ein digitaler Raum geschaffen, in dem auf deren  Bedürfnisse zugeschnittene Angebote gemacht werden. "Deine Kunsthalle  - 24/7"  setzt  sich aus drei unterschiedlichen Bausteinen zusammen, die persönliche und unkonventionelle Zugänge zur Kunst und zum Museum ermöglichen:  Die Kreation eigen er Rundgänge mit Werken der Online Sammlung (zu Themen  aus der Lebenswelt der Nutzerinnen und Nutzer)  Das Frage /Antwortformat "Frag die Kunsthalle" (Beantwortung von Fragen rund um  das Thema Kunst mittels eines Chatbots). Das Kunsthallen Atelier (Gestaltung eigener Produkte mit Motiven aus der Kunsthallen Sammlung)

Staatliche Kunsthalle Baden Baden - History Redisplayed

Wenn der Bildschirm des Smartphones der Bilderrahmen des 21. Jahrhunderts ist, stellt  sich für Museen und Kunsthallen die Frage, wie sie  Kunstwerke innerhalb dieses Rahmens zeigen können. "History Redisplayed" möchte auf diese Fragen Antworten suchen.  Ausgangsmaterial für das Projekt bildet die bisher nur anhand von Ausstellungsdokumentationen und  katalogen archivierte, virtuell existieren de Sammlung der Kunsthalle. In zwölf  ausgewählten Episoden wird der Versuch unternommen, vergangene Ausstellungen in ein  Format aus Videoblog und interaktiven Elementen zu übersetzen. Die Nutzerinnen und  Nutzer können über die Einbeziehung der Sensoren ihr er Smartphones mit Inhalten interagieren, um einzelne Werke oder ganze Ausstellungen zu betrachten und zu erleben. Darüber hinaus werden auf einer zusätzlichen Ebene die Episoden so verknüpft, dass ein  Überblick über die facettenreiche Geschichte der Kunst halle entsteht.

Das Förderprogramm "Digitale Wege ins Museum" ist ein zentraler Baustein der Digitalisierungsstrategie des Landes Baden-Württemberg für Kunst und Kultur. Gerade in den Museen ist die digitale Transformation mit tiefgreifenden strukturellen, prozessualen und vor allem personellen Veränderungen verbunden. Das Kunstministerium begleitet die staatlichen Museen auf diesem anspruchsvollen Weg in die digitale Zukunft.

Das Leitthema der Förderlinie ist die Öffnung der Museen für neue Publikumsschichten, Ziel also die strategische Gewinnung und Bindung, insbesondere von "Digital Natives". Dass Kunstwerke es vermögen, uns nachhaltig zu beeindrucken, scheint stark vom Zusammenwirken des nach innen gerichteten "Default Mode Network" (DMN) und unseren nach außen gerichteten Sinnen abhängig zu sein. 

Gute Kunst wirkt nach [Neurowissenschaftliche Studie eines internationalen Forscherteams erhellt die Rolle des Default-Mode-Netzwerks im Gehirn]

Stellen wir uns vor, wir betrachten van Goghs "Sternennacht" zum ersten Mal. Wie ist diese Erfahrung? Vielleicht fällt uns zuerst das Vorherrschen der Farbe Blau auf. Dann schauen wir genauer hin und entdecken die Sterne und die Farbringe um sie herum. Schließlich nehmen wir das kleine Dorf und seine Details wahr. Dabei wirkt das Blau des Himmels immer noch nach. Während wir das Gemälde erkunden, verändert sich unsere Wahrnehmung und damit einhergehend auch die Reaktion des Belohnungszentrums im Gehirn.

Ästhetische Erfahrungen entfalten sich über eine gewisse Zeitspanne hinweg, auch wenn das Kunstwerk dabei unverändert bleibt. Der Frage, wie das Gehirn diese dynamischen Erfahrungen erzeugt, hat sich ein internationales Forscherteam gewidmet, dessen Forschungsergebnisse nun in der Fachzeitschrift NeuroImage erschienen sind. Die Ergebnisse legen nahe, dass ein Schlüssel zu dieser Dynamik in der Unterscheidung derjenigen Hirnareale liegt, die einerseits auf die Außenwelt, andererseits auf unser Innenleben gerichtet sind.

Mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT), einer bildgebenden Technik zur Beurteilung der Hirnaktivität, hat das Forscherteam untersucht, wie das Gehirn reagierte, während Studienteilnehmer Abbildungen von Kunstwerken bis zu 15 Sekunden lang auf Bildschirmen betrachteten. Im Fokus der Forschung stand ein System von Hirnarealen, das als DMN bezeichnet wird und reflektierende mentale Prozesse unterstützt - sozusagen unser Innenleben. Das DMN versetzt uns in die Lage, unabhängig von äußeren Reizen zu denken, zum Beispiel in Form von Tagträumen oder Zukunftsplänen.

Normalerweise sinkt die Aktivität des DMN, wenn wir ein Bild betrachten, und sensorische Gehirnregionen werden stattdessen aktiver. Die neue Studie zeigte jedoch Überraschendes, wie Edward Vessel, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik erklärt: "Finden wir ein Kunstwerk ästhetisch ansprechend, werden Teile des DMN wieder aktiv, obwohl der Fokus auf der Außenwelt - dem Kunstwerk - liegt". Ästhetisch ansprechende Kunstwerke aktivieren somit einen außergewöhnlichen Prozess im menschlichen Gehirn, der sowohl äußere Reize als auch mentale und emotionale Reaktionen verarbeitet.

Betrachteten Studienteilnehmer ein Kunstwerk am Bildschirm, das sie nicht attraktiv fanden, so wurde die DMN nicht wirksam. Im Gegensatz dazu blieb die DMN bei attraktiven Kunstwerken so lange aktiv, bis das Bild vom Bildschirm verschwand. "Wir konnten beobachten, dass dieser Hirnzustand relativ selten eintrat und wahrscheinlich ein Merkmal für bewegende ästhetische Erfahrungen ist", führt Vessels Co-Autorin Amy Belfi von der Missouri University of Science and Technology weiter aus. 

(Quelle: MWK.bw/AE.mpg/HIN)