Schmetterling 2018

Erstellt: Montag, 13. November 2017

(Hera). Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Naturschutzstiftung des nordrhein-westfälischen BUND-Landesverbandes haben den "Großen Fuchs" (Nymphalis polychloros) zum Schmetterling des Jahres 2018 gekürt. Der schöne Falter ist in Schleswig-Holstein sehr selten und vom Aussterben bedroht. Der BUND fordert anlässlich des Landesnaturschutztages die Landesregierung und Kommunen auf, mehr für den Schutz von Insekten zu tun. 

"Mit der Auszeichnung macht der BUND auf die schlechte Überlebensprognose der Schmetterlingsart aufmerksam und fordert zu mehr Insektenschutz auf", sagte Claudia Bielfeldt, BUND-Landesvorsitzende in Schleswig-Holstein. In Schleswig-Holstein steht der "Große Fuchs" auf der Roten Liste. Der Falter lebt in trockenwarmen halboffenen Landschaften, an sonnigen Waldrändern aber auch in naturnahen Gärten und auf Streuobstwiesen.

Wegen des Rückgangs dieser Lebensräume gilt er zwischen Nord- und Ostsee als sehr selten und vom Aussterben bedroht. Seine langfristige Bestandsentwicklung schätzt das Bundesamt für Naturschutz als "sehr stark rückläufig" ein.  

"Gerade unsere Dörfer und Städte sind häufig die letzten Inseln der Artenvielfalt in einer immer ausgeräumteren Landschaft", erläutert Tobias Langguth, BUND-Naturschutzreferent in Schleswig-Holstein. "Die Natur in Dorf und Stadt" ist auch Thema beim diesjährigen Landesnaturschutztag in Neumünster: Gemeinsam mit Kommunen und Bürgern müssen hier Wege gefunden werden, um diese verbliebene Artenvielfalt zu erhalten. Dazu gehört auch, dass man Trends wie Steingärten, privaten Einsatz von Pestiziden und nicht-heimischen Gehölzen im Garten eine klare Absage erteilt und naturnahe Alternativen aufzeigt", fordert Langguth.

Die BUND-Landesvorsitzende Claudia Bielfeldt schließt sich diesen Forderungen an und wünscht sich von der Landesregierung und den Kommunen mehr Einsatz für die biologische Vielfalt. "Insbesondere das Insektensterben muss endlich ambitioniert angegangen werden: Schluss mit Pestiziden für Privatpersonen, Einführung einer Abgabe auf Pestizide in der Landwirtschaft, vollständiges Pestizidverbot in Schutzgebieten und deren Umfeld, ein Pestizidverzicht für Kommunen sowie die Einführung eines unabhängigen, langfristigen Insektenmonitorings – all dies brauchen wir jetzt und nicht erst übermorgen", fordert Bielfeldt.  

Während die meisten Tagschmetterlingsarten die kalte Jahreszeit als Raupen verbringen, überwintert der Große Fuchs als ausgewachsener Falter. Daher braucht er schon im zeitigen Frühjahr Nahrung. Die erste Futterquelle sind blühende Weidenkätzchen. "Leider entfernen Förster Salweiden häufig, da ihr Holz nur wenig Geld einbringt. Das ist ein Grund für den Rückgang der Bestände des Großen Fuchs", erläutert Tobias Langguth.

"Um insbesondere dem Großen Fuchs zu helfen, sollten Weichholzarten wie die Salweide nicht mehr rücksichtslos abgeholzt werden", so der Naturschutzexperte abschließend. Eine weitere Ursache für den Bestandsrückgang des Falters ist der schon erwähnte Verlust seines Lebensraumes durch die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft und den Flächenverbrauch für Siedlungsbau und Verkehr.  

Der BUND und die BUND NRW Naturschutzstiftung küren seit 2003 den Schmetterling des Jahres, um auf die Bedeutung und Bedrohung der Arten aufmerksam zu machen. Zwei Drittel der Tag- und die Hälfte der Nachtfalterarten in Deutschland sind gefährdet.  Der Große Fuchs ist eine der wenigen Schmetterlingsarten, die sich nicht nur von Nektar ernähren, sondern auch von Baumsäften, Exkrementen und Aas. Mit 50 bis 55 Millimetern Flügelspannweite gehört der Falter zu den großen Schmetterlingen. Im Frühjahr sonnen sich die Schmetterlinge mit aufgefalteten Flügeln an Baumstämmen und lassen sich dann gut beobachten.

Die Flügeloberseiten sind orange und tragen schwarze und gelblichweiße Flecken sowie am Hinterflügelrand eine schwarze Binde mit bläulichen Flecken. Der "Große Fuchs" sieht dem viel häufigeren "Kleinen Fuchs" zwar sehr ähnlich, ist aber nicht näher verwandt.  Die Weibchen legen im April und Mai ihre Eier rund um dünne Zweige in den Kronen von Salweiden, Pappeln oder Obstbäumen ab, den Futterpflanzen der Raupen.

Diese leben zunächst gesellig in einem Netz aus Spinnfäden und verpuppen sich im Frühsommer. Sie sind dann etwa 45 Millimeter lang, schwarzgrau und tragen mehrere Reihen orange gefärbter verästelter Dornen. Zwei bis drei Wochen später schlüpfen die Schmetterlinge. Sie ziehen sich aber schon früh in ihre Überwinterungsquartiere zurück, so dass der Große Fuchs im Herbst nur selten zu beobachten ist.

(Quelle: NABU.de/HIN)