Kultur ohne Grenzen

Erstellt: Mittwoch, 18. Oktober 2017

Baden-Baden (proh). Bei spätsommerlichen Temperaturen begrüßte Margret Mergen die Mitglieder des Forums Kultur der trinationalen Oberrheinkonferenz im Rathaus-Innenhof: Im Baden-Badener Rathaus tagte das Forum Kultur der trinationalen Oberrheinkonferenz, ein Netzwerk aus regionalen und kommunalen Kulturverwaltungen. Schwerpunkte waren die Arbeitsplanung des Forums bis 2019 und das Ausloten gemeinsamer Projekte im Europäischen Kulturerbejahr 2018. Seit einigen Monaten arbeitet die Oberrheinkonferenz zudem am Ausbau der gegenseitigen grenzüberschreitenden Unterstützung bei Katastrophenschutzeinsätzen.

Die 1975 durch das Bonner Abkommen gegründete deutsch-französisch-schweizerische Oberrheinkonferenz bildet den institutionellen Rahmen der grenzüberschreitenden regionalen Zusammenarbeit am Oberrhein. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Zusammenarbeit zwischen Behörden am Oberrhein zu stärken und für die Bewohner ein attraktives Lebensumfeld zu schaffen.

Die Trinationale Metropolregion Oberrhein gehört, politisch betrachtet, heute zu den Nationalstaaten Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Über alles Trennende hinweg - trotz Rhein, trotz verschiedener Mentalität und Sprache, trotz der Kriege der Vergangenheit und der immer wieder wechselnden Fronten und sich ändernden nationalstaatlichen Grenzen - sind sie, da sie sich einen Lebensraum teilen, miteinander verbunden.

Die Bewohner des Oberrheins überqueren in ihrem Alltag die Grenzen immer wieder, sei es um im Nachbarland zu arbeiten oder auch nur zum Einkaufen. Bei vielfältigen gegenseitigen Kontakten erleben sie, dass sie in ihrer Mentalität zwar verschieden und doch irgendwie vertraut sind, dass sie sich zwar als Franzosen, Deutsche oder Schweizer fühlen, doch gleichzeitig ebenso Bewohner ein und desselben Lebensraums mit denselben Interessen und Wünschen sind und eine Gemeinschaft mit einer gemeinsamen Vergangenheit und einer gemeinsamen kulturellen Zukunft bilden.

Keine andere europäische Region arbeitet grenzüberschreitend so eng und erfolgreich zusammen wie die Trinationale Metropolregion Oberrhein. Die Teilregionen Elsass, Baden, Südpfalz und Nordwestschweiz mit ihren 6 Mio. Einwohnern fügen sich zu einem gemeinsamen Lebens- und Wirtschaftsraum, als auch kulturell, zusammen.

Deshalb betonte Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen auf der trinationalen Oberrheinkonferenz (ORK), wie wichtig gerade im heutigen Europa die regionalen Kontakte über die Grenzen auch innerhalb der Kulturschaffenden seien, was auch Synergien erschließe. Sie regte an, thematisch verbundene Veranstaltungen im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 wie einen roten Faden durch die Oberrheinregion zu ziehen: "Ich bin sicher, dass wir entlang des Oberrheins viele gemeinsame Themen haben und die bessere Wahrnehmung der Region allen Beteiligten einen Mehrwert bringt."

"Gegenseitiger Kulturaustausch macht nationale Grenzen durchlässiger und hilft bei der Überwindung von Sprach- und anderen Barrieren. Das Forum Kultur sieht sich als Koordinator, Informant und Berater von Initiatoren grenzüberschreitender Kulturprojekte und betreut daher eine Vielzahl an Kulturprojekten aus verschiedenen Bereichen. Die vom Forum Kultur unterstützten Projekte am Oberrhein dienen der Annäherung und einer vertieften kulturellen trinationalen Zusammenarbeit zwischen den Ländern am Oberrhein." (ORK) 

Dieses Jahr hat Deutschland den Forumsvorsitz inne, geleitet von Karin Augschill vom Regierungspräsidium Freiburg. Laut Augschill wurde deutlich, wie wichtig es sei, die richtigen Ansprechpartner diesseits und jenseits des Rheins zu kennen, denn trotz aller Gemeinsamkeiten gebe es in den Strukturen der Verwaltung auch erhebliche Unterschiede. "Gleichzeitig ist wichtig, dass sich die Vertreter der Kulturverwaltungen der drei Nationen austauschen und Informationen dahin gelangen, wo sie benötigt werden. Nur dann wird das weitere Zusammenwachsen des Oberrheins als trinationale Region gelingen."

Die ORK und ihre Untergliederungen verbinden deutsche, französische und schweizer Regierungs- und Verwaltungsbehörden auf regionaler Ebene. Sie bilden den institutionellen Rahmen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Die ORK umfasst die badischen Stadt- und Landkreise von Karlsruhe bis Lörrach, den nordwestlichen Teil der Schweiz um Aargau, Solothurn und Basel sowie das nördliche französische Jura, das Elsass und die Südpfalz.

Zum Jahresende geht die einjährige Präsidentschaft der Deutsch-französisch-schweizerischen Oberrheinkonferenz auf das Land Rheinland-Pfalz über. Der Vertreter des französischen Staates in der Région Grand Est hatte seit dem 1. Januar 2017 die Präsidentschaft inne. Der Beauftragte der Ministerpräsidentin für grenzüberschreitende Zusammenarbeit, Werner Schreiner, wird diese Funktion 2018 übernehmen und auch die deutsche Delegation in der Oberrheinkonferenz leiten. 

"Damit wir die Belange der Menschen im Grenzraum für die anstehenden Arbeiten der Oberrheinkonferenz unter rheinland-pfälzischer Präsidentschaft berücksichtigen können, rufen wir die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich direkt an mein Büro in der Staatskanzlei zu wenden", ermuntert Werner Schreiner zur regen Teilnahme. "Es geht hierbei insbesondere um Themenvorschläge und Projektideen für eine vertiefte Ausgestaltung der europäischen und nachbar­schaftlichen Zusammenarbeit am Oberrhein." 

Ein Schwerpunkt der rheinland-pfälzischen Präsidentschaft 2018 wird das 'Europäische Jahr des Kulturerbes' sein. Ein gemeinsames Sekretariat mit Sitz in Kehl begleitet die Arbeitsgruppen und Expertenausschüsse der Oberrheinkonferenz und fungiert als Ansprechpartner nach innen und außen.

(Quelle: ORK/StVwBAD/HIN)