Kunstschätze sicher?

Erstellt: Dienstag, 03. April 2018

Karlsruhe (proh). Die SPD-Gemeinderatsfraktion bedankte sich 2017 bei ihrem "Betreuungsabgeordneten" Dr. Stefan Fulst-Blei MdL, der mit einer Kleinen Anfrage im Landtag versucht habe die Aufklärung der Kunstdiebstähle im Badischen Landesmuseum Karlsruhe weiter voranzubringen. "Unser gemeinsames Anliegen ist es unsere badischen Kunstschätze für die Zukunft besser zu schützen. Daher müssen die Diebstähle genau untersucht und die notwendigen Lehren rasch gezogen werden", so die Sozialdemokraten. "Die Antworten des Ministeriums sind leider alles andere als zufriedenstellend und werfen wiederum weitere Fragen auf", so das nüchterne Fazit der SPD-Gemeinderatsfraktion. 

Warum wurde das Verfahren im ersten Fall so schnell eingestellt? Wie sicher sind Kunstschätze in badischen Museen? Laut Ministerium wurde nach dem ersten Diebstahl eine Videoüberwachung installiert. Warum hat diese offenbar keine Hinweise zur zweiten Tat geliefert oder war diese Maßnahme schlicht untauglich? Hat sich der Täter oder haben sich die Täter nach der Nichtveröffentlichung und der Einstellung des Verfahrens womöglich in Sicherheit gewogen und dann ein zweites Mal zugeschlagen?

Im April 2017 war ein Diadem im Wert von 1,2 Millionen Euro aus einer Vitrine im Thronsaal des Badischen Landesmuseum Karlsruhe gestohlen worden. Es handelt sich um ein Schmuckstück der Großherzogin Hilda von Baden (1864-1952). Der spektakuläre Diebstahl wurde öffentlich gemacht.

Nicht bekannt war lange der Raub einer wertvollen Barockschnitzerei aus Elfenbein des Künstlers Leonhard Kern, wie ein anonymer Hinweisgeber berichtete. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe wie auch das Museum bestätigten auf Anfrage den Diebstahl. Den Schaden nach dem Diebstahl der Schnitzerei bezifferten die Behörden auf 500'000 Euro. Ein Zusammenhang zwischen beiden Fällen sei bisher aber nicht erkennbar. 

Das Kunstministerium und das für Vermögen und Bau zuständige Finanzministerium haben nach den Diebstählen eine umfassende Aufarbeitung der Vorgänge im Badischen Landesmuseum und eine Überprüfung der Sicherheitskonzepte in den zwölf Staatlichen Museen in die Wege geleitet. Das zuständige Ministerium lege aber aus Sicht der SPD-Fraktion keinen besonderen Eifer an den Tag.

Auch könne man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der schwarze Peter der örtlichen Polizei zugeschoben werden soll, da sie die Staatsanwaltschaft zu spät informiert habe. Das Sicherheitskonzept des Ministeriums für badische Kunstschätze jedenfalls ist und bleibt aus der Sicht der SPD undurchsichtig. 

Die Staatlichen Museen in Baden-Württemberg besitzen laut dem zuständigen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst ein hohes Sicherheitsniveau und wurden in den vergangenen Jahrzehnten nur ganz selten Opfer von größeren Straftaten. Sie haben sich dennoch abhängig von ihren spezifischen Sicherheitsanforderungen bereits seit Jahren in bestimmten Intervallen sicherheitstechnisch beraten lassen und permanent Verbesserungen ihrer Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt.

Maßnahmenkatalog zur Sicherheit in Landesmuseen      

Einbrüche, Diebstähle, Sachbeschädigungen und Vandalismus - um dagegen vorzugehen, hat das Kunstministerium zusammen mit den Staatlichen Museen des Landes, dem Landeskriminalamt Baden-Württemberg (LKA) und Vermögen und Bau Baden-Württemberg einen Katalog mit Maßnahmen zum Schutz der Staatlichen Museen in Baden-Württemberg erarbeitet. In diesem Katalog wurden Aufgaben festgeschrieben, die zeitnah umgesetzt werden.

"Wir wollen die Sicherheit des Sammlungsguts in den Staatlichen Museen des Landes Baden-Württemberg und im Zentrum für Kunst und Medien weiter erhöhen, die Museen aber gleichzeitig als offene und lebendige Orte der Kommunikation und des außerschulischen Lernens für eine breite Öffentlichkeit attraktiv halten", sagte Kunststaatssekretärin Petra Olschowski.

"Der Sicherheitsstandard unserer Museen ist hoch. Viele Maßnahmen werden von den Häusern bereits heute umgesetzt. Hinzu kommen nun neue Aufgaben", so Olschowski. Der Katalog setzt beim organisatorisch-personellen Bereich der Museen an. Dazu gehört die künftig verpflichtende Bestellung von Securitybeauftragten, die unmittelbar der Museumsleitung unterstellt werden. Das Thema ist damit auch sichtbar "Chefsache".

Weitere Punkte betreffen die systematische Vernetzung der Securitybeauftragten untereinander - eingerichtet wird eine Informationsplattform - oder Modifikationen bei den Zutrittsberechtigungen.  Bestandteil des Katalogs sind außerdem verbindliche Zeitvorgaben, in denen sicherungstechnische Beratungen durch das Landeskriminalamt Baden-Württemberg in Anspruch genommen werden, sowie die laufende Überprüfung der baulichen und sicherheitstechnischen Situation.

"Damit wird die kontinuierliche Aktualisierung der Sicherheitskonzepte gewährleistet", so Olschowski. Flankiert wird der Maßnahmenkatalog durch die aktuell laufenden sicherungstechnischen Beratungen der Landesmuseen durch Präventionsexperten des Landeskriminalamts.  Weiterarbeiten wird die Arbeitsgruppe an einem Sicherheitsleitfaden. Dieser wird maßgeblich vom Landeskriminalamt gestaltet. Er umfasst neben den im Katalog festgeschriebenen organisatorischen Aufgabenfeldern auch bauliche, mechanische sowie technische Schutzmaßnahmen.

Vorgesehen sind ferner standardisierte Musterablaufpläne. Im Licht dieses Leitfadens sollen die Museen ihre eigenen Sicherheitskonzepte weiterentwickeln. Baden-Württemberg ist das erste Bundesland, das das Thema Museumssicherheit so systematisch, gezielt und flächendeckend angeht. "Einen hundertprozentigen Schutz vor Diebstählen wird es nie geben. Mit dem gemeinsam erarbeiteten Maßnahmenkatalog wollen wir die größtmögliche Sicherheit für die Kulturgüter in unseren Museen gewährleisten", sagte Kunststaatssekretärin Olschowski abschließend.

(Quelle: MWK.bw/HIN)