Ali und der Pipiismus

Erstellt: Donnerstag, 21. Dezember 2017

Karlsruhe (proh). Ali Gharib, Student der Medienkunst an der HfG Karlsruhe, konzipiert für sein Diplomprojekt eine neue künstlerische Bewegung, die auf kollaborativen Prinzipien basiert. Ähnlich wie der Dadaismus (1917-23) lässt sich der Pipiismus inhaltlich nicht definieren. Er ist eher als eine Geisteshaltung zu verstehen. Ali Gharib, der den Pipiismus gegründet hat, will sich nicht festlegen auf das, was pipiistische Kunst sein soll, sondern sich durch totale Negation erst mal frei machen von und zu allem.

Die Kunstrichtung Pipiismus bezeichnet der Medienkünstler als „ein rhizomatisches Geflecht aus absurder Überspitzung in alle Richtungen“. Es geht vor allem um eine Reaktion und darum, Menschen aufmerksam zu machen; in Form von überspitzen Protesten und Parodien. Gegen und auf was lässt sich jedoch frei wählen. Der Pipiismus schreibt nicht vor, auf was reagiert werden soll. Ganz im Beuys'schen Sinne kann und soll jeder im Pipiismus in Kunstform Protest üben, so dass eine vielfältige Sammlung an Meinungsbildern entsteht, die unsere Zeit widerspiegelt.

Die Reaktionen sollen direkt und spontan sein, da sie, so Ali Gharib, in dieser Nacktheit die meisten Widersprüche mit sich bringen. Um diesen Protest zu üben, bietet der Pipiismus-Gründer in seinem Diplomprojekt verschiedene Plattformen an. In dem Online-Magazin „magazin_+“ kann jeder, der möchte, einen Beitrag direkt posten und so zur redaktionellen Gestaltung des Magazins beitragen.

Im Gegensatz zu anderen Online-Magazinen gibt es keine redaktionelle Instanz und so können auch keine Themen oder Schwerpunkte im Voraus festgelegt werden. Die Beiträge verfolgen keine vorgegebene Logik und ergeben keinen kohärenten Sinn. Alle erscheinen in einem chaotischen Zustand und spiegeln die willkürliche Informationsflut des digitalen Zeitalters wider.

Der Pipiismus folgt einer anarchischen Haltung, die sich insbesondere im Manifest bzw. im inexistenten Manifest reflektiert. Wie beim Dadaismus gibt es auch für den Pipiismus kein verbindliches Manifest. Vielmehr haben Interessierte auf der Seite die Möglichkeit, ein eigenes pipiistisches Manifest zu verfassen. Das eingereichte Manifest wird dann unzensiert veröffentlicht.

Auch eine pipiistische Kunstsammlung möchte Ali Gharib aufbauen. Der Titel der Sammlung „Made_ready“ bezieht sich auf das fast gleichnamige Konzept von Marcel Duchamp, der die Transformation von Alltagsgegenständen zu Kunstgegenständen beschreibt. Im Pipiismus werden jedoch die Kunstobjekte zu pipiistischen Gegenständen transformiert.

Jeder kann Kunstwerke für die Sammlung einreichen und es sind alle Formen an sichtbaren und unsichtbaren Artefakten willkommen Ali Gharib wurde 1978 in Freiburg im Breisgau geboren. Nach einem erfolgreich abgeschlossenen Lehramtsstudium (Kunst, Textilgestaltung und Deutsch) 2010, begann er zum Wintersemester 2010 sein Zweitstudium in Medienkunst an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, das er voraussichtlich im März 2018 mit seinem Diplom zum Pipiismus beenden wird.

Neben Einzelausstellungen, wie beispielsweise „Disposition“ in der Galerie Edith, Köln, 2010, oder „Somewhere over the Rainbow“ in the loser project, Berlin 2012, hat Ali Gharib an vielen Gruppenausstellungen teilgenommen, unter anderem an „Performing the Image by Isaac Julien“, Loop Art-Fair, Barcelona 2013, „EXILE“, Parallax, Prag, 2014 sowie „Le_Trou“,  the loser project, Berlin, 2014.  

Performances sind u. a. „Tale of Love”, HfG, 2012 und „Disco Aujourd'hui”, ZKM, 2016.  2015 war Ali Gharib für den Preis „Kunststudentinnen und Kunststudenten stellen aus“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung nominiert. Am 06.01.2018, dem Tag der Offenen Tür im ZKM wird Ali Gharib die BesucherInnen in der HfG Karlsruhe über sein Projekt informieren.

Am 15.02.2018 wird die erste pipiistische Ausstellung in den Räumlichkeiten der Hochschule präsentiert. Hier sollen alle bisher eingegangen Beiträge, Projekte, Kunstwerke, etc. sowie insbesondere der kollektive Charakter der Bewegung präsentiert werden. Um dies zu ermöglichen, bittet Ali Gharib alle Interessierten an dem Kollektivprojekt PIPIISMUS teilzunehmen.

(Quelle: HfG/HIN)