Riedmuseum startet

Erstellt: Donnerstag, 22. Februar 2018

Ottersdorf (proh). Die Winterpause im Riedmuseum neigt sich dem Ende zu. Am Freitag, 2. März, startet das beliebte Regionalmuseum in seine neue, mittlerweile 24. Saison. Zum Auftakt führt der Wasserbauer und Tulla-Spezialist Rainer Boos aus Plittersdorf am Sonntagnachmittag, 4. März, um 15 Uhr durch das Museum.  Höhepunkt beim circa einstündigen Rundgang mit Rainer Boos: Das Rheinmodell wird geflutet. Und während das Wasser steigt, erfahren die Besucherinnen und Besucher so manches über das Leben und Werk von Johann Gottfried Tulla. 

Das Riedmuseum ist in einem ehemaligen typischen bäuerlichen Gehöft des Ried untergebracht. Der badische Ingenieur Tulla hatte vor 200 Jahren die ersten Rheinbegradigungen und Wasserschutzmaßnahmen in unserer Region umgesetzt. Auch die Ölmühle und die Wohnräume des Rieder Bauernhauses aus dem 18. Jahrhundert stehen auf dem Programm. Im Wohnhaus gibt es viele spannende Details über das Leben im Ried in früheren Zeiten zu erfahren.

In der ehemaligen Scheune können Sie sich über die von Tulla (Biographie) durchgeführte Rheinbegradigung ("Rektifizierung") informieren. Diese wohl einschneidendste Veränderung des Rheinverlaufs der letzten Jahrhunderte veränderte das Leben in den Gemeinden beiderseits des Rheins grundlegend. Vor der Rheinbegradigung wechselte der Rhein häufig seinen Verlauf, so dass die Dörfer zum Teil mal auf der rechten, dann wieder auf der linken Rheinseite lagen.

Im 19. Jhdt. verbesserte sich die Lebenssituation der Rheinanwohner durch die "Rektifizierung" des Rheinverlaufs deutlich: wertvolle Acker- und Wiesenflächen wurden nicht mehr durch Hochwässer weggeschwemmt, durch den Rückgang der versumpften Flächen traten weniger Erkrankungen auf und die Bedeutung des Rheins für die Industrialisierung und den damit verbundenen Wohlstand wuchs. 

So erläutert Rainer Boos, unter welchen Bedingungen die Menschen damals lebten und wie sich die Launen des Rheins auf den Alltag auswirkten.   Boos erklärt außerdem, wie das älteste Ausstellungsstück des Riedmuseums, der tausend Jahre alte merowingische Einbaum, seinerzeit als Fährschiff eingesetzt wurde für die fruchtbare Ernte von den Rheininseln.

Eine Abfolge historischer Karten gibt einen anschaulichen Überblick über den Rheinverlauf zu unterschiedlichen Zeiten vor und nach der Rheinbegradigung.  Aus heutiger Sicht besitzt diese für die damalige Zeit enorme technische Leistung eine andere Bedeutung. Die ehemals für den Oberrhein typischen Auenwälder wurden auf eine Fläche von 2% der ursprünglichen Ausdehnung reduziert.

Die wirtschaftliche Nutzung änderte sich stark: die landwirtschaftlichen Flächen sind nicht mehr so fruchtbar, der Fischfang ist nahezu bedeutungslos geworden, immer größere Flächen werden als Siedlungsflächen genutzt und auch die Stärke der Hochwasser nimmt zu. Speziell zu diesen Themen können Sie in den Naturschutzzentren Karlsruhe-Rappenwört und Munchhausen mehr erfahren.

Die restlichen Gebäude des Gehöfts wurden als Freilichtmuseum mit der Originalausstattung der letzten Bewohnerin erhalten. Entdecken Sie viele Details einer über die Jahrhunderte gewachsenen immer wieder veränderten Inneneinrichtung, in der Elemente des 18. Jahrhunderts selbstverständlich neben Einrichtungsgegenständen des 20. Jahrhunderts verwendet wurden.  

Sehen Sie aus welchen Facetten unterschiedlicher Tätigkeiten der bäuerliche Lebenserwerb in der Zeit vor der industriellen Landwirtschaft bestand. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde eine Ölmühle angeschafft, die ebenso wie Küferei und Schnapsbrennerei als Nebenerwerb diente. 

Nach dem Rundgang am 4. März steht schon am Donnerstag, 22. März, um 19 Uhr die nächste Veranstaltung im Riedmuseum statt. Die Wildkräuterexpertin Marianne Knörr-Groß aus Ottersdorf, schon mehrmals im Riedmuseum als Referentin zu Gast, spricht über „Die Bäume im Auenwald. Von den Heilkräften, Märchen und Mythen.“ Mit dieser Veranstaltung beteiligt sich das Riedmuseum am grenzüberschreitenden erfolgreichen Programm „Winter im Pamina Rheinpark“.

Der geführte Rundgang durchs Riedmuseum am Sonntag, 5. März, um 15 Uhr dauert gut eine Stunde und ist, ebenso wie der Vortrag am 22. März um 19 Uhr, kostenfrei. Zu zahlen ist lediglich der Eintritt ins Riedmuseum von drei Euro, ermäßigt einem Euro.   Das Riedmuseum ist ab Freitag, 2. März, bis zum 28. Oktober 2018 freitags bis sonntags und an Feiertagen von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Gruppenführungen können telefonisch angefragt werden unter 07222 972-8400 oder -8402 und per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

siehe auch: Museumspädagogisches Begleitprogramm des Riedmuseums Ottersdorf (pdf, 1,34 mb)

(Quelle: StVwRA/HIN)